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„Darmtag“ am 15. März im Herz-Jesu-Krankenhaus – Chefarzt Prof. Dr. Joachim Glaser im Interview

080307_glaser4.jpgFulda. Chronische Darmkrankheiten treten in zivilisierten Industrienationen deutlich häufiger auf als in Entwicklungsländern. Das so genannte Reizdarmsyndrom gilt als die häufigste Ursache von Bauchbeschwerden. Und auch die Zahl der Darmkrebspatienten steigt. „Darmkrebs“, „Divertikelkrankheit des Darmes“, „Reizdarmsyndrom“ sowie “Morbus Crohn und Colitis ulcerosa” sind Themen des „Darmtages“, der am Samstag, dem 15. März 2008, im Herz-Jesu-Krankenhaus in Fulda stattfindet. Ärzte des Krankenhauses informieren in Vorträgen über die verschiedenen Darmkrankheiten. Die Veranstaltung beginnt um 9.00 Uhr in der Cafeteria und endet voraussichtlich gegen 12.30 Uhr.

Im Interview beantwortet Prof. Dr. Joachim Glaser, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Abteilung Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie am HJK, die meistgestellten Fragen zum Thema „Darmkrebs“ bzw. „Darmerkrankungen“ und informiert über den geplanten Ablauf des Darmtages.

Was kann man gegen Darmkrebs tun?
Prof. Dr. Glaser: „Darmkrebs kann durch Vorsorge sehr wirksam bekämpft werden. Wenn der Krebs im Frühstadium entdeckt wird, liegen die Heilungschancen zwischen 90 bis 100 Prozent. Deshalb ist es wichtig, Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen und ab 55 Jahren die empfohlene Darmspiegelung (Koloskopie) durchführen zu lassen. Darmkrebs entsteht nämlich in der Regel aus gutartigen Vorstufen, so genannten Polypen, die bei der Darmspiegelung schon vor ihrer Entartung entdeckt und bei der Untersuchung gleich entfernt werden können. Die Vorsorgekoloskopie reduziert deshalb das Risiko, an Darmkrebs zu sterben um ca. 90 Prozent. “

Ist Darmkrebs eine Erkrankung alter Leute?
Prof. Dr. Glaser: „Der größte Teil aller neuen Darmkrebsfälle wird bei Menschen im Alter von über 55 Jahren diagnostiziert. Im Durchschnitt tritt Darmkrebs bei Männern mit 69 und bei Frauen erst mit 75 auf. Mitunter, insbesondere bei erblichen Formen von Darmkrebs, wird die Erkrankung auch schon in jüngerem Lebensalter beobachtet.“

Worauf sollten Menschen achten, die familiär vorbelastet sind?
Prof Dr. Glaser: „Personen in deren Familie Darmkrebs oder Darmpolypen aufgetreten sind, sollten darüber mit ihrem Hausarzt sprechen und bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen früher eine Vorsorgekoloskopie durchführen lassen. Die Kosten dafür werden dann von der Krankenkasse übernommen.“

Kann der Stuhlbluttest die Darmspiegelung ersetzen?
Prof. Dr. Glaser: „Nein. Ein jährlicher Stuhlbluttest ist zwar besser als keine Vorsorge, allerdings kann der Darmkrebs trotzdem unentdeckt bleiben, weil Darmpolypen und sogar bösartige Tumore nicht kontinuierlich bluten. Auf jeden Fall muss ein positiver Stuhlbluttest durch eine Darmspiegelung abgeklärt werden, um sicher zu sein, dass keine Polypen oder andere Erkrankungen vorliegen.“

Darmkrebs bzw. Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Reizdarmsyndrom gelten als Zivilisationskrankheiten. Welche Lebensgewohnheiten machen Sie dafür verantwortlich?
Prof. Glaser: „Sicher ist, dass die genannten Krankheiten in den zivilisierten Industrienationen häufiger vorkommen als in Entwicklungsländern. Zum Teil sind sie sogar erst im 20. Jahrhundert neu aufgetreten. Ein hoher Hygienestandard, kalorienreiche, ballaststoffarme Ernährung, mangelnde Bewegung und Stress werden je nach Krankheitstyp als mögliche Voraussetzungen diskutiert.“

Was kann man selbst zur Vorbeugung tun?
Prof. Dr. Glaser: „Fachleute gehen inzwischen davon aus, dass sich beispielsweise das Darmkrebsrisiko schon verringern ließe, wenn jeder auf eine gesunde Lebensführung achten würde. Also insbesondere auf übermäßiges und fettes Essen sowie Nikotin und Alkohol möglichst verzichten. Stattdessen regelmäßig Obst und Gemüse essen, auf ausreichend Bewegung achten, Übergewicht und Stress vermeiden.“

Wie werden Sie den Darmtag am 15. März gestalten?
Prof Dr. Glaser: „Wir haben vier Vorträge zu verschiedenen Darmkrankheiten geplant. Krankheiten, die unter den Bedingungen einer modernen Zivilisationsgesellschaft heute viel häufiger auftreten als früher. Oberarzt Dr. Gleichmann, Abteilung Innere Medizin und Gastroenterologie, wird gegen 9.00 Uhr über das Thema „Darmkrebs“ referieren. Daran schließt sich ein Vortrag von PD Dr. Carolin Tonus, Chefärztin der Allgemein- und Viszeralchirurgie, zum Thema „Divertikelkrankheit des Darmes“ an.

Nach einer Kaffeepause geht es mit dem „Reizdarmsyndrom“ weiter. Darüber wird Oberärztin Dr. Ulrike Neumayer, Abteilung Innere Medizin und Gastroenterologie, referieren. Ich werde einen Vortrag über chronisch entzündliche Darmerkrankungen – Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa – halten. Die Veranstaltung wird voraussichtlich gegen 12.30 Uhr enden. Wir stehen Interessierten aber auch im Anschluss für persönliche Fragen gerne zur Verfügung.“

Zum Foto: Prof. Dr. Joachim Glaser, Chefarzt der Abteilung Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie

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