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Kindersprachscreening (KiSS) ermöglicht frühzeitige Diagnose und Förderung

Fulda. Sprache ist der Schlüssel zur Bildung und zur Integration. Doch immer mehr Kinder im Landkreis Fulda haben einen Sprachförderbedarf. Dies belegen die amtsärztlichen Schuleingangsuntersuchungen, bei denen unter anderem auch die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder getestet werden.

So waren im Jahr 2012 exakt 22,2 Prozent der untersuchten Schulanfänger mit Deutsch als Muttersprache sprachauffällig. Bei den Kindern mit Migrationshintergrund waren es 40,9 Prozent. Ein Jahr später zeigte sich ein leicht verändertes Bild. Bei den Kindern mit Deutsch als Muttersprache lag der Anteil derer, bei denen Sprachauffälligkeiten festgestellt wurden, bei 21,8 Prozent. Deutlich gestiegen war hingegen der Anteil der sprachauffälligen Kinder mit Migrationshintergrund. Mit 47,1 Prozent war statistisch gesehen also fast jedes zweite Kind mit Migrationshintergrund sprachauffällig.

Sprachförderung ist seit Jahren ein Thema in der Bildungs- und Gesundheitspolitik. In Hessen gibt es seit 2007 das Kindersprachscreening (KiSS). Das Screening wurde von der hessischen Landesregierung initiiert, ist aber nicht verpflichtend, sondern findet auf freiwilliger Basis in den Kindertagesstätten statt. Hessenweit nehmen insgesamt mehr als 800 Kitas an dem Sprachförderprogramm teil.

„Im Landkreis Fulda wird KiSS in 28 von 58 kommunalen Kindertagesstätten sowie in acht Kitas, die sich in kirchlicher oder freier Trägerschaft befinden, durchgeführt“, weiß Edith Jordan, Leiterin des Fachdienstes Jugend, Familie, Sport, Ehrenamt bei der Kreisverwaltung Fulda. „Grundsätzlich ist Sprachförderung immer ein Thema in den Kindertagesstätten“, betont die Jugendamtsleiterin. „Das Screening dient dazu, bei den vier bis viereinhalbjährigen Kindern einen Stand festzustellen, um bei Bedarf gezielte Fördermaßnahmen einleiten zu können.“

KiSS wird in den Kitas von speziell geschulten pädagogischen Fachkräften durchgeführt. Im Rahmen des Screenings wird ein Profil erfasst, aus dem die Kompetenzen des Kindes abgelesen werden können. Das Verfahren ermöglicht die Einschätzung des Sprachstandes: entweder als unauffällig, als sonderpädagogisch förderbedürftig oder als medizinisch abklärungsbedürftig durch den Kinderarzt.

„Die Sprachstandserhebung allein“, erklärt Edith Jordan, „bedeutet noch keine Verbesserung der Sprachleistung von Kindern. Maßgeblich ist die Förderung nach der Diagnose.“ Die Arbeit mit einem Logopäden sei nur eine mögliche Maßnahme. Oft könnten die Sprachheilbeauftragten, die beim Gesundheitsamt des Landkreises Fulda tätig sind, hilfreiche Empfehlungen aussprechen und Eltern alltagstaugliche Tipps mit auf den Weg geben.

Dass das Kindersprachscreening Hand und Fuß hat, haben universitäre Einrichtungen festgestellt. KISS wurde intern von der Universität Zürich und extern vom Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität Köln evaluiert und hat in beiden Studien gut bis sehr gut abgeschnitten.

„KiSS gibt es nun schon seit einigen Jahren, und wir sind der Überzeugung, dass es ein gutes Instrumentarium zur Feststellung des Sprachförderbedarfs ist“, betont Erster Kreisbeigeordneter Dr. Heiko Wingenfeld. „Das Alter der Kinder, in dem die Diagnose gestellt wird, ist ideal, um noch gezielt fördern zu können. Deshalb ist es uns ein großes Anliegen, KiSS weiter in den Kindertageseinrichtungen des Landkreises zu verbreiten.“ (Dorit Heydenreich)

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