
Bimbach. Unterrichtsbeginn zu unterschiedlichen Zeiten – an der Grundschule im Großenlüderer Ortsteil Bimbach war das vor 13 Jahren der Normalfall. Doch als Gisela Juch die Schulleitung übernahm, sollte das schnell anders werden. „Vielleicht lag das auch an meinen Erfahrungen als Lehrerin an thüringischen Schulen“, erzählt die gebürtige Thüringerin. Dort sei es normal gewesen, dass Frauen arbeiteten, so dass es für Kinder ganz selbstverständlich schon früh morgens eine Betreuung in der Schule gab. Vor diesem Hintergrund testete die Schulleiterin das auch in Bimbach – mit Erfolg, und zählte damit zu den Vorreitern.
„Dank des Landkreises konnten wir schon bald eine kostenfreie Betreuung ab halb acht Uhr morgens anbieten, rund 30 Prozent der Eltern nahmen das Angebot wahr.“ Schnell meldeten die Familien auch den Bedarf einer Nachmittagsbetreuung an: „Großenlüder bot sie zuerst an und wir zogen nach. Innerhalb eines Vierteljahres, mit großer Unterstützung eines engagierten Fördervereins, habe wir auch diese quasi aus dem Boden gestampft“, blickt Juch zurück.
Heute nutzen 85 Prozent der 86 Schüler das komplette Angebot der Schule. Zeitlich bedeutet das, dass sie sich bis 16 Uhr in den Räumen der Bimbacher Grundschule aufhalten. „Aber für uns bedeutet Nachmittagsbetreuung natürlich auch eine qualitativ hochwertige Betreuung“, erzählt die Schulleiterin. Deshalb gibt es verschiedene Arbeitsgemeinschaften: „Jeweils für ein Halbjahr können sich die Schüler je nach persönlichem Interesse anmelden“, erklärt Barbara Schneider-Mayer. Die Lehrerin ist für den organisatorischen Part der Nachmittagsbetreuung zuständig. Wählen können die Grundschüler aus dem thematisch breit gefächerten Angebot wie Junge Forscher, Sportball, Brettspiele, Basteln, Sticken und Nähen, Kartengestaltung am PC, Literatur und, und, und. Für die Eltern ist diese nicht nur kostenfrei, viele ermöglichen eine AG dadurch, dass sie einen Kurs selbst anbieten.
Das Engagement der Eltern sei laut Juch mitunter überwältigend: „Als wir bei der Mini-WM teilnahmen, haben wir eingeladen, Fanartikel zu basteln“, erzählt sie und fügt mit einem Lachen an: „Wir hatten mit zehn Erwachsenen gerechnet und rund 40 kamen.“ Auch wenn die Nachwuchsfußballer nicht auf dem Siegertreppchen landeten, der Titel für die beste Fangemeinde konnten sich die Bimbacher sichern.
Doch die Mitarbeit der Erwachsenen umfasst weit mehr: „Wir haben glücklicherweise einen kompetent besetzten Förderverein, der sich auch mit inhaltlichen Fragen beschäftigt“, freut sich die Schulleiterin. Denn so ist zum Beispiel das neueste Projekt „Naturnaher Spielraum“ überhaupt ins Rollen gekommen. Seit 13 Jahren spart das Kleiderbasar-Team des Fördervereins Geld, um auf einem Gelände in der Nähe der Schule einen Ort zu schaffen, an dem die Kinder wieder den Bezug zur Natur lernen. Dort gibt es zwar keine üblichen Spielgeräte, dafür aber einen Barfußpfad, Weidenkätzchentipis und Kletterbäume, auf denen die Bimbacher Schüler toben dürfen. Der Ort soll zudem zu einem Treffpunkt werden: „Wir pflegen zum Beispiel den Kontakt zum Haus Arche Noah, in dem Menschen mit Behinderung leben, sowie zur Seniorentagespflege“, erzählt Juch.
Die Grundschüler sind aktiv in das Gemeindeleben integriert, sie machen beispielsweise mit bei Aktionen wie dem Adventskalender, bei dem die gesamte Schule ein Theaterstück aufgeführt hat, und zeigen ihr musikalisches Können bei Veranstaltungen. Letzteres kommt nicht von ungefähr: In Zusammenarbeit mit der Musikschule des Landkreises Fulda haben die Bimbacher Schüler im Rahmen des Angebots „Jedem Kind ein Instrument“ (JeKi) Gelegenheit, ihr musikalisches Talent zu entdecken. „In der ersten Klasse erhalten alle gemeinsam eine musikalische Grundausbildung, danach können sich die Schüler freiwillig für das Erlernen eines Instruments entscheiden“, erklärt Schneider-Mayer. Ein Angebot, das die Schüler gerne wahrnehmen. „Wir mussten sogar anbauen“, erzählt Juch. Vor einiger Zeit hat der Landkreis nämlich einen Anbau für einen zusätzlichen Raum ermöglicht – mit viel Platz für alle Instrumente und musizierfreudige Schüler.