Written by 9:13 Alle Nachrichten, Gesundheit & Medizin

Rheumanetz Osthessen: Stützpunktpraxen übernehmen Versorgung rheumakranker Patienten

Fulda. Mindestens 10.000 Erwachsene in der Region Osthessen leiden unter entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Diese Patienten müssen insgesamt 40.000 Mal im Jahr einen Spezialisten aufsuchen. Es gibt jedoch in der gesamten Region lediglich einen einzigen Rheumatologensitz. Hier können nur maximal 2.000 der  10.000 Patienten versorgt werden – extrem lange Wartezeiten sind die Folge für die kranken Menschen.Mit Blick auf diese Situation hat die Ärztegenossenschaft Gesundheitsnetz Osthessen eG (GNO) gemeinsam mit Prof. Dr. med. Peter M. Kern, dem Direktor der Medizinischen Klinik IV – Rheumatologie, Immunologie und Osteologie – des Klinikum Fulda das Rheumanetz Osthessen ins Leben gerufen. „Unser Ziel ist, hausärztlich tätige Internisten mit einer Zusatzausbildung so weit zu qualifizieren, dass sie als so genannte Stützpunktpraxen die Not ein wenig abfedern können“, erklärt die Geschäftsführerin des GNO, Gabriele Bleul.

Das Konzept für die Zusatzausbildung, die jetzt im Zentrum Vital in Fulda startete, hat Prof. Dr. Kern entwickelt. Den 19 Teilnehmern vermittelt der Rheumatologe eine Grundausbildung zu spezifischen rheumatologischen Erkrankungen und Therapien: „Die ausgebildeten Ärzte sollen in der Lage sein, Frühzeichen rheumatologischer Erkrankungen zu erkennen, entzündlich-rheumatische Krankheitsbilder von degenerativen zu unterscheiden, Krankheitsverläufe zu beurteilen und zu dokumentieren, Krankheits- und Therapiekomplikationen zu erkennen und Therapiekontrollen durchzuführen“, erklärt Prof. Dr. Kern. Parallel werden auch medizinische Fachangestellte der Stützpunktpraxen zu Rheumafachassistenzen (DGRh/BDRh) ausgebildet.

„Wir werden überdies ein kontinuierliches Kommunikationsnetz etablieren, innerhalb dessen jederzeit ein inhaltlicher Austausch zwischen der Stützpunktpraxis und dem rheumatologischen Zentrum des Klinikums Fulda erfolgen kann“, so Prof. Dr. Kern. Das Konzept sieht vor, dass die Patienten zur Diagnosestellung zunächst einen Rheumatologen aufsuchen, der dann auch die Therapie festlegt. Die weitere Betreuung und Kontrolle übernehmen die Stützpunktpraxen. „Die Praxen können jederzeit auf das rheumatologische Zentrum zugreifen, sei es im Wege der Kommunikation oder der direkten Überweisung, etwa im Falle von Therapieversagen, Therapie-Nebenwirkungen, Therapie-Komplikationen oder Krankheitskomplikationen“, erklärt Prof. Dr. Kern.

Dr. Jörg Simon, Internist aus Fulda, Mitglied im GNO und Vorsitzender des Verbundes hessischer Ärztenetze, Hessenmed e. V., ist einer der Ärzte, die die Fortbildung besuchen. „Das Fachgebiet der Rheumatologie hat sich wie kaum ein anderes Feld der Medizin in den letzten Jahren weiterentwickelt und neue Behandlungen ermöglicht. Hier ist bei steigenden Patientenzahlen intensive internistische Fort- und Weiterbildung für einen kostenbewussten Einsatz der Therapeutika unumgänglich. Die sektorenübergreifende, regional aufgestellte Patientenversorgung ist dabei ein Gebot der Stunde“, so Dr. Simon.

Visited 2 times, 1 visit(s) today
Close