Fulda (cif). Zu einem Symposium „Jugendhilfe lohnt sich“ hatten Caritas-Diözesanverband und Caritas-Stiftung nach Fulda eingeladen, um sowohl Fachleute der katholischen Jugendhilfe im Bistum als auch Vertreter aus Politik und Parlamenten von Stadt und Landkreis in einem fachlichen Austausch über die Steuerung und optimale Ausrichtung der Kinder- und Jugendhilfe zusammen zu bringen. Gerne wurde dieses Angebot von beiden Seiten angenommen, zumal sich die Jugendhilfe in Osthessen derzeit in Hinblick auf die so genannte Sozialraumorientierung in einem umfassenden Prozess des Umbaus befindet und so auch erhöhter Abstimmungsbedarf zwischen den Gremien besteht. Mit unter den Teilnehmern des Symposiums waren auch der Fuldaer Bundestagsabgeordnete Michael Brand sowie der Erste Kreisbeigeordnete  Dr. Heiko Wingenfeld.
Kernpunkte des Symposiums waren – nach einer Begrüßung der Teilnehmer durch Caritas-Vorstandsmitglied Malte Crome, der im Folgenden auch die Veranstaltung moderierte, zwei Fachvorträge von Prof. Dr. Eva Maria Schuster von der Katholischen Fachhochschule Mainz und Roland Fehrenbacher, Referent für Kinder- und Jugendhilfe beim Deutschen Caritasverband Freiburg, bevor die Teilnehmer der Veranstaltung sich in Workshops mit Einzelaspekten wie „Frühe Hilfen“, „Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und Schule“, „Wirksamkeit von Hilfemaßnahmen“, „Elterntraining“ sowie „Familienunterstützung vor Ort“ auseinandersetzten. Eine so genannte Fishbowl, bei der alle Themenaspekte nochmals im Plenum diskutiert wurden, beendete schließlich das Symposium.
Professorin Schuster, die in Mainz über Theorie und Systematik der Sozialarbeit lehrt, stellte in ihrem Vortrag den Familienbegriff in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen: Was ist Familie heute? Welche Funktion hat Familie und welchen Anforderungen muss sie gerecht werden? Wo und warum stößt Familie immer häufiger an ihre Grenzen? Eva Maria Schuster skizzierte kurz, wie vielschichtig der Familienbegriff mittlerweile ist, und welche grundlegenden und bedeutenden Funktionen die Familie zur charakterlichen Ausprägung und Lebensbewältigung der einzelnen Individuen wahrnimmt. Familie als Erziehungsinstanz, als Vermittler sozialer Kompetenzen und moralischer Werte für die Gesellschaft sei sehr wichtig, so die Referentin. Auf Grund der zunehmenden Individualisierungsprozesse und der damit sich ändernden Rahmenbedingungen könne die Familie aber kaum mehr die von außen in sie gesetzten Erwartungen erfüllen.
Familiäre Schwierigkeiten, so Prof. Schuster, seien nicht das Phänomen einer kleinen Gruppe sondern bedrohten tendenziell die meisten Familien, denen angesichts der voranschreitenden Entsolidarisierung aber die notwendige Unterstützung dieser „Ressource“ durch Staat und Gesellschaft versagt blieben. Deutschland stelle so die „zentrale Grundeinheit seiner Gesellschaft“ zur Disposition, resümierte die Mainzer Sozialwissenschaftlerin.
Caritas-Referent Fehrenbacher nahm den Titel des Symposiums „Jugendhilfe lohnt sich“ in Frageform an den Anfang seiner Ausführungen. Er erinnerte daran, dass, „als Geld noch keine Rolle spielte“, in der Jugendhilfe grundsätzlich galt, die Ausgaben müssten den Aufgaben folgen. Heute, so Fehrenbacher, sei es anscheinend meistens leider umgekehrt. Es werde erwartet, dass jede ergriffene Maßnahme sich daraufhin bewerten ließe, inwieweit sie sichtbare Wirkung entfalte. In der Jungendhilfe seien aber oft in ihrer Wirkung unsichtbare Maßnahmen geboten. Diese seien jedoch gut angelegt, denn Berechnungen hätten gezeigt, dass man im Durchschnitt von drei Euro Nutzen für die Gesellschaft je einem in die Jugendhilfe investierten Euro ausgehen könne. Als Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Jugendhilfe schlug der Freiburger Caritas-Vertreter vor, bei der Arbeit unbedingt empirisch gesicherte Wirkfaktoren zu berücksichtigen, möglichst weitgehende Transparenz bei der Effizienz der Jugendhilfearbeit zu ermöglichen und sich dem Vergleich zu stellen, damit Best- Practise-Beispiele Schule machen könnten.
Aus den Workshop-Ergebnissen wurde deutlich, dass der laufende Umstrukturierungsprozess noch weitere Abstimmungen erforderlich macht: Seitens der Jugendamtsvertreter wurde angemahnt, dass die Angebote der Jugendhilfe sich mehr als Einrichtungen der präventiven unter unterstützenden Hilfe profilieren sollten. Einig war man sich darin, dass die Kinder- und Jugendhilfe sinnvollerweise durch eine familienunterstützende Hilfe beziehungsweise durch allgemeine Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Existenz von Familien flankiert werden müssten.