Fulda. Die Geschichte, die viele Hörer bewegte, begann so: Margit Taubitz aus Mannheim hatte an hr1 eine Mail geschickt: Mit ihrem Mann Paul habe sie sie Anfang Oktober einige schöne Urlaubstage im kroatischen Porec verbracht. Doch dann kam das jähe Ferienende: Eines Abends brach Ehemann Paul im Hotel mit einem Herzinfarkt zusammen. Ein junger Mann war zu Hilfe geeilt und begann sofort mit einer Herzmassage. „Dadurch kam mein Mann wieder zurück”, schrieb Margit Taubitz an hr1. „Am nächsten Tag fuhr der junge Mann mit seiner Abitursklasse wieder nach Hause. Ich hatte keine Möglichkeit mehr, mir seine Adresse geben zu lassen. Mein Mann hat nur überlebt, weil der Junge so schnell reagierte.” Ihre Idee: Übers Radio den Schüler wiederzufinden, von dem sie vermutete, dass er Thomas heißt und aus Groß-Gerau stammt. Und bat hr1: “Wir würden uns freuen, wenn Sie die Möglichkeit hätten, ihn übers Radio zu finden. Mein Mann würde ihn sehr gerne in den Arm nehmen.”
hr1 half gerne und fragte am Dienstagmorgen, wer Hinweise auf Lebensretter Thomas aus Südhessen geben kann. Etliche Anrufe, Hinweise und Mails hatten den Radiosender daraufhin erreicht. hr1-Reporter Philipp Wellhöfer stürzte sich in die Recherche, telefonierte sich durch viele Schulen und hatte schließlich „Thomas” am Telefon. Große Überraschung: „Thomas“ heißt in Wirklichkeit Sebastian Klingenberger, ist 21 Jahre alt und kommt nicht aus Groß-Gerau, sondern aus Fulda. Aber er ist auf jeden Fall der engagierte Lebensretter, der im Urlaub so beherzt eingegriffen hat. Und: Er hatte eine Helferin, ohne die es vielleicht nicht gelungen wäre, das Leben von Paul Taubitz zu retten: Lorena Schad, 18 Jahre alt. Die beiden jungen Fuldaer machen an der Richard-Müller-Schule ihr Abitur. Über ihren spontanen und engagierten Einsatz auf der Klassenfahrt in Kroatien freut sich auch ihr Lehrer, Studiendirektor Hubert Krah: „Ich bin stolz auf unsere beiden Abiturienten in spe, dass sie beherzt und spontan die lebensrettenden Maßnahmen vorgenommen haben.“
Sebastian Klingenberger selbst wurde von der Nachricht, dass er „gesucht“ wird, im Unterricht überrascht. „Da kam mein Schulleiter rein und sagte, dass hr1 mit mir sprechen möchte. “ Im Radio erzählte er dann die Geschichte nochmal aus seiner Sicht: wie er und Lorena auf der Tanzfläche im Hotel Hilferufe gehört hätten, wie sie Paul Taubitz am Boden „krampfend“ vorgefunden und dann die erforderliche erste Hilfe geleistet hätten. „Ich habe nicht drüber nachgedacht, man funktioniert dann einfach.“
Die Freude beim Ehepaar Taubitz über die gefundenen Retter war am späten Dienstagnachmittag natürlich groß. Der Gerettete liege zwar noch im Krankenhaus, es ginge ihm aber gut, teilt Margit Taubitz mit. Per telefonischer Zusammenschaltung im Programm von hr1 wollte sie sich am Mittwochmorgen mit Sebastian Klingenberger im Radio unterhalten und ihm endlich persönlich danken. Dem jungen Mann aus Fulda ist der Rummel fast schon ein bisschen peinlich: „Ich wollte das nicht an die große Glocke hängen, ich habe das gerne gemacht.” (hr1/Bild: Hubert Krah)