Fulda. Mit rund 70 Zuhörerinnen und Zuhörern war der Saal im evangelischen Zentrum „Haus Oranien“ am 29.9.2012 gut gefüllt. Hermann Held, stellv. Leiter der TelefonSeelsorge Fulda begrüßte den bekannten Psychotherapeut und Buchautor Björn Süfke. Er referierte mit viel Humor und Sympathie für seine Geschlechtsgenossen, wie die Entfremdung von den eigenen Gefühlen entsteht und welche männlichen Eigenheiten sie mit sich bringt im Ringen um das eigene Selbstverständnis. Die Idee zu dieser Veranstaltung war aus der Arbeit am Telefon entstanden. Oft geht es in den Gesprächen um das Spannungsverhältnis von Mann und Frau, zunehmend aber auch um das heutige Selbstbild der Männer und neue Männerrollen.
Der Referent führte aus, dass Gefühle zum menschlichen Wesen gehören und nicht nach Geschlechtern verteilt sind. Sie werden aber im Laufe der kindlichen Sozialisation für das Kind, je nach Geschlecht unterschiedlich erfahrbar. Ein Großteil der kindlichen Erziehungsaufgaben liegt in unserem Lande nach wie vor beim weiblichen Geschlecht. Elternzeit, Kitas, Kindergärten, Grundschulen sind absolut Frauen dominiert. Das Problem dabei ist aber nicht, dass Frauen dies nicht gut machen würden, sondern, dass den männlichen Kindern dadurch Männer als Erfahrungsprägung fehlen. Etwa mit 3-4 Jahren entwickelt sich bei den Kindern die Geschlechtskonstanz, d.h. sie erkennen nicht nur den Unterschied der Geschlechter, sondern auch die Konstanz, d.h., dass ihnen ihr Geschlecht bleibt und sie also zu der ein oder anderen Gruppe, sprich Frau oder Mann gehören.
Damit stellt sich für sie die Frage: wie ist eine Frau, wie ist ein Mann oder wie benimmt sich die Gruppe zu der ich gehöre? Hier nun fehlen den Jungs oft entsprechende Männer als Vorbilder, wenn es darum geht, den Zugang zur eigenen Gefühlswelt offen zu halten, Gefühle zu zeigen, über Gefühle zu reden. Frauen können diese Funktion nicht übernehmen, im Gegenteil, da sie zur anderen Geschlechtsgruppe gehören, kann es zu einer Art eine „Gegenidentifikation“ kommen, im Sinne von: ich als Junge/Mann muss anders sein als Mädchen/Frauen. Wenn ich aber anders sein will als die weichen, emotionsoffenen Mädchen und Frauen, dann bin ich eben verschlossen und hart. Nach Süfke sind es also vor allem die mangelnden Erfahrungsmöglichkeiten von männlichen Alternativen, sprich emotional rückgebundenen Männervorbildern, die den Jungs fehlen. Hier sieht er die größten Chancen und Möglichkeiten zur Veränderung. Sein Plädoyer deshalb: Männer rein in die Erziehungszeit und in die Berufe des Erziehers und des Grundschullehrers. Oder umgekehrt formuliert, Jungs in Kontakt bringen mit Männern. www.telefonseelsorge-fulda.de