Hanau. Kollektengelder und Spenden für Kindersärge übergaben zwei Seelsorger des Klinikums Hanau, Pfarrer Hans-Joachim Roth und Theologe Peter Fricke, am Donnerstag an die Verantwortlichen des Holztechnik-Projekts der Ludwig-Geißler-Schule. Die Summe von 421,35 Euro stammte zum einen aus der Kollekte des ökumenischen Gottesdienstes für verstorbene Kinder, die am Ewigkeitssonntag 2007 gesammelt worden war; zum anderen haben verschiedene Spender, darunter betroffene Eltern, aber auch die Frauengemeinschaft der Hanauer Pfarrei St. Josef Geld zur Verfügung gestellt, um die Materialkosten dieses Projektes mit zu finanzieren.
Fotos (3): Hans-Joachim Roth
Seit dem Jahr 2000 besteht zwischen dem Klinikum Hanau GmbH und der Berufsbildende Schule der Stadt Hanau und des Main-Kinzig-Kreises, eine in Deutschland wohl einmalige Kooperation: Die Schülerinnen und Schüler der Holztechnik-Klasse bauen im Rahmen des Unterrichts an der Ludwig-Geißler-Schule unter Anleitung ihrer Fachlehrer Stefan Sachs und Frank Stahmer kleine Särge mit teilweise filigranen Schmuckelementen, die zur Beisetzung tot geborener Kinder und von Fehlgeburten verwendet werden. Die Särge beschäftigen die Schülerinnen und Schüler der Ludwig-Geißler-Schule in mehreren Fächern.
Der Fertigung geht viel „kreative Arbeit“ voran, in der die Schülerinnen und Schüler eigene Entwürfe entwickeln und und inzwischen mehr als vier Grundmodelle für die Herstellung umsetzen, wie Gestaltungslehrerin Anita Schnapka bei der Geldübergabe betonte. Auffallend ist die große Formenvielfalt und viel Liebe zum Detail. »Es ist unbedingt wichtig, dass die Schüler schon in die Planungsphase mit einbezogen werden«, erläutert der Pädagoge Stefan Sachs und schildert, wie die Gestaltungsmöglichkeiten besprochen werden. Schnell ist man von der klassischen Sargform abgekommen, und so wurden beispielsweise achteckige Särge mit unterschiedlich gestalteten Deckeln entworfen.
Im Rahmen des Religions- und Ethik-Unterrichts stand auch ein Besuch des Kindergrabmals auf dem Hanauer Hauptfriedhof auf dem Programm. Im Unterricht werden, wie der evangelische Schulseelsorger Wolfgang Bauer ausführte, auch die »Fragen, Gefühle und Gedanken bearbeitet, die unsere Schülerinnen und Schüler aufwühlen, indem sie sich handwerklich mit einem derartigen Thema auseinandersetzen«.
Auch Oberstudiendirektor Dieter Wolf freute sich über die Spenden, die „willkommen sind“, um die Eigenmittel der Schule, die in diese wichtige Arbeit gesteckt werden, „sinnvoll zu ergänzen“. Sven Kux, Koordinator der Ludwig-Geißler-Schule für die Arbeitstechnischen Fächer, und die Fachlehrer zeigten den Klinikseelsorgern anlässlich des Besuchs auch eine hochmoderne CNC-Fräse bei der Arbeit, kleine Holzkreuze aus Schichtholz auszufräsen; diese wenn auch kleine computergesteuerte Anlage reize die Jugendlichen sehr zu kreativer Arbeit: mit ihr können auch feine Schmuckelemente für die Kindersärge hergestellt werden.
»Es ist ein komisches Gefühl, wenn wir hier Särge bauen, in denen bald kleine Menschen liegen«, meinte eine Schülerin. Dass es den anderen ähnlich ergeht, zeigt sich an dem Eifer und der Sorgfalt, mit der sie am Werk waren und sind, um diese würdige Bestatzungsform auch weiterhin zu ermöglichen.
60 Kindersärge sind im Rahmen dieser Kooperation bereits entstanden; die meisten von ihnen wurden bereits am Hanauer Kindergrabmal seit dem Jahr 2000 mit Fehl- und Totgeburten beigesetzt, die vor Vollendung des sechsten Schwangerschaftsmonats versterben. Für diese Kinder besteht keine Bestattungspflicht; sie wurden früher anonym „entsorgt”, d.h. anderen Verstorbenen beigelegt oder aber mit den Klinikabfällen aus Operationen verbrannt.
Im Juli 1999 hatte das Hanauer Klinikum auf Anregung von Manfred Stork, damaliger Verwaltungsleiter diese fragwürdige Praxis abgeschafft und zum ersten Mal auch solche Kinder beisetzen lassen. Im Jahr darauf entstand aus Anregung von Klinkpfarrer Werner Gutheil mit dem Kindergrabmal ein würdig und ansprechend gestaltetes Areal für derartige Beisetzungen auf dem Hanauer Hauptfriedhof.Â
Es wurde von Volker Rode, Gelnhausen gestaltet und durch Spenden finanziert. Seit dem Jahr 2001 finden an jedem ersten Mittwoch eines Quartals Beisetzungen statt und werden von katholischen und evangelischen Klinikseelsorgerinnen und –seelsorgern begleitet. Auch Einzelbestattungen sind in Absprache mit den Klinkseelsorgern möglich. Insbesondere können Gedenksteine oder Gedenkschilder angebracht werden für Kinder, die keine Grabstätte haben. (Hans-Joachim Roth und Peter Fricke)