Fulda (cp). Ein neues Miteinander im dreifachen Sinne war Thema eines Festaktes im Kaisersaal des Stadtschlosses, bei dem elf Träger der freien Jugendhilfe gemeinsam mit dem Amt für Jugend und Familie der Stadt Fulda eine Rahmenvereinbarung für die zukünftige Zusammenarbeit geschlossen haben. Zu Beginn erinnerte Stefan Mölleney, Leiter des Amtes für Jugend und Familie an die Vorgeschichte dieses Festaktes, die bereits mit seiner Amtsübernahme begonnen habe, als er die Aufgabe des Jugendamtes und der Jugendhilfe programmatisch mit den Worten „Solidarität stiften statt Fürsorge verwalten“ überschrieben habe. In den Folgejahren habe es wichtige Bausteine mit der Gründung von Stadtteilarbeitskreisen und dem Netzwerk EvA gegeben. In den letzten beiden Jahren sei nun in vielen Arbeitsgruppen unter Mitwirkung unzähliger Fachkräfte eine neue Ausrichtung der Kinder- und Jugendhilfe in der Stadt Fulda geplant und entwickelt worden, deren Umsetzung mit der Unterzeichnung der Rahmenvereinbarung nun beginne.
Trägerübergreifend Lösungen finden
Die Vertreter der Träger, die allesamt im Bereich der Hilfen zur Erziehung tätig sind, lobten in ihren Statements ausdrücklich die große Transparenz zwischen Jugendamt und freien Trägern, wie zum Beispiel Alfred Heil als Vertreter des Diözesancaritasverbands: „Früher waren wir eher Auftragnehmer, jetzt besteht Hoffnung auf Arbeiten in Augenhöhe.“ Doch nicht nur ein neues Miteinander zwischen Jugendamt und freien Trägern ist Teil des Konzepts, sondern auch die stärkere Kooperation der freien Träger untereinander. „Wir haben innerhalb des Prozesses Konkurrenzdenken abgebaut. Gemeinsam als Träger aufzutreten kann Kräfte mobilisieren“, so Rudolf Düring vom Projekt Petra. Dies unterstrich auch Werner Ruppert vom Verband sozialpädagogischer Kleingruppen: „Ich hoffe, dass Viel und Gutes für die Menschen herauskommt, wenn wir trägerübergreifend Lösungen finden können.“ Damit war Ruppert auch am eigentlichen Kern des Konzepts und damit am dritten Miteinander, das bei diesem Festakt herausgestellt wurde. Das entscheidend Neue ist ein Miteinander der Akteure in der Jugendhilfe mit den hilfesuchenden Familien auf Augenhöhe.
Das soziale Netz der Familie
Programmatisch wurde das Fachkonzept daher auch unter das Leitwort „Stärken sozialer Netze“ gestellt. Zukünftig sollen Familien früher als bisher und unmittelbar in ihrem Alltag durch niedrigschwellige Angebote erreicht und unterstützt werden. Dabei kommt es vor allem darauf an, die Menschen in ihrer eigenen Verantwortung ernst zu nehmen und sie zu bevollmächtigen, die guten Eltern zu sein, die sie sein wollen, wie Stefan Mölleney ausführte. Und Adriana Oliveira von der AWO konnte als Erfahrung ergänzen: „Die Beteiligung von Menschen ist schwierig, aber Grundlage von Veränderung. Wir setzen große Hoffnung auf eine gute Zusammenarbeit.“ Dabei soll aber nicht nur die Familie selbst aktiver in die Gestaltung der Hilfe und die Lösung von Problemen einbezogen werden, sondern auch Freunde, Verwandtschaft, Nachbarn – eben das starke soziale Netz der Familie. „Die Bereitschaft zur Solidarität, zur tätigen Nächstenliebe ist auch und gerade in der heutigen Zeit deutlich verbreiteter und selbstverständlicher, als man meint“, ist Mölleney sicher.
Neue Ausrichtung der Kinder- und Jugendhilfe
„Als Ausdruck dieser neuen Ausrichtung der Kinder- und Jugendhilfe werden wir unser Amt für Jugend und Familie auch in der Struktur völlig neu aufstellen“, verriet Bürgermeister Dr. Dippel, der sich sichtlich erfreut zeigte über die gute Atmosphäre unter den Beteiligten und das moderne und überzeugende Konzept. „Wir brauchen noch ein paar Wochen der inneren Vorbereitung, aber schon im Herbst werden Veränderungen auch für die Menschen vor Ort sichtbar.“