Hanau. Wenn die Faschingstage kommen, will manche(r) sich in irgend einem Loch verkriechen., wenn die Zeichen nicht auf Fröhlichkeit stehen. Nicht so in diesem Jahr. Am Rosenmontag haben sich die Frauen bei 0 Grad Celsius auf den Weg gemacht, um von Hanau ins benachbarte fränkische Michelbach zu fahren. Ihr Ziel war abgesprochen, der Mut war teilweise geringer, als der Moment nun kam, sich in Fahrgemeinschaften zu versammeln.
„Ich kann doch nicht Stimmung machen, wenn mein Mann nichts davon hat, weil er tot ist“, so eine der Teilnehmenden. Sie hatten sich mit Klinikpfarrer Werner Gutheil aufgemacht, um der üblichen Stimmung zu entfliehen. Im Gepäck war aber auch die Hoffnung, dass es einmal anders wird. Ein kleine Wanderung, je nach Gehfähigkeit, war von Michelbach in ein Lokal unweit davon ausgemacht. Auf dem Weg gute Gespräche.
„Ach wäre er doch mit dabei,“ dachten sich viele. Es wurde viel gelacht und im Lokal angekommen, kam Stimmung auf, denn eine der Teilnehmerinnen hatte regenbogenhafte Luftschlangen“ organisiert und mitgebracht. Plötzlich wurden zwei Hawaiiblumenketten aus Seidenpapier ausgepackt – jeder wollte sich damit fotografieren lassen. Ein kräftiges Essen wurde eingenommen, denn der kurze Rückweg musste ebenfalls zu Fuß angetreten werden, da die Autos in Michelbach standen. Wieder wurde „paarweise“ gelaufen, weil intensive Gespräche besser in kleinen Zweierformationen möglich sind.
Am frühen Nachmittag hatte sich die Gruppe in der Wallfahrtskirche Kälberau angekündigt, um Gottesdienst zu feiern. „Den Wein der Freude aus den Tränen der Trauer“, wollte Pfarrer Werner Gutheil in den Gottesdienst einfließen lassen. Die Hochzeit zu Kanaan stand im Evangelium der Messe, die hier in Kälberau in der Verbundenheit zu den verstorbenen Angehörigen gefeiert wurde. Eine Kerze war mit den Namen der Angehörigen beschriftet worden und brannte am Altar und später mit den anderen Opferkerzen bei der „Mutter Gottes zum rauen Wind“.
Pater Zewer hatte auführlichst über den Wallfahrtort informiert. Der raue Wind, der dem Gnadenbild um die Nase wehte – davon konnte die Frauen ein Lied singen. Sie hatten die Rauheit der Trauer erlebt und waren deshalb an diesen Ort gekommen, um sich mit den Verstorbenen verbunden zu wissen. „Wir feiern hier, die Verstorbenen dort im Himmel“, so Pfarrer Gutheil bei der Messe, als die Tränen wieder fließen wollten.
So war plötzlich der Tag noch nicht zu Ende und die Gruppe fand sich, entgegen der ursprünglichen Planung, in einem Landgasthof in Michelbach zum Abendessen. Richtig urig, ein Lokal wie aus dem vergangenen Jahrtausend, ländlich und herzlich, rundete den Tag ab. Einen Faschingstag in dieser Art, gemeinsam auf dem Weg zu sein, miteinander Freud und Leid zu teilen, war eine runde Sache.
„Es zeigt sich, dass die Frauen, die ein Stück des Weges gegangen sind, in ihrem Alltag gefestigter sind als vor einem Jahr“, so Pfarrer Gutheil, der die Gruppe nun fast genau ein Jahr begleitet. „Es ist schön zu sehen, wie sie sich entwickelt und dass sie immer mutiger werden im Umgang mit alltäglichen Problemen.“
Eine Trauerarbeit, die ungewöhnliche Wege geht, will in Hanau immer wieder Angebote machen. So hat Pfarrer Gutheil einige der Damen eingeladen, die Kar- und Ostertage im Bildungshaus Kloster Salmünster zu verbringen. Hier bietet er – ausgerichtet auf Menschen, die intensiver die Kar- und Osterliturgie feiern wollen und teilweise in schwierigen Lebenssituationen sind, einen Kurs an, der über das Bildungshaus zu erfragen ist: Kontaktmöglichkeit und Anmeldung über Bildungshaus Kloster Salmünster. Tel. 06056- 4011.
So werden einige der Frauen der Gruppe sich an den Ostertagen zusammenfinden. Vorher gilt es, ein Stück des Weges in anderen verschiedenen Aktionen miteinander zu gehen. „Wir wollen nicht in unserer Trauer stecken bleiben, sondern wirklich Schritte ins Leben wagen,“ so das Resümee der Frauen, die mehr zu ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Katholischen Klinikseelsorge geworden sind. Informationen zum Trauerangebot können bei Pfarrer Werner Gutheil, Leimenstraße 20, 63 450 Hanau. Telefon: 06181- 999 419 oder per E-mail unter wgutheil@t-online.de (Roland Bernd)