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Gemeinsam gegen Altersarmut: Osthessisches Bündnis gegründet

Fulda. Das wachsende Risiko der Altersarmut veranlasste 7 osthessische Gewerkschaften und Organisationen dazu ein gemeinsames Bündnis zu gründen. Ziel ist, das Problem Altersarmut im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu erhöhen und sich für den Erhalt und Ausbau der solidarischen, gesetzlichen Rentenversicherung unter geänderten gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen einzusetzen.
Die gemeinsame Gründungserklärung wurde in einer öffentlichen Veranstaltung von attac, Arbeiterwohlfahrt, Katholischer Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Katholischer Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und dem Sozialverband VdK unterzeichnet.

Neueste amtliche Berechnungen machen deutlich, dass selbst lebenslanges Arbeiten nicht mehr vor Altersarmut schütze. Die Zunahme von unterbrochenen Erwerbsbiografien und prekärer Arbeitsverhältnisse mit einer Entlohnung, die regelmäßig Transferleistungen aus öffentlichen Kassen notwendig machen und die unzureichende Berücksichtigung der Erziehungsleistungen von Eltern verschärfen die Situation für künftige Rentner noch mehr. Besonders sei nun auch deutlich geworden, dass Altersarmut künftig nicht nur ein Problem der unteren Einkommensbezieher, sondern auch für die Mitte der Gesellschaft sein werde.

„Im Alter droht der soziale Abstieg“ warnte Angelika Kappe, Bezirksgeschäftsführerin der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Nach Berechnungen des statistischen Bundesamtes verdienen 36 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten im Monat weniger als 2.500 Euro, der Einkommensgrenze, die bei 45 Beschäftigungsjahren gerade einmal für den Erhalt der Grundrente ausreiche. In Fulda liege das mittlere monatliche Bruttoarbeitsentgelt bei 2.474 Euro. Besonders betroffen seien Frauen, deren Durchschnittseinkommen in Fulda bei 2.026 Euro liege.

„Berufe wie Altenpfleger, Arzthelferinnen, Bäcker, Einzelhandelskaufleute und viele andere erreichen diese Einkommen nicht“ so die engagierte Gewerkschaftlerin und befürchtet, dass für viele ein Leben in Würde im Altern nicht mehr zu erwarten sei. Die von vielen Politikern propagierte „Eigenvorsorge“ könne von den meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern heute nicht geleistet werden.

Deshalb fordert das Bündnis den Ausbau der solidarischen, gesetzlichen Rentenversicherung unter geänderten gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen. Insbesondere müssten die Anhebung der Altersgrenze von 67 Jahren und andere Maßnahmen zur Rentenkürzung zurückgenommen werden, eine Verbesserung von Erwerbsminderungsrenten und flexiblen Ausstiegsmöglichkeiten bis 65. Außerdem müsse die geförderte Altersteilzeit wieder eingeführt werden. Die Grundsicherung sei auf 850 Euro im Monat anzuheben.

Parallel dazu müssten Regelarbeitsplätze wieder die Regel werden, Leiharbeit und andere Niedriglohnverhältnisse dürften nur noch Ausnahme sein. Auch der gesetzliche flächendeckende Mindestlohn sowie entsprechende Einkommenssteigerungen werden gefordert. „Diese Forderungen sind absolut nicht überzogen, blickt man auf den in den letzten Tagen veröffentlichten Armutsbericht der Bundesregierung“ argumentiert Michael Schmitt, KAB Diözesansekretär, der die Gründungsveranstaltung moderierte und verweist damit auf die Aktualität der drängenden Fragen.

Mit einem Theaterstück über die Würde des Menschen machten die Fuldaer Domspatzen bei der gut besuchten Gründungsveranstaltung des Bündnisses im Fuldaer Bonifatiushaus szenisch auf die Problematik der drohenden Altersarmut aufmerksam.

Michael Wahl, ver.di-Bezirksvorsitzender, stellte eine gemeinsame Broschüre vor, in der die Bündnispartner ihre verbandliche Positionierung zu den Fragen der Alterssicherung formulieren. Diese Broschüre kann über ver.di Osthessen oder die KAB Fulda bezogen werden. (Michael Schmitt)

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