Fulda (mb). Sie ist bedrückend. Sie trifft jeden bis ins Mark: die Deportation jüdischer Menschen mit den Zügen der Deutschen Reichsbahn in die Arbeits- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten. Der bürokratischen Seite und dem menschlichen Aspekt der Deportation mit unmittelbaren Bezügen zur jüdischen Gemeinde Fuldas widmet sich eine „Doppelausstellung“, die von der Fuldaer Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit unter Vorsitz von Dr. Irina Ostmeyer initiiert und mit Unterstützung der Deutschen Bahn sowie der Stadt Fulda durch das Stadtarchiv und das Vonderau Museum ab 8. November in der Galerie vor den Spiegelsälen gezeigt wird.
Eröffnet werden die beiden Ausstellungen „Sonderzüge in den Tod – Die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn“ sowie „Jüdische Nachbarn – Wege von gestern“ durch den Schirmherrn der Veranstaltung, Fuldas Oberbürgermeister und Kulturdezernent Gerhard Möller, am 8. November um 16 Uhr. Möller dankte Irena Ostmeyer sowie allen weiteren Beteiligten für das große Engagement, mit der beide Ausstellungen inhaltlich ergänzend zusammengeführt worden sind. „Wir sind dankbar für diese Arbeit des Erinnerns, des Gedenkens an die schlimmen Schicksale, die ehemalige jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Fulda in der Zeit der Nazi-Terrorherrschaft erleiden mussten.“
Bürokratie des Tötens
Die Ausstellung der Deutschen Bahn Bahn (DB) dokumentiert nach Worten Irena Ostmeyers die „Bürokratie des Tötens“, allgemeine Informationen, vor allem Zahlen, Fahrpläne, Anordnungen, aber auch Zugnummern für die geplanten „Sonderzüge“. Den begleitenden Vortrag wird Susanne Kill, Berlin, am Mittwoch, dem 7. November um 19 Uhr im Bonifatiushaus halten. Der Fuldaer Teil der Ausstellung ist nicht Gesetzen, Verordnungen oder Zahlen, sondern dem einzelnen Menschen mit seinem persönlichen Schicksal gewidmet, betont Ostmeyer. Namen und Gesichter ehemaliger Nachbarn werden in Erinnerung gerufen. Basis der Ausstellung sind Archivdokumente aus Deutschland, Israel und Tschechien, Zeitungen sowie Interviews mit ehemaligen Fuldaer Juden, die 1987 aufgenommen wurden.
„Nach dem Aufruf in der Fuldaer Zeitung konnten wir noch einige Interviews mit Zeitzeugen führen und bekamen bis dahin unbekannte Dokumente und Fotos aus privaten Archiven“, freut sich Initiatorin Ostmeyer. So konnten die „Ausstellungsmacher“ mehr über die letzten der noch in Fulda verbliebenen rund 250 jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger erfahren, die schließlich mit drei „Sonderzügen“ nach Riga, Sobibor sowie Theresienstadt transportiert wurden. Für die allermeisten bedeutete der Transport nach Sobibor oder Theresienstadt, von wo aus es gerade für ältere Deportierte weiter in die Vernichtungslager Treblinka und Auschwitz ging, den sicheren Tod. Lediglich im Lager von Riga, in das nur arbeitsfähige Kräfte kamen, überlebten 12 der insgesamt 130 jüdischen Deportierten. Eine dieser Überlebenden und Zeitzeugin ist Ruth Rose, die übrigens heute wieder in Fulda lebt. Wie Ostmeyer betont, wäre die Ausstellung ohne die intensive wissenschaftliche Mitarbeit und Beratung von Gabriel Moeller undenkbar gewesen. Sein Vortrag „Jüdische Nachbarn. Teil 2“ findet am Donnerstag, dem 29. November um 19 Uhr im Haus Oranien statt. Entscheidend mitgewirkt an der Gestaltung des Fuldaer Teils der Ausstellung habe Museumspädagogin Kornelia Wagner vom Vonderau Museum.
Von besonderer Bedeutung war die Mitarbeit einiger Lehrer und ihrer Schüler sowie einer Reihe von Sponsoren, die die Ausstellung erst ermöglicht haben. Zu sehen ist die Ausstellung in der Galerie vor den Spiegelsälen bis zum 3. Dezember. Öffnungszeiten: Montag – Freitag 8:30-17:00 Uhr, Samstag und Sonntag 10:00-17:00 Uhr.