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Eine Region übernimmt Verantwortung für den Arbeitsmarkt – Woide: „Landkreis Fulda mit der Option auf richtigem Weg“

Fulda. Am 1. Januar 2008 feierten die Optionskommunen ihren dritten Geburtstag. Was im Jahr 2005 bundesweit in 69 Kommunen als arbeitsmarktpolitisches Experiment begann, hat sich im Landkreis Fulda zum Erfolgsmodell gemausert: Fast 7.000 Langzeitarbeitslose konnten in den vergangenen drei Jahren in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden. Besondere Erfolge verzeichnete das Amt für Arbeit und Soziales bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und der Integration der Arbeit-nehmer über 50 Jahren.

Das Fazit von Landrat Bernd Woide nach drei Jahren Optionskommune: „Wir haben nicht nur neue Strukturen, sondern auch eine neue `Verwaltungs-Philosophie` geschaffen, mit der sich sowohl die Mitarbeiter als auch die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises identifizieren können. Und: hier hat eine ganze Region Verantwortung für den Arbeitsmarkt übernommen.“

Zentrale Anlaufstelle für Hilfebedürftige

Das Amt für Arbeit und Soziales ist nach der Zusammenlegung von Sozial- und Arbeitslosenhilfe im Jahr 2005 zur zentralen Anlaufstelle für Hilfebedürftige geworden. Dazu zählen Langzeitarbeitslose, Geringverdiener, allein erziehende Mütter und Kinder. Insgesamt betreut das Amt zurzeit rund 11.500 Hilfebedürftige.

„Die Erwerbsfähigen in Lohn und Brot zu bringen, ist die Herausforderung und Chance der Optionskommune“, verdeutlicht Woide. Die Herausforderung? „Wir haben es hier mit einer Kundenklientel zu tun, die weit mehr braucht als Vermittlungsvorschläge und Hinweise auf Stellenbörsen im Internet.“ Die Chance? „Unsere regionalen Spezifika: gesunde Unternehmen, verantwortungsbewusste Unternehmer, funktionierende Netzwerke und kurze Wege“, so Woide.

Auf individuelle Lebenssituation eingehen

In der Regel bringen Menschen, die länger als zwölf Monate arbeitslos sind, eine Vielzahl von Vermittlungshemmnissen mit und brauchen individuelle Beratung. Das erfordert Zeit, aber auch entsprechende Fachkompetenz. Das AFAS-Team setzt sich daher aus Sozialpädagogen, Verwaltungsfachangestellten und Mitarbeitern, die aus der freien Wirtschaft kommen, zusammen.

„Mit diesem Mix sind wir in der Lage, auf die individuelle Lebenssituation der Kunden einzugehen. Wir sind, im Vergleich zu früher, deutlich näher am Bürger und können auf aktivierende Hilfen sowie ein Netzwerk aus unterstützenden Behörden zugreifen“, erklärt Amtsleiter Jürgen Stock.

31 Prozent weniger Langzeitarbeitslose

Dank dieser Rahmenbedingungen ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen von Juli 2005 bis Dezember 2007 um 31 Prozent von 4.805 auf 3.314 Langzeitarbeitslose gesunken. Vor allem die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen wurde entscheidend verrin-gert. Während zu Beginn der Option noch 700 Arbeitslose unter 25 Jahren registriert waren, lag die Zahl im Dezember 2007 bei 161 Jugendlichen. Mit einer Quote von 1,2 Prozent liegt die Optionskommune Fulda bei der Bekämpfung der Jugendarbeits-losigkeit hessenweit an der Spitze.

Auch bei der Integration älterer Arbeitnehmer kann der Landkreis Erfolge vorweisen: 1.068 Arbeitslosen zu Beginn des Projekts 50plus im Januar 2006 stehen 773 Arbeitslosen im Dezember 2007 gegenüber. Das Minus von 28 Prozent ist laut Projekt-leiter Ulrich Nesemann abgestimmten Integrationsmaßnahmen wie beispielsweise Qualifizierungen, Praktika in Betrieben, Lohnkostenzuschüssen oder Schuldnerberatungen zu verdanken.

„In diesem Jahr“, erklärt Jürgen Stock, „werden wir uns verstärkt um die Zielgruppe der jungen, allein erziehenden Mütter kümmern und den Bereich der Prävention, In-formation und Beratung weiter ausbauen.“

Regionalfaktor entscheidender Erfolgsgarant

Landrat Bernd Woide sieht die Optionskommune Fulda auf dem richtigen Weg: „Die Erfahrungen der letzten drei Jahre haben gezeigt, dass wir mit der dezentralen Organisation und den Leistungen aus einer Hand den individuellen Bedürfnissen der Langzeitarbeitslosen bestens gerecht werden können.“

Angesichts der aktuellen Diskussion über „kooperative Jobcenter“, die vom Bundesarbeitsministerium und der Bundesagentur für Arbeit angestoßen wurde, erklärt der Landrat: „Wir möchten Langzeitarbeitslose weiterhin in Eigenregie betreuen und vermitteln, denn nach unseren Erfahrungen ist der `Regionalfaktor` der entscheidende Erfolgsgarant.“

Über die positiven Erfahrungen der Optionskommunen, das Modell der Kooperativen JobCenter und arbeitspolitische Zukunftsszenarien wird am 13. März 2008 im Kolpinghaus Fulda diskutiert. Dort findet von 10.00 bis 13.00 Uhr eine Fachtagung unter der Überschrift „Arbeitsmarktpolitik am Scheideweg – Lokal geht mehr!“ statt. Die Tagung wird von den vier Optionskommunen Marburg-Biedenkopf, Hersfeld-Rotenburg, Vogelsberg und Fulda veranstaltet.

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