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Sparkasse Fulda im Geschäftsjahr 2010 – „Spiegelbild einer robusten Region“

Fulda. Es gibt sie noch, die positiven Überraschungen. Die Geschwindigkeit, mit der sich die osthessische Wirtschaft im vergangenen Jahr aus der Krise herausarbeiten konnte, hatte auch Alois Früchtl, Vorsitzender des Vorstands der Sparkasse Fulda, nicht erwartet. Im März 2010 war er noch von einer „langsamen, mühsamen Annäherung an die alten Niveaus“ ausgegangen. Doch dann lief vor allem im Verarbeitenden Gewerbe alles viel besser als prognostiziert. Schieflagen oder gar Insolvenzen, die auch die Bilanz der Sparkasse nicht unberührt gelassen hätten, blieben weitgehend aus. In der Sparkassenbilanz zum 31. Dezember 2010, so Früchtl, spiegelten sich somit die Qualitäten wider, die die Wirtschaftsregion Fulda insgesamt auszeichneten: „Stabil, flexibel, kapitalstark und krisenfest.“

Wichtige Geschäftsfelder der Sparkasse entwickelten sich deutlich positiv. Zudem gelang es, die Ertragslage nochmals leicht zu verbessern. Fulda gehört weiterhin zu den ergebnisstärksten Sparkassen in Hessen. Bernd Woide, bei der Präsentation der Zahlen in doppelter Funktion als Landrat und amtierender Verwaltungsratsvorsitzender zugegen, darf zusammen mit Oberbürgermeister Gerhard Möller auf eine Sparkasse bauen, die das wirtschaftliche Geschehen in der Region gleichermaßen stabilisieren wie fortentwickeln kann. Auf die neuen Anforderungen, die die Bankenaufsicht in den nächsten Jahren u. a. zur Ausstattung mit Eigenkapital stellen wird („Basel III“), bereitet sich die Sparkasse intensiv vor.

Rege Kreditnachfrage bei Unternehmen und Selbstständigen

Das Kundenkreditvolumen der Sparkasse erhöhte sich um 2,1 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden EUR. Die im Jahresverlauf ausgezahlten Darlehen lagen mit 289 Mio EUR um etwa 50 Mio EUR über Vorjahresniveau. Den größten Beitrag zu dieser positiven Entwicklung lieferte das gewerbliche Kredit- geschäft. Viele Kunden nutzten das niedrige Zinsniveau für eine langfristig günstige Fremdfinanzierung von Investitionen. Im Jahr 2011 wird sich die Entwicklung des Kredit- geschäfts nach Einschätzung der Sparkasse etwas beruhigen.

Mit marktgerechten Konditionen und einem hohen Maß an Flexibilität hat die Sparkasse ihre Position im letzten Jahr auch bei der Immobilienfinanzierung gut behaupten können. Die Darlehensauszahlungen legten um 12,5 Prozent zu. Die Nachfrage nach Finanzierungsmitteln für Renovierungen, energetischen Sanierungen und Installation von Photovoltaikanlagen war ungebrochen. Zu einer guten Beratung gehört es dabei, zinsgünstige KfW-Förderprogramme einzubinden; auch in dieser Hinsicht zählt die Sparkasse – wie Vergleiche der KfW zeigen – zu den anerkannt aktiven Geldinstituten.

Die Diskussion um die „Kreditklemme“ empfiehlt der Sparkassenchef endgültig zu den Akten zu legen. Sie sei phasenweise ohnehin ein „Märchen“ gewesen, das Teile der Öffentlichkeit ohne die Sparkassen und die genossenschaftlichen Banken erzählt hätten. Das Kreditgeschäft sei der Kern des öffentlichen Auftrags der Sparkasse – und kein Geschäftsfeld, das je nach Großwetterlage mal mehr, mal weniger offensiv betrieben werde. Kreditwürdigkeit und dauerhafte Kapitaldienstfähigkeit eines Unternehmens, so Früchtl, blieben die entscheidenden Kriterien für eine Kreditzusage der Sparkasse.

