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Ein Augenzeuge aus Damaskus: Pater Georges Aboud berichtete über Situation der Christen in Syrien

Flieden (bpf). “Wir Christen in Syrien verurteilen die Gewalt, die in unserem Heimatland ausgebrochen ist – wir glauben noch immer, dass ein friedliches Zusammenleben der Religionen und Volksgruppen möglich ist”, betont Pater Georges Aboud BS aus der Pfarrei St. Cyrill in Damaskus (Syrien), der Stadt des hl. Paulus. Er war jüngst bei Pfarrer Thomas Maleja in Flieden zu Gast, mit dem er seit 2009 befreundet ist, und informierte seine interessierte Zuhörerschaft aus erster Hand über die Situation der Christen in dem orientalischen Land. Der aus dem Libanon stammende griechisch-katholische Priester, der dem Basilianer-Salvatorianer-Orden angehört, zeigte viele Fotos aus dem Gemeindeleben seiner Pfarrei in der syrischen Hauptstadt, wo er mit zwei weiteren Patres rund 15.000 Gläubige betreut. In der Nähe der Kirche hatte es im März 2012 ein Bombenattentat gegeben, auf das die Christen verschiedener Konfessionen und Muslime gemeinsam mit einer großen Friedensprozession reagierten. “Das war für uns alle ein bedeutsames Zeichen, dass wir friedlich zusammenleben wollen”, so P. Georges.

“Zur Zeit weiß niemand, wie die Zukunft Syriens aussehen wird, aber wir hoffen alle, dass der Pluralismus in unserem Vielvölkerstaat nicht durch die Gewalt zerstört wird.” Pater Georges ist überzeugt, dass die wachsende Zahl islamistischer Extremisten, die oft aus dem Ausland einsickern, nicht nur die Christen, die etwa zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen, und andere Minderheiten, sondern auch die Mehrheit der muslimischen Bevölkerung beunruhigt. Der Friede müsse gefördert und der Nächstenliebe zueinander Raum gegeben werden, unterstreicht er unter Bezugnahme auf das, was Papst Benedikt XVI. vor einem Monat bei seiner Reise in den benachbarten Libanon gesagt hat.

In seiner Pfarrei in Damaskus engagieren sich viele Christen im Dialog mit dem Islam und leben friedlich mit ihren andersgläubigen Nachbarn. Sie verteilen Hilfsgüter und solidarisieren sich mit allen, die durch die Kampfhandlungen betroffen sind. “Wir machen in unserem noch friedlichen Stadtteil keine öffentlichen Prozessionen zu Ostern mehr, weil wir nicht feiern können, während viele Menschen in unserem Lande sterben”, so Pater Georges. Er bittet die deutschen Christen um ihr Gebet für die Menschen in Syrien und besonders für ihre dortigen Glaubensschwestern und -brüder.

Stichwort: Griechisch-katholische Melkiten

Die Melkitische Griechisch-katholische Kirche hat sich im 18. Jahrhundert von der Griechisch-Orthodoxen Kirche in Antiochien gelöst und unter Papst Benedikt XIII. (1724-1730) die Einheit mit Rom erlangt. Seit 1848 ist der Sitz des Patriarchen in Damaskus (damals im Osmanischen Reich gelegen). Die melkitischen Katholiken pflegen gute Kontakte mit den orthodoxen Patriarchaten im Nahen Osten und engagieren sich für die Versöhnung zwischen Katholischer und Orthodoxer Kirche sowie im interreligiösen Dialog. Die Gottesdienste der Melkiten werden in arabischer Sprache im byzantinischen Ritus gefeiert. Patriarch der Melkiten ist Seine Seligkeit Gregorios III. Laham, der seinen Sitz in Damaskus (Syrien) und Raboué (Libanon) hat. Die Kirche hat rund 1,3 Millionen Mitglieder, vorwiegend in Syrien (250.000 Gläubige), Libanon und Israel sowie in den USA. In Deutschland ist sie kaum vertreten. Dagegen gibt es in Frankreich rund 30.000 griechisch-melkitische Katholiken, was auch daher rühren mag, dass Syrien und der Libanon nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches im 20. Jahrhundert zeitweise unter französische Verwaltung standen.

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