Angersbach. Landrat Manfred Görig besuchte die Firma Anlagenbau Günther in Angersbach. Er freute sich sehr über die deutliche Botschaft von Bernd Günther und Otto Bäuscher: „Wir haben hier alles vor Ort, was wir brauchen: Die Mitarbeiter haben wir hier genauso gefunden wie den Großteil unserer Lieferanten, mit denen wir seit Jahren erfolgreich kooperieren.“ Die Geschäftsführung war sich mit Landrat Manfred Görig einig: „Es hilft allen Beteiligten, wenn wir die Arbeit hier in der Region lassen. Auch die Kooperation mit anderen heimischen Unternehmen bringt uns alle gemeinsam voran, indem wir uns die Bälle zuspielen und uns gegenseitig fordern.“ Anlagenbau Günther arbeitet mit rund einem Dutzend hochwertiger Zulieferer aus dem Raum Vogelsberg und Fulda zusammen.
Seit Anfang des Jahres trägt Bernd Günther den Titel „Unternehmer des Jahres 2013“, der ihm vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) verliehen wurde. Schöner fände er den Titel „Unternehmen des Jahres“, korrigierte er. „Vater, ich und zwei Gesellen dazu – so haben wir angefangen“, blickt Bernd Günther zurück. Bei der Einweihung des neuen Firmensitzes 2008 war die Belegschaft schon auf 78 Mitarbeiter angewachsen, bis heute sind weitere 50 hinzugekommen. „Wir waren schon immer Tüftler und Erfinder. Es braucht außer den Ideen aber auch Mut für die Weiterentwicklung“, so der Firmenchef weiter. Und er freue sich, dass es am Mut und an neuen Ideen bisher nicht gemangelt habe.
Die Firma existiert seit 1924, damals vom Großvater des heutigen Geschäftsführers als Einzelhandels- und Installationsbetrieb gegründet. 1985 kam der Einstieg in den Maschinenbau, 1989 wurde das Geschäftsfeld Umwelttechnik etabliert, gemeinsam mit Verpackungsservice Bäuscher. Von da an entwickelte sich der Bereich der Sortier- und Fördertechnik stetig weiter. „Wir entwickeln und bauen heute stationäre und mobile Anlagen zur Trennung fester Abfälle“, erläutert Otto Bäuscher. Die getrennten Materialien werden wiederum der Herstellung von sogenannten Ersatzbrennstoffen zugeführt.
Die Energiegesetzgebung habe die Firma und ihre Sortieranlagen „erst richtig ins Spiel gebracht“ mit der Vorschrift, dass Abfall nicht mehr unbehandelt auf der Deponie landen darf. Die Maschinen und Anlagen gingen zu 90 Prozent ins Ausland, überwiegend in die USA. Der Vertrieb wurde bislang meist von Komptech in Österreich übernommen, deren Anlagen die Vogelsberger größtenteils bauen. Doch mit eigenen Produktentwicklungen sei nun auch ein eigener Vertrieb notwendig geworden, der sich im Aufbau befinde.
Landrat Görig lobte die hohe Ausbildungsbereitschaft. Das Unternehmen bildet derzeit 12 Jugendliche in den Ausbildungsberufen Industriekaufmann, Produktdesigner, Industriemechaniker, Mechatroniker, Fachkraft für Lagerlogistik und Fachinformatiker für Systemintegration aus. „Arbeits- und Ausbildungsplätze sind das A und O für unseren Landkreis“, hob Görig hervor, die Fachkräftesicherung stehe ganz oben auf der Tagesordnung. „Wir haben keine Nachwuchssorgen bisher, es kommen immer neue Ausbildungsberufe bei uns hinzu“, so die beiden Geschäftsführer. Außerdem seien oft Praktikanten im Betrieb, von denen sich einige später für eine Ausbildung bewarben. Mehr als die Hälfte der Azubis absolvierten im Anschluss noch ein Studium – „Wir unterstützen sie dabei und freuen uns natürlich, wenn sie danach zurückkehren.“
Die Versorgung mit schnellem Internet und die Erreichbarkeit über gut ausgebaute Straßen waren zwei Themen, die an den Landrat herangetragen wurden. „Klar ist: schnelle Datenübertragung muss überall verfügbar sein“, so Görig. Die momentanen Ersatzlösungen seien nicht ausgereift. Er sehe ganz klar die Umsetzung am besten beim örtlichen Energieversorger angesiedelt, am sinnvollsten ergänzt durch das Know-How der Telekom. Die DSL-Problematik stehe bei ihm schon länger auf der Agenda, und es solle dafür bald eine Lösung gefunden werden.