Written by 0:09 Alle Nachrichten, Bildung & Jobsuche, Politik & Wirtschaft, Topthema

Modellprojekt „Qualifizierte Schulvorbereitung“ nimmt Stärken der Kindergartenkinder in den Blick und fördert Kooperation

Gersfeld. Für die vierjährigen Kindergartenkinder aus Gersfeld ist „Schule“ eigentlich noch ein abstrakter Begriff. Doch Eltern, Erzieherinnen und Lehrerinnen machen sich bereits heute Gedanken darüber, wie der Übergang vom Kindergarten zur Grundschule im Jahr 2014 möglichst fließend gestaltet werden kann.

Dass eine qualifizierte Schulvorbereitung bereits zwei Jahre vor der Einschulung beginnt, ist in Hessen nicht üblich, sondern ein neuer Ansatz des Hessischen Sozialministeriums, das im Mai dieses Jahres an landesweit 30 Standorten das Modellprojekt „Qualifizierte Schulvorbereitung“ (QSV) gestartet hat.

Der evangelische und katholische Kindergarten sowie die Otto-Lilienthal-Schule in Gersfeld bilden für den Projektzeitraum von zwei Jahren das QSV-Tandem im Landkreis Fulda. Vor Kurzem wurden die Mütter und Väter der „Projekt-Kinder“ über die Hintergründe und Instrumente der QSV informiert. Im Rahmen eines Elternabends erläuterte Grundschulleiterin Manuela Goldbach die Ziele des Projekts, dessen Grundlage der Hessische Bildungs- und Erziehungsplan bildet.

„Alle Kindergartenkinder in Hessen sollen möglichst früh und individuell gefördert werden, damit sie als kompetente und gestärkte Kinder in die Schule kommen“, verdeutlichte die Schulleiterin. „Dabei bauen wir auf vorhandenen Strukturen auf und nehmen gemeinsam die Bereiche Bewegung und Motorik, soziale Kompetenz, Emotionalität und Lebenspraxis, Lernmethodische Kompetenz und Übergangskompetenzen noch gezielter in den Blick.“

Um eine genaue Vorstellung vom Entwicklungsstand der Kinder zu bekommen, führen die geschulten Erzieherinnen in den Kindertagesstätten eine ganzheitliche Beobachtung der Kinder durch. Dabei unterstützen die Testverfahren KiSS (Kinder-Sprach-Screening), das im Alter von vier bis viereinhalb Jahren durchgeführt wird, und KOMPIK (Kompetenzen und Interessen von Kindern) die Dokumentation und fundierte Einschätzung des Entwicklungsstandes.

„Die Testverfahren zeigen uns, wo das Kind seine Stärken hat und wo es noch gezielter gefördert werden kann“, betonten Alexandra Bachmann und Silke Heil vom katholischen Kindergarten Don Bosco. Alexandra Bachmann stellte den KOMPIK-Beobachtungsbogen vor: „KOMPIK wird insgesamt drei Mal durchgeführt und passiert nicht am Tisch, sondern im Alltag. Wir versuchen so, einen möglichst ganzheitlichen Blick auf das Kind zu bekommen und sind dabei in einem sehr engen Austausch mit den Eltern, um jedes Kind optimal zu stärken.“ Im Anschluss erläuterte Silke Heil die Vorgehensweise beim Kindersprachscreening „KiSS“, das eine Einschätzung des Sprachstandes ermöglicht.

Laut Ursula Seibert und Elke Herzig vom evangelischen Kindergarten Gersfeld planen die Projektpartner ergänzend zu den Testverfahren im letzten Kindergartenjahr gemeinsame Aktivitäten. Dazu gehören beispielsweise Ausflüge, Wanderungen oder Feiern. „Das Modellprojekt gibt uns die Möglichkeit, als Institutionen noch stärker zusammenzuarbeiten, die Kinder früher und intensiver kennenzulernen und sie in Kooperation mit den Eltern so zu fördern, dass möglichst alle Beteiligten den Übergang zur Schule als Chance erfahren können“, fasste Schulleiterin Manuela Goldbach abschließend zusammen. (Foto und Text: Dorit Heydenreich)

Foto von links: Alexandra Bachmann, Ursula Seibert, Elke Herzig, Silke Heil und Manuela Goldbach stellten im Rahmen eines Elternabends das Modellprojekt „Qualifizierte Schulvorbereitung“ vor

 

Visited 2 times, 1 visit(s) today
Close