Fulda. Lang war die Liste der Prominenten, die der Einladung zum Neujahrsempfang der Arbeiterwohlfahrt ins Bürgerhaus am Aschenberg Folge geleistet hatten und so hatte der Kreisvorsitzende Werner Krah einiges zu tun, bis er alle Gäste und Festredner begrüßt hatte. Dass dieser Empfang im Bürgerhaus Aschenberg stattfand, war kein Zufall, denn diese Einrichtung wird seit 2006 von der AWO Fulda in Zusammenarbeit mit Grümel e.V., der Diakonie und der Stadt Fulda betrieben und hat dank engagierter Mitarbeiter wie Jürgen Brehl und Adriana de Oliveira seitdem eine wahre Erfolgsgeschichte erlebt.
Schließlich finden an diesem Treffpunkt inmitten des so genannten Problemviertels wöchentlich 26 verschiedene Veranstaltungen für und mit den Bewohnern des Aschenbergs statt, die vor allem durch die Arbeit von mittlerweile 14 Ehrenamtlichen zustande kommen. Tendenz steigend.
Aber auch abgesehen vom Bürgerhaus konnte Werner Krah für das Jahr 2007 eine positive Bilanz ziehen. So konnte die AWO Fulda nicht nur einen Mitgliederzuwachs und eine steigende Zahl an ehrenamtlich Aktiven verbuchen, sondern sie kann auch eine verstärkte Jugendarbeit im Rahmen des Jugendwerks der AWO mit Erfolgsquoten von 30 – 60% bei der Wiedereingliederung von arbeitslosen Jugendlichen in die Arbeitswelt, den Ausbau der Schuldnerberatung, Bestnoten in einem Banken-Rating (BFS Rating Verfahren) und eine finanziell stabile Ausgangsbasis vermelden, von der aus man zuversichtlich ins neue Jahr starten kann.
Ein Ergebnis, das einem hervorragenden Team unter der Leitung engagierter Führungskräfte wie der Geschäftsführerin der AWO Fulda, Frau Edith Becker, zu verdanken ist. Groß sind allerdings auch die Aufgaben, die die AWO Fulda 2008 zu meistern hat: Es gilt das „Büro aktiv“ und damit die ehrenamtliche Arbeit zu stärken, neue Standorte für Seniorenheime zu erschließen, der insgesamt 10 Millionen teure Umbau des Bürgerhauses Aschenberg muss gestemmt werden, wie auch der Fuldaer Bürgermeister und zuständige Sozialdezernent Dr. Wolfgang Dippel ausführte, und – neben den zahlreichen Einzelprojekten und Veranstaltungen – sucht die AWO Fulda ein eigenes Gebäude, das sie zu günstigen Konditionen kaufen und für ihre Zwecke umbauen kann, statt wie bisher Miete zu zahlen.
Ein Projekt, das neben der alltäglichen Arbeit zu bewältigen ist und für das Werner Krah ausdrücklich um Unterstützung warb. Selbstverständlich bleibt auch die Gewinnung neuer Mitglieder und Ehrenamtlichen ein zentrales Anliegen der Arbeiterwohlfahrt, wie auch der Bezirksvorsitzende Fred Giesler betonte. Denn nur durch aktive engagierte Menschen können auch in Zukunft die alltäglichen und stetig wachsenden Aufgaben der AWO erledigen werden.
Wie effizient und fachkundig die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen der AWO das bisher schon getan haben und wie wichtig die soziale Arbeit der AWO an der Schnittstelle zwischen Politik und privatem Engagement ist, da sie Benachteiligung ausgleicht und gelebte Solidarität und Hilfe zur Selbsthilfe bedeutet, das wurde von allen Festrednern lobend hervorgehoben. „Aber Sie wissen ja, dass Dank die härteste Art ist jemanden zum Weitermachen zu verpflichten“, so Michael Brand (CDU), Bundestagsabgeordneter für die Region Fulda, der sich beeindruckt von den Erfolgen des Kreisverbandes Fulda zeigte und versprach sich die verschiedenen Projekte in Kürze auch einmal selbst anzusehen, die er bisher nur die Berichterstattung und durch die anlässlich des Neujahrsempfangs aufgebaute Ausstellung im Bürgerhaus kennengelernt habe.
Nicht nur die bestehenden Maßnahmen standen im Fokus der Grußworte. Auch und gerade die kommenden Aufgaben kamen immer wieder zu Sprache. So steht es außer Frage, dass bei einer immer älter werdenden Bevölkerung und dem gleichzeitigen Zerfall sozialer Netzwerke wie der Familie oder der Nachbarschaftshilfe, die Betreuungsfrage eine der grundlegenden Herausforderungen der Zukunft ist, die allein durch staatliche Maßnahmen und ohne Wohlfahrtsverbände nicht zu bewältigen sind. Diese allerdings müssen sich immer wieder neu auf die Gegebenheiten einstellen.
