Fulda (cp). „Vom Mittelalter bis zur Moderne“ war der Untertitel eines exquisiten Konzertes der Städtischen Musikschule im Rokoko-Saal des Palais Altenstein. Bevor die für den Saal prädestinierte Barockmusik erklang, wurden die Zuhörer von den „Spielleuten“ in das Treiben auf den Marktplätzen des 16. und 17. Jahrhunderts entführt. Holzbläser, Streicher, Gitarristen sowie neuerdings auch ein Perkussionist spielten in historischen Gewändern stilechte Tanz- und Unterhaltungsmusik aus der Zeit der Renaissance, welche keineswegs altbacken, sondern quicklebendig und ausgesprochen rhythmisch daherkam. Constanze Schneider setzte den Stücken mit ihrem Gesang ein zusätzliches Glanzlicht auf. Vorbereitet hatte die Gruppe deren Leiterin Heidrun Oswald.
Lebendig gestaltete Werke
Mittelalterliche Blockflötenklänge mit „Mixturen“, das sind erste Ursprünge der mehrstimmigen Musik, bot ein Quartett mit Benedikt Jahn, Helena Wächter, Johannes Steinhauser und Flötenlehrerin Christa Rahlf. Der eigene Klangcharakter der hier eingesetzten Renaissanceflöten kam dem Stück dabei sehr zugute. Von seiner besten Seite zeigte sich der sieben- bis neunjährige Nachwuchs: Zum Teil sehr bekannte Irische Weisen spielten mit geradezu sprechender Artikulation und wunderschöner Phrasierung Iris und Nina Martinovic, Mariam Greif und Valentina Hahner auf der Blockflöte. Ihre Lehrerin Heidrun Oswald begleitete an der Gitarre.
Modern und doch ganz subtil mit vielen Renaissance-Elementen versehen sind die Duos von Harald Genzmer, welche gut strukturiert von Helena Wächter und Johannes Steinhauser dargeboten wurden. Es folgten zwei typische barocke Sonaten von Jacques Christophe Naudet und Georg Friedrich Händel, einmal mit Marie-Isabell Akakpovi an der Violine und Benedikt Jahn an der Blockflöte, einmal mit Ann-Kristin Kircher, ebenfalls an der Flöte. Der Blick der Zuhörer schweifte dabei sicher mehr als einmal über die Stukkaturen an der Wand des Rokokosaales, wo ebendiese Instrumente verewigt sind. Die lebendig gestalteten Werke wurden von Sophia Mott am Cello und Christina Mackenrodt am Cembalo begleitet.
Barocke Lebenslust
Nach dem frischen Konzertauftakt der Spielleute setzten die Akteure des Streichorchesters mit den sich abwechselnden Solisten Helena Wächter, Ann Kristin Kircher und Johannes Steinhauser schließlich einen markanten Schlusspunkt. Unter der bewährten Leitung von Zoltan Udvardy kam in dem prächtigen Ambiente noch einmal die ganze Fülle barocker Lebenslust zur Entfaltung. „Ein Programm mit so vielen Akteuren ist mit Profis gar nicht zu finanzieren. Was Ihr heute geboten habt, ist also im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbar“, dankte Musikschulleiter Christoph Stibor den Akteuren.