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Vonderau Museum will seine Attraktivität für Besucher durch Fünf-Jahres-Plan steigern

Fulda. „Ein Museum ist das Gedächtnis einer Stadt, ja einer ganzen Region. Daher ist das Vonderau Museum für die Identität der Menschen in der Stadt und im Landkreis Fulda so ungemein wichtig.“ Seine eigene Aussage bedeutet für Dr. Gregor Stasch Verpflichtung und Herausforderung zugleich: Das Vonderau Museum noch stärker als bislang im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern. Der 61-Jährige leitet die Einrichtung seit September 1999, nachdem er dort zuvor 16 Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig gewesen war. „Wir müssen den Menschen verdeutlichen, dass in einem Museum nicht nur Artefakte ausgestellt, sondern gesammelt, erschlossen, erforscht und sachgerecht für die folgenden Generationen aufbewahrt werden. Man darf die eigene Geschichte nicht auf den Müll werfen.“

Foto: Max Colin Heydenreich

Für Stasch ist das Vonderau Museum mit seinen Abteilungen Kulturgeschichte, Naturkunde, Malerei und Skulptur sowie dem Planetarium das Museum für die osthessische Region, da es sich auf vielschichtige Art und Weise mit Historie, Kultur, Kunst und Natur des ehemaligen Hochstifts Fulda auseinandersetze. Im Gegensatz beispielsweise zu Dommuseum und Feuerwehrmuseum, die sich ganz spezifischen Themen widmeten, und dem Museum Schloss Fasanerie, das die Kunst in den Mittelpunkt stelle.

Um zu verhindern, „dass das Vonderau Museum als Institution untergeht, wenn da nichts passiert“, wurde ein Fünf-Jahres-Plan in Gang gesetzt, der die Attraktivität steigern und zu einem Besuch verlocken soll. Unter anderem will man versuchen, die Abteilungen „greifbarer“ zu machen und Geschichte auf spielerisch-technische Weise zu vermitteln. Der Begriff der „Erlebnispädagogik“ dürfte bei diesen Überlegungen eine zentrale Rolle spielen.

Fest steht aber auch, dass die Ziele nur mit einem hohen Kostenaufwand und Personaleinsatz umzusetzen sind. Bei einem Zuschussbedarf von rund einer Million Euro ist das Museum, wie übrigens viele vergleichbare staatliche und städtische Institute, ein Sorgenkind der verantwortlichen Politiker, dafür spürt man im Museum auch Verständnis. Gerade in Zeit der knappen kommunalen Kassen kann leicht die Idee aufkommen, Fulda brauche kein eigenes Museum, und wenn die Unterstützung noch geringer wird, ist das gesamte „Unternehmen“ höchst gefährdet. So weit darf es einfach nicht kommen.

Im Gespräch wird deutlich, mit wie viel persönlichem Engagement und Enthusiasmus der Leiter und seine Mitarbeiter damit befasst sind, das Vonderau Museum zu einem attraktiven Ort zu machen. Gerade auch die Sonderschauen seien es, deren Vorbereitung und Durchführung zwar enormen Aufwand, aber auch Spaß bereiteten. Beispielsweise die große Bonifatiusausstellung mit 16 000 Besuchern, die Athanasius-Kircher-Schau „Magie des Wissens“, die beiden Franz Erhard-Walther-Retrospektiven oder auch die Ausstellungen von Rhönmalern wie Fritz Pfeiffer, Gustav Iller, Pedro Schmiegelow oder Paul von Waldthausen. Nicht zu vergessen die Fotoschauen mit Werken von Hubert Weber, Günter Zint und Christof Krackhardt.

Apropos Rhönmaler: Für 2013 ist die Fortsetzung der kleinen Reihe mit Julius von Kreyfelt vorgesehen. Für das laufende Jahr 2011 stehen unter anderem Einblicke in die „Sammlung Thüringisches Porzellan Dr. Ehmann“, die Wanderausstellung „Rotation“ (Robert Bagley, Lothar Nickel und Franco Scuderi), „Wie die Quadrate auf den Uniplatz kamen … Sep Ruf in Fulda“ oder auch „Die Wahl des Herzogs Konrad von Franken zum König im Jahr 911“ an. In 2014 dürfte „Fuldaer Fayence-Manufaktur (1740-1759) – eine Spitzentechnologie aus Fulda?“ für sehr großes Interesse sorgen, bevor ein Jahr später eine ganz besondere Jubiläumsschau einlädt: „Konrad Hahne und seine Stiftung – 140 Jahre Regionalmuseum der Stadt Fulda“.

Historie

Die Geschichte des Fuldaer Vonderau Museums beginnt im Februar 1875 mit der Absicht von Domkapitular Konrad Hahne, seine „Sammlung von Alterthümern, insbesondere fuldi-schen Ursprungs, der Stadt Fulda schenkweise zu überlassen“. Die politisch Verantwortlichen mit Oberbürgermeister Franz Rang an der Spitze sollten sich verpflichten, „die Sammlungen in anständigen Lokalen aufzustellen, dieselben nicht zu veräußern und einen etwaigen Überschuss der zu erhebenden Entrées über die Unterhaltungskosten zu milden Zwec-ken, z.B. hiesigen Armenanstalten zu verwenden”.

Nach Aussage von Museumsleiter Dr. Gregor Stasch liegt die Bedeutung der von Konrad Hahne in vielen Jahrzehnten zusammengetragenen Sammlungen, die den Kernbestand des heutigen Vonderau Museums bilden, im regionalen Aspekt. Dessen Bedeutung habe Hahne schon damals erkannt, als er der Stadt Fulda gerade den Teil seiner Sammlung schenkte, der die so genannten „Fuldensien” enthielt. Wohl in Absprache mit dem Stifter war die Sammlung zunächst im Heilig-Geist-Hospital untergebracht, blieb hier aber nur wenige Jahre, da sie spätestens 1880 im Gebäudekomplex des Klosters Frauenberg ausgestellt wurde. 1884 wurden die Gebäude des ehemaligen Päpstlichen Seminars nach dem Erwerb durch die Stadt zur Stadtschule umgebaut und wiesen noch freie Raumkapazitäten aus. Hier, in der ehemaligen Kapelle sowie in einzelnen Räumen des angrenzenden Nordflügels, fand auch das Städtische Museum sein neues Domizil.

Eine Vergrößerung der Dauerausstellung konnte erst 1930 mit dem Umzug in das ehemalige Residenzschloss, das schon seit 1882 als Standort des Städtischen Museums erwogen wor-den war, verwirklicht werden. Die Sanierung und Restaurierung der historischen Räume des Stadtschlosses war 1968 erneut Anlass, Teile der Sammlungen in den Nordflügel der Stadt-schule zu verlegen, wo bis 1976 eine eher provisorische Dauerausstellung eingerichtet wurde. Ein kleinerer Teil der Sammlung (die mit der höfischen Repräsentation zusammenhän-genden Museumsbestände wie Gemälde, Möbel, Fuldaer Porzellan oder Glaspokale) wurde in den neu hergerichteten, historischen Räumen des Stadtschlosses präsentiert.

Erst seit 1984/85 nahmen Planungen zum Umbau der ehemaligen Stadtschule konkrete Formen an, und der gesamte Komplex mit nun fast 4000 Quadratmeter Ausstellungsfläche konnte nach einer völlig neuen Konzeption umgebaut und eingerichtet werden. Am 8. März 1994 wurde das Vonderau Museum in seiner heutigen Gestalt am Jesuitenplatz im Herzen Fuldas feierlich eröffnet.

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