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Gedenkstunde über die Ankunft der Heimatvertriebenen im Jahr 1946 in Lauterbach im Rahmen der 1200-Jahrfeier der Stadt

Lauterbach. Die Gedenkstunde über die Ankunft der Heimatvertriebenen im Jahr 1946 in Lauterbach durch die Kreisgruppe Lauterbach der Sudetendeutschen Landsmannschaft wurde verbunden mit der Eröffnung der Ausstellung „Die Sudetendeutschen – eine Volksgruppe in Europa“. Beide Veranstaltungen fanden im Rahmen des 1200-jährigen Jubiläums der Kreisstadt Lauterbach statt, zu dem die Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, herzlich gratulierte.
„Die heutige Gedenkveranstaltung findet in einem Gebäude statt, das für viele Menschen eine große Bedeutung hat, denn sie verbinden damit eine wichtige Station in ihrem Leben. Es ist diese Turnhalle, in der wir zu dieser Feierstunde zusammen -gekommen sind, die im Jahr 1946 von Februar bis November für viele Tausend heimatvertriebene Sudetendeutsche die erste Anlaufstelle und erste Unterkunft im Westen war“, so die Landesbeauftragte. Insgesamt seien über 36.500 Männer, Frauen und Kinder aus dem Sudetenland durch dieses Auffang- und Verteilungslager in Lauterbach gegangen. Das waren knapp 10 Prozent aller Sudetendeutschen, die nach Hessen gekommen sind.

Mit dieser Gedenkstunde wolle die Sudetendeutsche Landsmannschaft die Erinnerung an die Ereignisse vor 66 Jahren ins Gedächtnis rufen und wachhalten. Sie wollen der Menschen gedenken, die Opfer von Vertreibung geworden und  nach furchtbaren Tagen der Verfolgung, der Ungewissheit, der existentiellen Not und der Strapazen  in Lauterbach angekommen sind.

„Ich freue mich sehr darüber  und halte es für eine gute Idee, dass Sie die Gedenkstunde mit der Eröffnung der Ausstellung ´Die Sudetendeutschen – eine Volksgruppe in Europa´ verbinden. Diese Ausstellung des Sudetendeutschen Rates ist geeignet, besonders Schülern und Jugendlichen das Wissen um die sudetendeutsche Geschichte als Teil unserer gemeinsamen deutschen und europäischen Geschichte näher zu bringen“, stellte Frau Ziegler-Raschdorf fest.

Die Eingliederung der Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg in Hessen und ganz Deutschland gehöre zweifellos zu den größten sozialpolitischen Leistungen unseres Landes. Sie sei vor allem aus zwei Gründen gelungen: Zum einen aufgrund der vom Land systematisch betriebenen Politik, die in einen gewaltigen Landesentwicklungsplan, den „Großen Hessenplan“ eingebettet war, wodurch rund 100.000 neue Arbeitsplätze und ebenso Tausende neuer Wohnungen geschaffen wurden. Zum anderen seien es die Heimatvertriebenen selbst gewesen, die Initiative zeigten und sich in die Gesellschaft eingliederten. Mit den aus der sudetendeutschen  Heimat mitgebrachten Fertigkeiten, die es in Hessen bis dahin nicht gegeben hatte, haben sie unser Land bereichert. Zu nennen seien insbesondere der Musikinstrumentenbau, das hochwertige Brennen von Glas und die Textilindustrie.

Die Verankerung der sudetendeutschen Volksgruppe habe in der Politik Hessens einen prägenden Ausdruck gefunden. Persönlichkeiten wie Minister Gustav Hacker, die Staatssekretäre Frank Seiboth und Walter Preißler, die Landtagsabgeordneten Richard Hackenberg und Rudolf Friedrich, der Kulturreferent Viktor Aschenbrenner, der langjährige Präsident der SL-Bundesversammlung Dr. Egon Schwarz und die ehemaligen BdV-Landesvorsitzenden Rudolf Wollner und Alfred Herold seien hier beispielhaft genannt. Diese prägenden Spuren reichten bis in die Gegenwart. So habe auch heute in Hessen die Volksgruppe eine eigene Identität und politisches Gewicht.

„Mein Dank, den ich für die Hessische Landesregierung und für mich persönlich ausspreche, gilt der Kreisgruppe Lauterbach der Sudetendeutschen Landsmannschaft für die Gestaltung des Gedenktages und für die Organisation der Ausstellung. Ich wünsche der Ausstellung eine große Resonanz und viele interessierte Besucher“, so Frau Ziegler-Raschdorf zum Abschluss ihres Grußwortes.

Der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen in Hessen und stellvertretende SL-Kreisobmann, Siegbert Ortmann, ging in seiner vielbeachteten Festrede auf die Ankunft der Sudetendeutschen in Lauterbach ein und bereicherte seine Ausführungen  mit persönlichen Anmerkungen und Erinnerungen an die Ereignisse, wie er sie als selbst betroffener sechsjähriger Junge erlebt hat. Im zweiten Teil seiner Rede stellte er die im Saal präsentierte Ausstellung schwerpunktmäßig vor.

Die Ausstellung ist noch bis zum 2. September 2012 von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr in der Adolf-Spießhalle in Lauterbach, Vogelsbergstraße 56 zu sehen.

Foto: Nach der Gedenkstunde von links: SL-Kreisobmann Anton Lerch, SL-Landesobmann Alfred Herold, Landesbeauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf, BdV-Landesvorsitzender Siegbert Ortmann, Landrat Manfred Görig, Landtagsabgeordneter Kurt Wiegel, Bürgermeister Rainer Hans Vollmöller und Hermann Lerch vom SL-Kreisverband Nürnberg

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