
Fulda. Mit Schwung hinein in die fünfte Jahreszeit geht es für die Fastnachtsaktiven am 11.11. um 11.11 Uhr im Mittelpunkt des Tages. Ob Helau, Fölsch Foll, Ho-Bi-Fa, Good Bomb oder wie die Schlachtrufe auch alle lauten mögen, die närrische Zeit beginnt. Frohsinn und Heiterkeit, Prunksitzungen und Bälle, Büttenreden und Sketche und am Ende die Rosenmontagsumzüge und Lumpenbälle sind angesagt. In der Kampagne 2012/2013 müssen sich die Fastnachter sputen, denn bereits am 13. Februar ist schon Aschermittwoch – und alles vorbei.
Schade werden eingefleischte Karnevalisten sagen, und manche Aktive investieren in die „schönste und lustigste Jahreszeit“ ihren Urlaub. Endlich kann man in eine Rolle schlüpfen, mit spitzer Feder und eben solcher Zunge in der Bütt, der Kanzel des Fastnachters, Zeitgenossen ins Visier nehmen und sagen, was man eigentlich schon immer mal sagen wollte. Nur, dass alles in wohlüberlegte Worte gepackt wird, die treffend die Wahrheit beinhalten, aber doch nicht so ernst gemeint sind, dass darüber nicht gelacht werden dürfte. Pointiert muss so eine Rede sein, nicht verletzend und ein wenig übertrieben, und doch weiß jeder, wer und was gemeint ist.
Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den unterschiedlichen Aufgabengebieten des Landkreises Fulda sind in der närrischen fünften Jahreszeit aktive Fastnachter. Dies gilt auch für Hans-Peter Vogel, Ralf Cammerer und Peter Ebert, die sich bei der Florengäßner Brunnenzeche engagieren. Mit der Muttermilch habe er den Fastnachtsgedanken verabreicht bekommen, sagt Hans-Peter Vogel, seit dem Jahre 2005 beim Landkreis Fulda und Fachdienstleiter Leistung und Vermittlung im Kreisjobcenter in der Robert-Kircher-Straße. Zurzeit ist er Bürgermeister der Florengäßner Brunnenzeche, übersetzt deren Erster Vorsitzender.
Sein Großvater war im Jahre 1934 Mitbegründer der Brunnenzeche. Die Fuldaer Karnevalsgesellschaft hatte einen Aufruf gestartet, sich am Rosenmontagszug zu beteiligen. Da wollten auch die Stammtischbrüder aus der Florengasse nicht zurückstehen, die sich regelmäßig in der Gaststätte Eintracht, besser bekannt unter „Der Duume“, trafen. Sie erinnerten sich an die Brunnenherren, die für Ordnung und Sauberkeit an den Brunnen gesorgt, so manchen Streit geschlichtet und einmal im Jahr ein Fest um den Brunnen herum ausgerichtet hatten, die „Brunnenzeche“. So wurde die Florengäßner Brunnenzeche geboren, die sich in ihren Kostümen an der Biedermeierzeit (1815-1848) orientierte, sich als Gemeinde verstand und damit einen Bürgermeister und Ratsherren hatte. Hinzu kam die Brunnenliesel und daraus wurde das Brunnenpaar (Brunnenpaar 1997: Ulli und Hans-Peter Vogel).
Diese Fastnachtsordnung habe sich bis heute erhalten, bestätigte Rolf Cammerer, selbst im Jahre 1987 mit seiner Frau Ursula Brunnenpaar und heute Protokoller und Büttenredner. Er sammelt das ganze Jahr über „wichtige Ereignisse“ und daraus bastelt er seine Reden. Pointiert glossiert müsse man in der Bütt das bringen, was den Zuhörern noch präsent sei und ihre Lachmuskeln strapaziere, so der Hobbykarnevalist. In der letzten Fastnachtskampagne glänzte er in der Rolle des Bonifatius. Aber auch in der Männerschautanzgruppe oder als Frauenberg-Pater war Rolf Cammerer aktiv, der im „richtigen Leben“ seit dem Jahre 2005 für die Kreisverwaltung tätig und im Kreisjobcenter Teamleiter Leistung und Vermittlung ist.
Der dritte Brunnenzecher Peter Ebert ist auch in der Kreisverwaltung aktiv. Aber nicht als Mitarbeiter, sondern als Leiter der „Stube des Landvolks“. Als gelernter Koch ist er seit dem Jahr 1996 bei der gemeinnützigen Grümel GmbH beschäftigt. Diese betreibt seit dem Jahr 2009 die Kantine im Kreishaus. Für 15 Auszubildende, täglich wechselnden Mittagstisch – selbst zubereitet, mit reichlicher Auswahl und gutem Service – und zweimal wöchentlich Frühstücksangebot ist er verantwortlich. Bei der Brunnenzeche ist er seit seiner Kindheit „mit Herz und Seele“ engagiert, war Bürgermeister, Ratsherr, in der Theatergruppe und der Narrenschule sowie in der Garde und von 2002 bis 2011 in der Vorstandsarbeit tätig. Peter Ebert ist aber auch mit Herz und Seele in der Stube des Landvolkes aktiv. (win/was/gi)
BU: Verantwortungsvoll und engagiert im Beruf, in der fünften Jahreszeit mit Herz und Seele Brunnenzecher: Hans-Peter Vogel, Rolf Cammerer und Peter Ebert                Foto: Möller