Burghaun. Angesichts eines drohenden Fachkräftemangels in der stationären und ambulanten Altenhilfe müsse es darum gehen, verstärkt Interessenten für eine Ausbildung in diesem Bereich zu gewinnen. Vor dem Hintergrund einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft könnte anderenfalls schon bald ein Pflegenotstand drohen.
Den Altenpflegeschulen komme eine zentrale Bedeutung bei den Bemühungen um eine Attraktivitätssteigerung des Berufsbilds zu, was sich allerdings in einer entsprechenden finanziellen Ausstattung der Schulen widerspiegeln sollte. In dieser Einschätzung herrschte anlässlich eines Informationsbesuchs des Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Heiko Wingenfeld in der seit zwei Jahren bestehenden Altenpflegeschule der Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Burghauner Herrenschloss Einvernehmen.
Der Geschäftsführer des AWO-Bezirks Nordhessen, Michael Schmidt, konnte von einer rasanten Aufwärtsentwicklung der Altenpflegeschule berichten, die von über 100 Auszubildenden für den Beruf Altenpfleger/-in und Altenpflegehelfer/-in besucht wird. Davon kommen knapp 90 aus dem Landkreis Fulda. In Nordhessen betreibt die AWO fünf Altenpflegeschulen mit rund 900 Schülerinnen und Schülern, die aber nicht nur für den eigenen Bedarf in über 20 AWO-Altenhilfeeinrichtungen ausbilden.
Nach den Worten des Leiters der Altenpflegeschule in Burghaun, Karlheinz Bast, erforderten neue Versorgungsstrukturen mehr qualifiziertes Personal. Als Beispiele nannte er die zunehmende Zahl von Einrichtungen mit Hausgemeinschaften. Dr. Jürgen Eierdanz, Leiter der AWO-Bildungsstätte für Altenpflege, will den Fachkräftebedarf zumindest teilweise durch Frauen nach der Familienpause decken, die gezielt im Hinblick auf eine Ausbildung in der Altenpflege angesprochen werden sollten.
Übereinstimmend waren die Teilnehmer des Informationsbesuchs der Auffassung, dass es sich bei der Altenpflege um eine berufliche Tätigkeit mit Zukunftsperspektiven handele, die angesichts des demografischen Wandels weiter an Bedeutung gewinnen werde. Die gestaffelte Ausbildung eröffne Möglichkeiten der Weiterqualifizierung und sei auch für alleinerziehende Frauen geeignet. Deshalb wird die AWO ab dem kommenden Frühjahr in Burghaun eine Ausbildung in Teilzeitform anbieten.
Sorge bereitet den Altenpflegeschulen die Festsetzung des vom Land Hessen übernommenen Schulgelds. Es sei in seiner jetzigen Höhe für die Aufrechterhaltung eines qualifizierten Unterrichtsbetriebs nicht mehr auskömmlich, da zusätzlichen Aufgaben wie die Nachwuchswerbung und die sozialpädagogische Begleitung übernommen werden müssten. Vize-Landrat Dr. Wingenfeld sagte seine Unterstützung zu, um die Finanzierung der Altenpflegeschulen auf eine solidere Basis zu stellen.
Zum Foto v.li. Dr. Jürgen Eierdanz, Michael Schmidt, Dr. Heiko Wingenfeld und Karlheinz Bast. / Foto: KH Burkardt