Frankfurt am Main. Jede vierte Mutter in Hessen gibt ihrem Baby nicht die Brust. Das hat eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) ergeben. Dabei ist das Stillen sowohl für die Entwicklung des Säuglings, als auch für die Mutter wichtig. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfehlen Frauen, ihren Kindern in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich die Brust zu geben.
“Mehr als 200 Bestandteile der Muttermilch sind bekannt. Viele dieser Stoffe – wie zum Beispiel weiße Blutkörperchen und Antikörper sind -auch nicht künstlich herstellbar”, erklärt Simone Gleixner, Ernährungswissenschaftlerin der TK. Die Eiweißmenge und der Fettgehalt in der Muttermilch sei optimal auf das kindliche Wachstum abgestimmt.” Die in der Muttermilch enthaltenen Aminosäuren, Cystin und Taurin, spielten zudem eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Nervensystems und der Inhaltsstoff Lactoferrin schütze das Baby vor Infektionen.
Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder, die als Baby gestillt wurden, später seltener Allergien entwickeln. Auch Übergewicht kommt bei gestillten Kindern weniger vor. “Eine Erklärung dafür ist, dass sich die Zusammensetzung der Milch während des Stillvorgangs verändert und das Baby beim Stillen mehr Kraft für das Saugen aufwenden muss. Es hört auf zu trinken, wenn es satt ist”, sagt Gleixner. Mütter, die mit der Flasche fütterten, seien hingegen oft auf eine bestimmte Tagesmenge fixiert. “Die Babys trinken dadurch häufiger über ihren Hunger hinaus und hören nicht auf ihr natürliches Sättigungsgefühl.”
Die Mütter selbst profitieren ebenfalls vom Stillen: “Sie verringern dadurch das Risiko an Brustkrebs zu erkranken und erreichen nach der Geburt schneller wieder ihr Normalgewicht”, erklärt die TK-Expertin. Außerdem schüttet der Körper beim Stillen ein Hormon aus, das die Rückbildung der Gebärmutter unterstützt. Das Stillen ist auch ein wichtiger Faktor bei der Mutter-Kind-Bindung. “Gibt eine Frau ihrem Baby die Brust, so ist das mit einem häufigen engen Körperkontakt verbunden, der dem Säugling Sicherheit und Geborgenheit vermittelt.”
Physisch sind 98 Prozent aller Frauen in der Lage zu stillen. Dennoch gaben bei der TK-Umfrage vier von zehn hessischen Müttern an, dass sie die Stillzeit früher abbrechen mussten als sie sich eigentlich vorgenommen hatten. Als Grund dafür nannte fast die Hälfte der Frauen, dass sie zu wenig Milch hatten. Jede vierte Frau litt an einer entzündeten Brust und 18 Prozent gaben an, dass ihr Baby nicht getrunken habe. “Viele Frauen stillen vorzeitig ab, weil sie vom medizinischen Personal nicht ausreichend über das Thema informiert wurden. Mütter mit Stillproblemen brauchen eine motivierende Beratung und viel Zuwendung”, sagt Gleixner.