Wiesbaden/Kassel. In der Zentralsterilisation des Klinikum Kassel sind gestern bei einer Begehung durch Mitarbeiter des Kasseler Regierungspräsidiums und des Gesundheitsamtes an mehreren Instrumenten Ablagerungen festgestellt worden. Die Geschäftsführung des Klinikums hatte daher kurzfristig entschieden, die Zentralsterilisation sowie zwei kleinere Sterilisationseinheiten im Klinikum, die nicht geprüft wurden, außer Betrieb zu nehmen, bis die Unbedenklichkeit der Instrumente vom Hersteller bestätigt worden ist, heißt es auf der Website des Klinikums. Heute seien im Klinikum Kassel nur Notfall-Operationen durchgeführt worden.
„Wir werden unsere Instrumente erst wieder verwenden, wenn vom Hersteller die Entfernung der Ablagerungen bzw. deren Unbedenklichkeit bescheinigt worden ist“, so Klinikum-Geschäftsführer Dr. Gerhard M. Sontheimer. Bis dahin werde das Klinikum von Dienstleistungsunternehmen bzw. anderen Krankenhäusern der Gesundheit Nordhessen Instrumente ausleihen. Die Zentralsterilisation im Klinikum Kassel war zuletzt am 8. Dezember 2010 vom Gesundheitsamt der Region Kassel kontrolliert worden.
Der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner hat sich heute in Wiesbaden zu der Überprüfung der Zentralsterilisation am Klinikum Kassel geäußert: „Das Regierungspräsidium Kassel und das Gesundheitsamt Kassel haben nach Feststellung von Verunreinigungen zusammen mit dem Klinikum sofort die erforderlichen Maßnahmen eingeleitet. Die Sicherheit der Patienten steht für alle Beteiligten stets an erster Stelle. Deshalb halte ich es für dringend notwendig, dass die zuständigen Behörden, also die Regierungspräsidien und Gesundheitsämter, in der nächsten Zeit die stationären Kliniken in Hessen anlässlich der Vorkommnisse in Kassel und Fulda nochmals gezielt untersuchen.“
Es sei zu prüfen, ob hierzu zusätzlich auch externe Gutachter hinzugezogen werden müssen, erklärte der Minister weiter. Außerdem werde er die entsprechenden Verbände sowie Experten zu einer Erörterung der Gesamtsituation einladen.
Eine Überprüfung der Zentralsterilisation des Uniklinikums Gießen-Marburg sei bereits erfolgt, hier wurden keinerlei Auffälligkeiten festgestellt. „Das Bekanntwerden der Vorfälle sowohl in den Kliniken in Fulda als auch in Kassel zeigt, dass die staatlichen Prüfmechanismen funktionieren. Es liegt aber vor allem in der Verantwortung der Klinikbetreiber, vor Ort für ein reibungsloses Funktionieren der Hygienetechnik und -prozesse zu sorgen.“ Wie auch im Klinikum Fulda sei im Klinikum Kassel eine Krankenhaushygienikerin angestellt.
Grüttner kündigte an, dass noch in diesem Jahr eine Hygieneverordnung kommen werde. „Eine Hygieneverordnung kann aber nur ein Schritt in die richtige Richtung sein. Die Kliniken haben die ständige Aufgabe die Einhaltung der hygienischen Standards immer wieder zu überprüfen, um Vorfälle wie in Fulda und Kassel zu verhindern“, betonte der Sozialminister.
Zudem solle eine verstärkte Ausbildung von Hygienefachkräften in Pflege und Technik sowie spezialisierter Ärzte erfolgen. „Deshalb werden wir in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Landesärztekammer neue Angebote für Aus- und Weiterbildung im Bereich Hygiene für Ärzte, Pflegekräfte und technisches Personal in den Krankenhäusern erarbeiten“, so der Sozialminister.