Thalau (bpf). Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen hielt am Abend des Ostersonntags in der Pfarrkirche von Thalau die Predigt anlässlich des 40-jährigen Priesterjubiläums seines Generalvikars, des Apostolischen Protonotars Prof. Dr. Gerhard Stanke (65). „Die Dimension österlicher Hoffnung nehme ich wahr – einem roten Faden gleich – in Deinem theologischen Denken, in Deinen Worten, sogar noch im Befund Deiner Analyse angesichts der deutlichen Krisensymptome in der Kirche“, sagte der Oberhirte zu dem Jubilar. Dieser war bereits 21 Jahre lang Regens des Bischöflichen Priesterseminars gewesen, als Bischof Algermissen sein Amt als Bischof von Fulda antrat. „Das hält nur einer so lange aus, der eine große innere Kraft und geistliche Souveränität hat. Eine ganze Priestergeneration wurde von Dir geprägt“, hob Algermissen in seiner Predigt hervor.
Generalvikar Stanke begehe sein Priesterjubiläum in der Pfarrkirche von Thalau, wo er nach Vertreibung und Flucht mit seiner Familie eine neue Heimat gefunden habe. Prof. Stanke und er selbst, fuhr der Bischof fort, seien geprägt von der Aufbruchstimmung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil „und manchen Ernüchterungen danach“. „Als ich Dich im Sommer 2003 bat, Personaldezernent und Bischofsvikar für die Priester und Laien im pastoralen Dienst zu werden, gabst Du die Professur für Moraltheologie an der Theologischen Fakultät schweren Herzens auf, um Dich unserer nächsten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen anzunehmen“, stellte Algermissen heraus.
Seit dem 15. Oktober 2008 sei er ihm als sein Generalvikar besonders naher Weggefährte, der ihm helfe, die „Freuden und Sorgen des Bistums Fulda“ zu teilen. „In all Deinen Aufgaben und Ämtern hast Du Dich um die Kirche insgesamt und die Ortskirche von Fulda verdient gemacht – ich danke Dir im Namen der Kirche und als Freund, dem ich auch persönliche Anliegen anvertrauen kann“, so der Bischof. Mit Menschen wie Prof. Stanke führten „Wege der Resignation und blinder Traurigkeit“ (Lk 24, 16) zu neuer Aussicht und zu jenem „brennenden Herzen“, ohne das priesterliche Existenz nicht gelingen könne.
Ein neues Leben anzufangen und das alte einfach abzustreifen, diese Sehnsucht wohne in den Herzen vieler, hatte der Bischof zu Beginn seiner Predigt in Bezug auf die Emmausjünger betont. „Für mich als Bischof war es in den letzten Monaten angesichts der Missbrauchsfälle, die auch in der Kirche aufgedeckt wurden, mitunter durchaus zum Davonlaufen. Das allerdings wäre keine Lösung gewesen. Da hilft nur Aushalten, Mitleiden mit den Opfern, Aufarbeiten, die Kirche auf einen geistlichen Kurs bringen.“
Auf dem Weg nach Emmaus begegneten nach Jesu Kreuzigung zwei seiner Jünger einem Unbekannten, der sich in ihr Gespräch einmischte und ihnen die Schrift erklärte. „Der Fremde läuft nicht davon, sondern bleibt, kehrt mit ihnen ein und isst mit ihnen. Beim gemeinsamen Mahl, so wird erzählt, fällt es ihnen dann wie Schuppen von den Augen.“ Als der fremde Gast das Brot mit ihnen brach, gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn als den auferstandenen Herrn Jesus Christus. Die beiden Emmausjünger könnten einen lehren, angesichts des Todes begründet vom Leben zu singen, angesichts des Leids von der Freude, angesichts der Tränen vom Lachen. „Seit dieser wunderbaren Ostererfahrung wissen auch wir, dass ER bei uns bleibt, wenn wir ihn darum bitten. Seitdem dürfen wir aber auch wissen, wo wir bleiben können, wenn eigentlich alles zum Davonlaufen ist.“