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Bischof Algermissen segnete neue Mediathek der Marienschule

Fulda. „Im Mittelpunkt der von uns verantworteten Erziehung und Bildung steht der einzelne junge Mensch“, hob Bischof Heinz Josef Algermissen am Freitag in der Aula der Marienschule Fulda hervor. In einer Ansprache aus Anlass der Segnung der neuen Mediathek und der Medienräume der Mädchenschule machte der Oberhirte deutlich, dass diese Erziehung Ehrfurcht vor dem Geheimnis voraussetze, das einem in jeder Schülerin begegne, so der Bischof weiter. „Erziehen und bilden heißt, den jungen Menschen in seinem mitunter provozierenden Verhalten annehmen und lieb haben; ihm in einem Klima des Vertrauens zu helfen, die Talente zu entfalten, damit er der werden kann, der er nach dem Plan Gottes ist und immer mehr werden soll.“

Die sieben katholischen Schulen im Bistum Fulda hätten für ihn einen ganz hohen Stellenwert, versicherte der Bischof. Darauf lege er selbst in einer Zeit wert, da die Mittel begrenzt seien und man je neu entscheiden müsse, welche Projekte jetzt und auf Dauer finanziell unterstützt werden könnten. „Die Zahl der Anmeldungen in katholischen Schulen ist allerdings seit vielen Jahren erfreulich hoch – sie zeugt von der großen Wertschätzung der Eltern und vom Vertrauen, das sie in unsere Schulen setzen“, stellte Algermissen fest.

Das Zweite Vatikanische Konzil habe eine besondere Aufgabe darin gesehen, in der Schulgemeinschaft „einen Lebensraum zu schaffen, in dem der Geist der Freiheit und der Liebe des Evangeliums lebendig ist. Sie hilft dem jungen Menschen, seine Persönlichkeit zu entfalten und zugleich der neuen Schöpfung nach zu wachsen, die er durch die Taufe geworden ist.“ Damit sei laut Bischof Algermissen das Ideal ganzheitlicher Bildung und Formung des jungen Menschen in christlichem Geist umschrieben.

Zwar müsse die Schule, wenn sie ihrer Aufgabe in der Gesellschaft gerecht werden wolle, Wissen vermitteln und den jungen Menschen einen soliden Bestand an Kenntnissen mit auf den Lebensweg geben, auf denen später ihre Berufsausbildung aufbauen könne. „Die katholische Schule sieht den jungen Menschen in einer Ganzheit, mit Leib und Seele, mit Verstand und Willen, mit Herz und Gewissen. Diesen ganzen Menschen will sie auf das Leben vorbereiten, das vor ihm liegt.“ Ihm wolle sie darum auch die sinngebenden christlichen Werte menschlicher Existenz erschließen und ihm unter Achtung seiner freien Entscheidung helfen, ein Leben aus dem Glauben zu führen und sich in der Welt von heute als Christ zu bewähren.

Der Bischof kam auf Martin Bubers Erzählung vom weisen Rabbi Sussja zu sprechen, der im Angesicht des nahen Todes zu seinen Schülern gesagt habe: „Wenn ich im Jenseits ankomme, wird man mich nicht fragen: Warum bist du nicht Mose und nicht Elia gewesen? Man wird mich fragen: Warum bist du nicht Sussja gewesen?“ Der zu werden, der man in Gottes Augen sei – dies sei Ziel und Maß allen menschlichen Reifens. „Einem jungen Menschen helfen, immer mehr der zu werden, der er ist: das ist die schwierige Aufgabe, aber auch der große und schöne Auftrag des Lehrers und Erziehers“.

Wenn jemand einwende, dass alles, was eine katholische Schule an einzelnen Elementen, an pädagogischem Engagement, sozialen Aktionen, musischen Angeboten oder religiösen Veranstaltungen anbiete, sich auch an öffentlichen Schulen finden ließe, sei es um so wichtiger, das Spezifische einer katholischen Schule in der Gemeinsamkeit aller dieser Anstrengungen zu suchen. Das gelte als gemeinsame Linie, als ein Bogen, der sich von der weltanschaulichen Basis über den Unterrichtsalltag bis hin zu den Höhepunkten des Schullebens erstrecke. „Katholische Schule verwirklicht sich am ehesten in einem Kollegium von gleichgesinnten Lehrkräften, die aus christlicher Überzeugung bereit sind, Verantwortung zu übernehmen für das Wohl und Heil der ihnen anvertrauten jungen Menschen“, hob der Bischof hervor.

Den Lehrerinnen und Lehrern sowie Schulleiter Dr. Oswald Post sprach Algermissen seinen Dank dafür aus, dass sie dieses Leitbild immer wieder neu in die Wirklichkeit umzusetzen versuchten und dabei auf die Nähe zum Bischof von Fulda bauten. „Nur im gemeinsamen vertrauensvollen Engagement aller Verantwortlichen ist die Zukunftsfähigkeit der Marienschule gewährleistet.“

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