Nüsttal-Hofaschenbach. Es ist „die Freude an den Bienen“, die ihn zu diesem Hobby gebracht hat. Ein Hobby, das viel von der Leidenschaft und der Kompetenz lebt: Die Imkerei. Stefan Schiffhauer ist aktiver Imker und Erster Vorsitzender des Kreisimkervereins Hünfeld e. V.. Doch was ist eigentlich ein Imker? Der Mann mit Schutzhelm, der versucht, sich durch einen Schwarm Bienen zu kämpfen, um an den Honig zu kommen? Nicht ganz!
Der Imker beschäftigt sich mit der Haltung, der Vermehrung oder der Züchtung von Honigbienen und der Produktion von Honig und weiterer Bienenprodukte. Imker ist eine Wortzusammensetzung aus dem niederdeutschen Begriff Imme für „Biene“ und dem mittelniederdeutschen Wort kar für „Korb, Gefäß“. So erklärt es uns die freie Internet-Enzyklopädie wikipedia.
Dahinter steckt jedoch mehr, wie Schiffhauer erklärt. Es geht um den Umweltgedanken und die Bedeutung der Bienen in der Natur. Sie tragen erheblich zum Erhalt von Wild- und Kulturpflanzen und zu deren Erträgen bei und zählen zu den wichtigsten Bestäubern. Dies deckt sich mit ihrer ökonomischen Bedeutung, dass gegenwärtig rund 86.000 Imker etwa 700.000 Bienenvölker halten und somit zirka 25.000 Tonnen Honig pro Jahr, das heißt etwa 20 Prozent des heimischen Bedarfs, erzielen.
Schiffhauer, der seit 1977 eine eigene Imkerei betreibt und die Leidenschaft von seinem Großvater geerbt hat, beschreibt die spannende Seite dieses Hobbys. Im Frühjahr fiebere er mit, bis es endlich losgehe. Anfang/Mitte April beginnt der Vermehrungsdrang der Völker, von denen er 20 hat. Die Bienen „schwärmen“ geradezu aus, um sich zu vermehren und ihre Völker zu vergrößern. Die Zeit der Bestäubung zieht sich über den ganzen Sommer. Obstbäume sowie blühende Hecken und Sträucher sind das Ziel. Das Ergebnis: aufgrund der Bandbreite der heimischen Flora und Fauna ein sehr ausgewogener Honig, die sogenannte Tracht.
Bereits Ende Mai/Anfang Juni könne man, so Schiffhauer, den ersten Honig „schleudern“. Das heißt: Reifer Honig wird von den Honigbienen verdeckelt. Die Honigmacherinnen versehen dabei die Zellen, deren Honig reif ist, mit einem Deckel aus Bienenwachs. Ein Imker erkennt eine Wabe mit reifem Honig daher daran, dass die meisten Wabenzellen einen Deckel haben. Vor dem Schleudern müssen die Zellen wieder geöffnet werden. Der Imker entfernt die Wachsdeckel. Die entdeckelten Waben werden dann mit ihren Rahmen in eine Honigschleuder gestellt. Das ist eine Art Zentrifuge. Beginnt die Schleuder sich zu drehen, so wird der Honig durch die entstehenden Fliehkräfte aus den Honigwaben gezogen. Der Honig läuft an der Innenseite der Zentrifuge ab und sammelt sich an deren Boden. Dies kann im Juni und letztmalig im Jahr im Juli/August („Abschleudern“) geschehen.
Da der Honig und damit der Wintervorrat vom Imker geerntet wird, muss dieser für entsprechenden Ersatz sorgen, um das Verhungern des Volkes im Winter zu verhindern. Dieser Ersatz wird in der Regel durch Zucker nach der Honigernte zugeführt.
Die intensivste Zeit der Imkerei ist somit das Frühjahr und der Frühsommer, erläutert Schiffhauer, wenn sich die Bienenvölker ausbilden, die Aufzucht erfolgt, sich die Königinnen, aber auch die Drohnen herausbilden. Und genau dies mache dieses Hobby so interessant: Mitzuverfolgen, wie eine soziale Einheit in der Natur entsteht und für eine blühende Umwelt mittels Bestäubung sorgt.
Dennoch drücken auch die Imkervereine und -verbände Nachwuchssorgen. Der 1969 gegründete Kreisimkerverein Hünfeld e. V. umfasst die Ortsvereine Buchfinkenland, Burghaun, Eiterfeld, Hünfeld und Nüsttal mit 137 Mitgliedern und 1.142 Völkern. Wegen einer drohenden Überalterung gelte es, mehr Jugendliche für die Imkerei zu „begeistern“, gibt Schiffhauer als Ziel aus. Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und Präsenz auf Großveranstaltungen sollen für das Hobby und die Imkerei, verbunden mit dem Engagement für die eigene Umwelt, werben. Eine Idee dabei ist es, Menschen zu „Probeimkern“ zu motivieren, um in die Imkerei „hineinzuschnuppern“. Mit Hilfe erfahrener Imker soll ihnen dieses Hobby näher gebracht werden. „Ein Versuch, auf den wir Hoffnung setzen“, gibt sich Schiffhauer kämpferisch.