Einlagen- und Wertpapiergeschäft beruhigt

Nach deutlichen Zuwächsen in den Jahren 2007 bis 2009 verlief das Einlagen- und Wertpapiergeschäft während des vergangenen Jahres in vergleichsweise ruhigen Bahnen. 3,09 Milliarden EUR lagen am 31. Dezember auf den Konten und Depots der Sparkassenkunden; das waren 0,4 Prozent mehr als Ende 2009. Für Vorstandsmitglied Uwe Marohn kam diese Entwicklung wenig über- raschend: „Die fast schon stürmischen Zuflüsse der Krisenjahre 2008 und 2009 resultierten stark aus dem Vertrauensbonus, den die Sparkassen bei den Unternehmen und in der Bevölkerung genießen.“ Mittlerweile habe sich die Situation in der deutschen Kreditwirtschaft insgesamt beruhigt.

Die genauere Analyse zeigt eine bei Privatkunden und gewerblichen Kunden gegenläufige Entwicklung. So stand einem Einlagenzuwachs bei den Privatkunden (+ 35 Mio EUR) ein Einlagenminus bei den gewerblichen Kunden (- 24 Mio EUR) gegenüber. Beides, so Marohn, bilde die deutlich verbesserte gesamtwirtschaftliche Situation mit steigenden Einkommen der Privathaushalte und höherer Investitionsbereitschaft der Unternehmen wider. Zahlreiche Betriebe hätten bei der Finanzierung zunächst auf Liquiditätspolster bzw. Eigenkapital zurückgegriffen, um den Einsatz von Fremdmitteln zu begrenzen.

Viele private Sparkassenkunden legen ihre Rücklagen und Ersparnisse weiterhin eher kurzfristig an. Das Zinsniveau, so Marohn, ist in den Augen der meisten Anleger immer noch zu niedrig, um sich auf lange Laufzeiten einzulassen. Zudem legten viele Menschen heute großen Wert darauf, auf die Unwägbarkeiten des Alltags vorbereitet zu sein und „im Falle eines Falles“ schnell auf Erspartes zurückgreifen zu können. Das dämpfe die Bereitschaft, sich bei der Geldanlage über mehrere Jahre festzulegen.

Mit dem Beratungsansatz des Sparkassen-Finanzkonzepts sieht Vorstandsmitglied Uwe Marohn dennoch gute Chancen, viele Kunden von den Vorteilen eines langfristig tragfähigen Vermögensaufbaus und einer vernünftigen Risikovorsorge zu überzeugen. Die Sparkasse biete mittlerweile fast allen Kunden solche Gespräche regelmäßig an. Sie verstehe sich als Vorsorgespezialist, der weitaus mehr abdecke als nur die klassischen Bankdienstleistungen. Bei der Vermittlung von Bausparverträgen und Versicherungen seien die Beraterinnen und Berater im vergangenen Jahr deutlich erfolgreicher als in den Vorjahren gewesen.

Trendwende im Wertpapiergeschäft

Im Wertpapierkundengeschäft gab es nach der Flaute des Jahres 2009 erste Anzeichen für eine Trendwende. Der Verkaufsdruck ließ insbesondere im Fondsbereich deutlich nach. Aktien und Mischfonds waren wieder stärker als im Vorjahr gefragt. Der Kurswert aller in den Kundendepots gehaltenen Papiere erhöhte sich dank des freundlichen Börsenumfelds zum Bilanzstichtag auf 469 Mio EUR. Insgesamt steht ein großer Teil der Sparkassenkunden dem Wertpapiergeschäft nach Einschätzung von Uwe Marohn allerdings noch eher reserviert gegenüber. Grund dafür seien zum einen das fehlende Vertrauen in die Stabilität der Märkte, zum anderen der immer noch bestehende Informationsbedarf zu den  langfristigen Renditechancen von Wertpapieren. Eine strukturierte Beratung, etwa mit dem Sparkassen-Finanzkonzept oder dem seit Beginn 2010 obligatorischen Beratungsprotokoll, leiste auch hierzu einen wertvollen Beitrag.

