Frankfurt am Main / Hanau. Schwangere Frauen in Hessen sind in den vergangenen Jahren zunehmend gesundheitsbewusster geworden und verzichten während der Schwangerschaft auf das Rauchen. Während im Jahr 2000 noch 10,2 Prozent der werdenden Mütter in Hessen täglich rauchten, waren es im Jahr 2011 lediglich 5,4 Prozent. Das zeigen aktuelle Daten der Geschäftsstelle Qualitätssicherung Hessen. Um die Gesundheit der Kinder von rauchenden Müttern zu fördern, setzt die Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen gemeinsam mit dem Hessischen Hebammenverband auf die werdenden Mütter: In Hessen beginnt am Dienstag, 28. August eine Kursreihe der TK und des Hebammenverbandes, in der Hebammen lernen, wie sie schwangere Frauen zum Rauchstopp motivieren können. Für das Seminar sind noch Plätze frei.
Im vergangenen Jahr haben 2.610 der insgesamt 48.183 hessischen Schwangeren geraucht. Der Großteil – 1.961 Frauen – konsumierte bis zu zehn Zigaretten am Tag, bei 602 Frauen waren es bis zu 20 Zigaretten täglich. 47 Frauen rauchten sogar mehr als eine Packung am Tag. “Kinder wirkungsvoll vor dem Passivrauchen zu schützen, und zwar sowohl vor der Geburt als auch während ihrer Kindheit, ist eine Herausforderung für die Gesellschaft, da es keine rechtlichen Möglichkeiten für den Schutz vor Passivrauchen in der Privatsphäre gibt”, sagt Gabriele Kopp, die Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes der Hessischen Hebammen.
Ziel der Schulungen für Hebammen ist es auch, eine rauchfreie Umgebung für das geborene Kind zu schaffen. Denn selbst wenn Frauen während der Schwangerschaft erfolgreich auf das Rauchen verzichtet haben, fangen viele nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg bereits innerhalb der ersten zwölf Monate nach der Entbindung wieder an zu rauchen.
Rauchen hat vor, während und nach der Schwangerschaft messbare medizinische Folgen. Vor der Schwangerschaft verringert es die Fruchtbarkeit von Mann und Frau, so dass Raucherinnen durchschnittlich länger auf ein Baby warten müssen. In der Schwangerschaft schadet es dem Kind. Babys von Raucherinnen haben ein im Durchschnitt 200 bis 250 Gramm niedrigeres Geburtsgewicht als Neugeborene von Nichtraucherinnen, wobei diese Werte auch von der Zahl der gerauchten Zigaretten abhängen. Zudem führt das Rauchen während der Schwangerschaft zu mehr Fehl- und Frühgeburten.
Auch nach der Geburt bleiben Kinder von Raucherinnen einem höheren Risiko für Krankheiten ausgesetzt: Die Gefahr, am plötzlichen Kindstod zu sterben, ist für sie doppelt so hoch wie das der Kinder von Nichtraucherinnen. Dabei scheint auch das Rauchen von Menschen in der Umgebung des Kindes eine Rolle zu spielen. “Babys von Müttern, die bis zu 20 Zigaretten pro Tag rauchen, nehmen schon im Mutterleib Schadstoffe von über 5.000 Zigaretten auf, die sowohl die Entwicklung des Kindes als auch die Gesundheit der Mutter erheblich beeinträchtigen”, sagt Alexandra Schätzle, Präventionsexpertin bei der TK in Hessen. “Die Bedingungen für das Kind verbessern sich entscheidend, wenn Frauen in den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft, oder besser noch vor Beginn der Schwangerschaft das Rauchen aufgeben. Und auch die Mutter profitiert, denn es gibt fast kein menschliches Organ, das nicht durch das Rauchen angegriffen wird”, so Schätzle.