Fulda. Zahlreiche Gäste, aus Politik, Wirtschaft und Medien verfolgten am Dienstag die offizielle Inbetriebnahme des ÜWAG-Kraftwerks Fulda auf einer Video-Großbildleinwand im benachbarten ÜWAG-Informationszentrum und machten sich bei geführten Rundgängen anschließend ein Bild von der Anlage. In den vergangenen drei Jahren hatte der regionale Energieversorger das traditionsreiche Kraftwerk mit moderner Technik auf den neuesten Stand in Sachen Umweltschutz, Effizienz und Leistungsfähigkeit gebracht und dafür rund 10 Millionen Euro investiert.
ÜWAG-Vorstand Dipl.-Ing. Günter Bury betonte in seinem Grußwort die Bedeutung des Kraftwerks als wichtigen Beitrag zur Energiewende: „Die hochflexible Technik unseres neuen Kraftwerks ermöglicht es, Lastbedarfsschwankungen auszugleichen, die durch die zunehmende Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien immer häufiger auftreten“, so der ÜWAG-Vorstand. Außerdem könne es aufgrund der Fähigkeit zum schnellen Anfahren innerhalb weniger Minuten seine Leistung ans Netz bringen und damit auch am so genannten Regelenergiemarkt teilnehmen. Allen am Umbau Beteiligten sprach Günter Bury seinen Dank aus.
Aufwendige Modernisierungsmaßnahmen
Insgesamt wurden während der Umbaus zwei alte Maschinen aus- und sechs tonnenschwere neue Aggregate eingebaut. Außerdem wurde die vorhandene Maschine 1 grundlegend modernisiert. „Alle Aggregate verfügen über die derzeit beste Katalysator-Technik und arbeiten besonders effizient und schadstoffarm“, erläuterte ÜWAG-Projektleiter Dipl.-Ing. Sven Kunkel bei seiner Präsentation. Für die aufwendige Filtertechnik zog die ÜWAG in ihrem Kraftwerk eigens eine neue stählerne Zwischenbühne ein. Außerdem verfügt das Kraftwerk jetzt über eine Anlage zur Wärmerückgewinnung, durch die der Wirkungsgrad deutlich verbessert wird. Neu installiert wurde außerdem eine moderne Wärmepumpen-Anlage. Um die Aggregate für den Schnellstart vorzuwärmen nutzt die ÜWAG umweltfreundliche Erdwärme, die aus einem Sondenfeld von 44 Bohrungen à 106m nutzbar gemacht wird.
„Insgesamt haben wir die Nennleistung unseres Kraftwerks nicht nur um 20 Prozent gesteigert, sondern gleichzeitig auch den Kraftstoffverbrauch deutlich gesenkt und die Emissionen auf ein absolutes Minimum reduziert“, erklärte Sven Kunkel. Stolz ist der Ingenieur auch darauf, dass alle Arbeiten bei laufendem Betrieb durchgeführt wurden. „Während des gesamten Umbaus standen zu jedem Zeitpunkt mindestens 75 Prozent der Nennleistung zur Verfügung“, so Kunkel.
Energie für den Extremfall
Durch die flexible Technik und die Möglichkeit, die Aggregate unabhängig vom vorgelagerten Stromnetz anzufahren, bringt das modernisierte ÜWAG Kraftwerk Fulda außerdem einen enormen Sicherheitsgewinn für die Region. In Extremfällen steht das Kraftwerk als sogenannte „Insellösung“ für die Notstromversorgung bereit. Auch deshalb entschieden sich die Verantwortlichen dafür, weiterhin auf den Energieträger Öl zu setzen. „Aufgrund der Fähigkeit zur Notstromversorgung sowie der spitzenlastlast- und regelenergieorientierten Fahrweise des Kraftwerks ist das die beste und zukunftsfähigste Lösung“, unterstrich Sven Kunkel.
Energieversorgung zukunftsfähig gemacht
In einer kurzen Ansprache lobte Landrat Bernd Woide das Engagement der ÜWAG. Seit Gründung des Unternehmens vor 100 Jahren habe das immer wieder umgebaute und modernisierte Kraftwerk in der Frankfurter Straße stets eine wichtige Rolle für die zuverlässige Energieversorgung der Region gespielt. Der aktuelle Umbau sei vor diesem Hintergrund ein weiterer Meilenstein. Darüber hinaus betonte der Landrat die wirtschaftliche Bedeutung der Baumaßnahme. „Als eines der großen Infrastrukturprojekte der vergangenen Jahre hat die Modernisierung des ÜWAG Kraftwerks Fulda einen großen Beitrag zur Wertschöpfung in der Region geleistet. Davon haben zahlreiche heimische Firmen profitiert“, freute sich Woide.
Mit einem roten Startknopf gaben der stellvertretende Aufsichtsrats-Vorsitzende, Landrat Bernd Woide und ÜWAG-Vorstand Günter Bury unter dem Beifall der Anwesenden schließlich das Signal zum Anfahren der Aggregate. Auf der Leinwand konnten die Gäste im ÜWAG-Informationszentrum das Geschehen in der Kraftwerkshalle live verfolgen.