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Robuste Pendler: Weniger Tage krank, aber die Nerven leiden

Frankfurt am Main. Nahezu die Hälfte (46 Prozent) der hessischen Berufstätigen sind Berufspendler: Sie arbeiten außerhalb des Stadt- oder Landkreises, in dem sie wohnen. Doch trotz längerer Anfahrt zum Arbeitsweg sind Pendler hart im Nehmen, so der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen. Die Beschäftigten, die nahe an ihrem Arbeitsplatz wohnen, fehlten im vergangenen Jahr im Schnitt 12,9 Tage wegen Krankheit, Pendler lediglich 12,7 Tage. Bei den wohnortnah arbeitenden Erwerbstätigen scheint demgegenüber die Psyche stabiler zu sein. Sie sind mit 1,9 Fehltagen pro Kopf seltener und kürzer von psychischen Diagnosen betroffen als die Pendler mit 2,2 Krankheitstagen.
Die TK hat in ihren aktuellen Daten zur Gesundheitsberichterstattung erstmals Daten zur Entfernung von Wohn- und Arbeitsort der Beschäftigten analysiert. “Volle Züge, verstopfte Autobahnen – das kann nerven. Entscheidend ist dabei nicht, wie lang der Weg ins Büro ist, sondern vielmehr die Ohnmacht im Stau oder bei Verspätungen der Züge”, sagt Alexandra Schätzle, Präventionsexpertin bei der TK in Hessen. “Das empfinden viele Pendler als Tortur. Und wer morgens und abends regelmäßig unter Strom steht, leidet psychisch.” Sie rät Pendlern, die Zeit in Bus, Bahn oder Auto möglichst gezielt für sich zu nutzen. Schon ein paar einfache Tricks können helfen, damit der tägliche Arbeitsweg nicht zur Stressfalle wird. “Ein Spanisch-Kurs zum Mitsprechen oder ein Hörspiel im Auto, ein gutes Buch oder die Tageszeitung in der Bahn verhindern, dass der Frust über verlorene Zeit zu groß wird”, so Schätzle.

Der aktuelle TK-Gesundheitsreport zeigt zudem, dass Pendler seltener unter Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems wie etwa Rückenbeschwerden leiden. Sie sind wegen dieser Diagnosen im Durchschnitt 2,3 Tage lang krankgeschrieben – das sind neun Prozent weniger Fehltage als bei den Nichtpendlern.

Die TK in Hessen plädiert dafür, dass sich die betriebliche Gesundheitsförderung verstärkt den Anforderungen einer immer mobileren und flexibleren Arbeitswelt widmen sollte. Alexandra Schätzle: “Es geht darum, Strategien für ein gesünderes Arbeiten zu entwickeln. Dazu gehört, moderne Kommunikation so zu nutzen, dass sie nicht nur belastet, sondern dadurch die Arbeit auch gesünder wird.” Die Präventionsexpertin nennt beispielsweise flexiblere Arbeitszeiten oder Home Office-Angebote. Zudem könnten mehr Telefon- und Videokonferenzen anstrengende Dienstreisen ersetzen.

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