Filialen als Rückgrat im Kundengeschäft

Die wichtigste Bauinvestition der Sparkasse war im vergangenen Jahr der Umbau des Hauses Buttermarkt 10 in Fulda zu einem modernen Beratungscenter. Darüber hinaus setzte die Sparkasse die Zug-um-Zug-Modernisierung des Filialnetzes fort. Horst Habermehl, ebenfalls Mitglied des dreiköpfigen Sparkassenvorstands, nannte beispielhaft den Umbau der Filialen in Großenlüder und Hosenfeld, den bevorstehenden Umzug der Filiale Mittelkalbach und die Installation eines gemeinsam mit der VR Genosssenschaftsbank Fulda betriebenen SB-Standorts im Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda.

„Die Filialen bleiben das Rückgrat unseres Geschäfts“, erläuterte Habermehl. Dass es die Sparkasse damit ernst meine, zeige unter anderem der Betrag von deutlich über 1 Mio EUR, den die Sparkasse in den letzten beiden Jahre für neue Geldautomaten aufgewendet habe. Großen Wert lege die Sparkasse auch auf Informationssicherheit. So sei die Datenübertragung zwischen den verschiedenen Sparkassenstandorten durchgängig verschlüsselt. Beim Online Banking setzt die Sparkasse seit einigen Monaten voll auf das neue, gegen Betrug besser geschütze ChipTAN-Verfahren, bei dem ein kleiner, mobiler TAN-Generator die „alte“ TAN-Liste ersetzt. Bis zum Ende dieses Jahres will die Sparkasse die Umstellung aller Online Banking-Kunden auf das neue Verfahren abgeschlossen haben.

Anspruchsvolles Risikomanagement

Großen Wert legt die Sparkasse darauf, so Habermehl, ihre Arbeitsprozesse kontinuierlich zu optimieren. Nur so sei es möglich, die Kosten im Griff zu behalten sowie der zunehmende Komplexität des Bankgeschäfts und den ständig steigenden Anforderungen des Aufsichtsrechts und der Rechtsprechung gerecht zu werden. Auch das Management der für ein Kreditinstitut typischen Risiken werde immer anspruchsvoller. Als Beispiel führte er vierteljährliche verlangte „Stresstests“ an; hier müsse die Sparkasse ihre Stabilität unter Bedingungen beweisen, die zwar äußerst unwahrscheinlich, aber doch theoretisch denkbar seien. Immerhin seien die Ergebnisse erfreulich: Die Sparkasse bleibe auch dann stabil und handlungsfähig, wenn sich die wirtschaftliche Rahmenbedingungen schockartig verschlechtern sollten.

Zuverlässiger Partner, Sponsor und Mäzen

Die Sparkasse Fulda, so Habermehl, sei für Stadt und Landkreis Fulda auch im vergangenen Jahr zuverlässiger Wirtschaftsfaktor, Sponsor und Mäzen gewesen. Im Jahresdurchschnitt 2010 waren etwa 780 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, davon ca. 55 Auszubildende. Aufträge an heimische Bauunternehmen, Handwerksbetriebe und Dienstleister, Steuerzahlungen, Gewinnausschüttungen an Stadt und Landkreis sowie Spenden und Sponsoring der Sparkasse summierten sich im Jahr 2010 auf deutlich über 15 Millionen EUR. Die beiden Sparkassen-Stiftungen förderten gemeinnützige Zwecke und Einrichtungen im sozialen, kulturellen und wissenschaftlichen Bereich mit ca. 260 000 EUR. Beispiele für das Engagement der Sparkasse waren finanzielle Beiträge zu den „Pianale“-Schlosskonzerten, zu den Autorenlesungen „Literatur im Stadtschloss“ und „Leseland Hessen“, zur Renovierung der Orgel in der Fuldaer Winfriedschule oder zu den Aktivitäten der Kunststation Kleinsassen, der Kinder-Akademie Fulda und des Konrad-Zuse-Museums in Hünfeld.

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