Büdingen. Bollywood Charme vor altdeutschem Fachwerk, senegalesischer Trommelklang in den mittelalterlichen Gassen, brasilianischer Kampftanz zwischen den Festungsmauern – bei der diesjährigen Kulturnacht wird der Besucher zum Weltenbummler. Karibische Cocktails schmecken nicht nur nach dem Salsa-Schnupperkurs und wem selbst die Füße wehtun, der kann den Phillipinas auf dem Markplatz zuschauen, die es wie durch ein kleines Wunder schaffen, unfallfrei zwischen den rhythmisch schlagenden Bambusstangen zu tanzen. Apropos Rhythmus, der zieht sich durch die ganze Nacht. So trifft man auf exotische Instrumente wie Hang und Didgeridoo, klassischen Gospelgesang, vom gefühlvollen Improvisationsreichtum des New-Orleans-Jazz kann man sich genauso hinreißen lassen wie vom Wetterauer Waschküchenrock.
Bei mehr als 60 Aktionen können die Kontraste kaum größer sein. Der Graffitikünstler „Bomber“, ein Vorbild einer ganzen Generation von Sprayern, fügt sich genauso „unharmonisch“ in das Programm ein wie Karl Scheid, 83 jähriger Düdelsheimer Keramiker, welcher internationale Keramik-Workshops in Korea führt.
Dabei entdeckt der Besucher einen gelungenen Mix regionaler Künstler wie der Bildhauerin Ulrike Degenhardt, Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin aus Büdingen, welche zwischen den meterdicken Mauern des Großen Bollwerks ausstellt und internationalen Kreativköpfen, wie den Kostümbildner Fernando Cézar Vieira. Mit seinen barocken Leuchtkostümen und elfengleichen Performances verwandelt er die Büdinger Altstadt in einen verwunschenen Zauberort, wie aus Tolkins Feder. Weltweiten Märchen lauschen kann man auch in der Traumwerkstat von Christine Kunz-Bauer. Ihre fantastisch gestalteten Märchenfiguren wie Rumpelstilzchen oder der Lausbub Michel aus Lönneberga werden in Ihren bildreichen Erzählungen lebendig.
Mit der Dämmerung wird die Büdinger Kulturnacht noch mitreißender, da werden Festungsmauern und Türme, aber auch verwunschene Gärten mit Licht in Szene gesetzt, Feuertänzer malen mit brennende Fächern und Seilen poetische Bilder in den Nachthimmel und das Theater der Dämmerung zeigt Hesses Siddartha als faszinierendes Schattenspiel. Einen turbulenten Abschluss findet die Nacht im Großen Finale um 23:30 Uhr auf dem Marktplatz, wenn asiatischer Tanz auf afrikanischen Rhythmus, Feuertanz auf Barockmusik und mittelalterliche Schwerkampf auf leidenschaftlichen Salsa trifft.
Die feierliche Eröffnung der Kulturnacht findet am 14. Juli um 18:00 Uhr am Jerusalemer Tor durch die Theatergruppe TheodoBo (Schirmherrschaft) statt. Der Eintritt kostet fünf Euro, Kinder bis 14 Jahren und alle Altstadtbewohner haben freien Zutritt.
Hintergrund:
Das Motto „Kultur Global – Büdingen dreht rund“ ist bewusst gewählt, um an den 300. Geburtstag des Toleranzediktes, einem Meilenstein der deutschen Rechts- und Religionsgeschichte in Büdingen zu erinnern. Das Edikt eröffnete 1712 die Pforten für (Kunst-) Handwerker und Händler und auch für Anders- oder sogar für Nichtgläubige. An diese Weltoffenheit soll bei der fünften Kulturnacht angeknüpft werden.
Informationen bei der Tourist-Information Büdingen, Marktplatz 9, 63654 Büdingen, Telefon: 06042-96370, info@buedingen-touristik.de, www.buedingen-touristik.de.