Rönshausen/Fulda. Als einen „regen Wettstreit um die besseren Ideen“ beschreibt Helmut Schönberger, seit 2003 Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Fuldaer Kreistag, die Arbeit der Kreistagsmitglieder. Die Atmosphäre in dem Gremium sei im Allgemeinen „recht angenehm“.
Der 62-Jährige zeigt sich erfreut darüber, dass – anders als zu den Anfangszeiten – ihre Anträge nicht mehr „einfach aus Prinzip“ abgelehnt würden, sondern die Grünen mittlerweile akzeptiert seien. Er führt dies nicht zuletzt darauf zurück, dass die Partei auch in der Bevölkerung immer stärkeren Rückhalt finde, wie die Verdreifachung der Sitzanzahl im Kreistag von vier auf zwölf nach den jüngsten Kreistagswahlen vor einem Jahr zeige.
Jeder der zwölf Grünen-Kreistagsabgeordneten hat ein Gebiet, in dem er sich speziell auskennt: Das Thema der erneuerbaren Energien liegt insbesondere Christof Schneider und Alja Epp-Naliwaiko am Herzen. Letztere beschäftigt sich außerdem intensiv mit den Themenfeldern Natur- und Tierschutz, Gesundheit und Senioren, während Deborah Kottusch – mit 19 Jahren nicht nur jüngstes Fraktions-, sondern sogar jüngstes Kreistagsmitglied – für die Jugendlichen Ansprechpartnerin ist. Maike Müntinga, die zudem in dem Landesgrünen-Gremium Hessischer Frauenrat aktiv ist, beschäftigt sich mit Wirtschafts- und Frauenthemen.
Christa Krippners Schwerpunkte sind Mobilität, Verkehr und Gesundheit, während Dagmar Zoth sich vor allem auf die möglichen Folgen von Mobilfunk- und anderen Strahlungen konzentriert. Annette Fladung und Peter Kirchner sind neben ihrem Engagement für die Erhaltung der Lebensqualität in ihrer Heimatregion Rhön zuständig für Schule, Vereine und Ehrenamt. Gemeinsam mit den anderen beiden Landwirten Josef Benkner und Werner Hartmann ist Helmut Schönberger Experte für landwirtschaftliche Fragen, zudem ist für ihn genau wie für Werner Hartmann und Marion Neumeister die Regionalentwicklung ein Steckenpferd. Werner Hartmann vertritt die Interessen seiner Fraktion in der Regionalversammlung Nordhessen. Marion Neumeister kümmert sich um das Thema Integration. Im Kreisausschuss sind die Grünen durch Bernd Eckard vertreten.
„Ich war schon immer ein politischer Mensch“, sagt der dreifache Vater und dreifache Großvater Schönberger über sich selbst. Das liege daran, dass er in den frühen 68ern sozialisiert worden sei, als die Menschen vom Vietnamkrieg, der Friedensbewegung, dem Wunsch nach Abrüstung und den Atomkraft-Protesten bewegt worden seien.
„Mein Ideal ist eine Gesellschaft, die es dem Einzelnen ermöglicht, eigenverantwortlich zu handeln.“ Bei aller Leidenschaft für Demokratie und Mitbestimmung – ein „Vollblutpolitiker“ ist Helmut Schönberger dennoch nicht geworden: „Meine Parteikollegen wissen, dass ich im Sommer politisch kürzer trete; da geht die Arbeit in der Landwirtschaft vor.“ Dabei sind sein Biolandhof Rönshausen und der Schulbauernhof, dessen ehrenamtlicher Vereinsvorsitzender er ist, nicht die einzigen „Arbeitsplätze“ des gebürtigen Bad Homburgers. Der Landwirt und Diplompädagoge arbeitet zudem in Teilzeit als Mathematiklehrer an der Schule für Erwachsene Osthessen.
„Was ich nicht mag, sind Menschen, die meinen, sie hätten die Wahrheit mit Löffeln gefressen.“ Gut dagegen findet er Diskussionen ohne Dogmatismus mit Dynamik. Deshalb legt er sich im Kreistag auch nicht auf die Kooperation mit einer Partei fest. „Wir haben, je nach Thema, Schnittpunkte mit fast jeder Fraktion.“
Das als positiv empfundene Miteinander im Kreistag lässt sich für ihn auch auf das Lebensgefühl in der Fuldaer Region übertragen. Dort lebt er seit 1982: „Die Menschen in Osthessen sind geerdet, egal in welcher Partei oder in welcher Position sie arbeiten. Sie haben sich ein gut funktionierendes Netzwerk geschaffen.“
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Die Grünen-Fraktion im Kreistag: Christof Schneider, Helmut Schönberger, Deborah Kottusch, Annette Fladung, Werner Hartmann, Josef Benkner, Christa Krippner, Dagmar Zoth, Peter Kirchner, Bernd Eckart (obere Reihe von rechts nach links) sowie Alja Epp-Nailiwaiko, Marion Neumeister, Maike Müntinga