So zitierte die Kreisbeigeordnete Ulla Döppner (CDU) aus der AWO-Homepage den Satz: „Bei der Aufgabenvielfalt im Kleinen darf der Blick für die sich wandelnden Realitäten nicht verloren gehen. Die Gesellschaft wird stets das aktuelle Bild der Arbeiterwohlfahrt mitprägen.“ Und die hessische Landtagsabgeordnete Margarete Ziegler-Raschdorf (CDU) rundete dieses Bild von der AWO ab, indem sie betonte, dass man für menschliche Nähe Menschen brauche, die sich dafür engagieren.
Doch nicht in allen Dingen waren die Festredner einer Meinung. Besonders die Frage, wie man mit kriminellen Jugendlichen umgehen solle, erhitzte so kurz vor der hessischen Landtagswahl die Gemüter der Politikerinnen und Politiker der unterschiedlichen Parteien und so fand auf diesem Neujahrsempfang auch ein wenig Wahlkampf statt, bei dem Frau Ziegler-Raschdorf die Haltung und die Erfolge ihrer Regierung verteidigte und ihre Landtagskollegin von den Grünen, Margaretha Hölldobler-Heumüller konterte, dass die Arbeit sozialer Verbände wie der AWO nur schwerer würde, wenn man die Gesellschaft durch Polarisierungen so spalten würde, wie es Roland Koch derzeit in Hessen tut.
Dabei betonten beide Politikerinnen auch die Wichtigkeit von Projekten, in denen der Erziehungsgedanke im Vordergrund steht, wie das beispielsweise bei dem AWO-Projekt „Lohn und Brot“ der Fall ist, das sich gerade um solche Jugendliche bemüht, die sonst kaum mehr zu erreichen sind oder sogar bereits straffällig geworden sind. Solche Projekte zu unterstützen und die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass sie stattfinden können, das ist die Aufgabe der Politik.
Dass dafür auch Geld in die Hand genommen werden muss, daran ließ der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion Fulda, Stadtverordneter und Kandidat für die Landtagswahl, Rainer Götz, keinen Zweifel, und Beate Fischer Kreistagsabgeordnete und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen ließ den Worten Taten folgen und überreichte dem Fuldaer Vorstand eine Geldspende.
Doch es war der Ehrengast der Veranstaltung, Wilhelm Schmidt, Bundesvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt und selbst langjähriger Berufspolitiker, unter anderem als Verhandlungsführer im Vermittlungsausschuss unter Gerhard Schröder, der in seinem interessanten Vortrag alle Positionen zusammenführte und die Kontrahenten daran erinnerte, dass die Ziele, die man sich gesetzt habe, die gleichen sind, nur die Wege dahin seien unterschiedlich. Niemand könne ein ernsthaftes Interesse daran haben Kinder wegzusperren. Aber wie man die Probleme krimineller Jugendlicher lösen könne, da seien die Ansätze verschieden.
Wichtig sei, dass man die Gewaltbereitschaft dieser Kinder ebenso wie die wachsende Bedürftigkeit vieler Menschen trotz guter Konjunkturdaten als das Ergebnis von Defiziten und als Symptom verstehe, das etwas über unsere gesamte Gesellschaft aussagt, in der soziale Verantwortung nicht selten abgewälzt oder wie bei einigen Unternehmen neuerdings in Mode als „Corporate Social Program“ eine Alibifunktion übernehme. Auch die Medien dürfe man da nicht ausnehmen, denn nicht selten entscheide die Berichterstattung darüber ob und wie eine Sache unterstützt werde.
„Die AWO ist in Krisenzeiten entstanden, um sich gegenseitig zu helfen und wir sind heute, wo es uns eigentlich gut geht, wieder bei Suppenküchen und Schulspeisung“, gibt Schmidt zu bedenken. Die Arbeitsmarktpolitik bildet hier die Grundlage eines soliden Lösungsansatzes. Daher müsse eine Organisation wie die AWO auch politisch aktiv werden. „Sie muss sich einmischen, um zu garantieren, dass das Soziale in der Politik und in der Gesellschaft verankert bleibt.“
Gerechtigkeit und Solidarität, das waren, sind und bleiben die Werte, für die die AWO steht und diese Werte gilt es zum Wohle der Bedürftigen auf allen Ebenen zu verteidigen und durchzusetzen. Mit diesen Gedanken endete der offizielle Teil dieses Neujahrsempfangs auf dem Aschenberg, der – begleitet von dem musikalischen Duo „Chris & me“ – in vielen angeregten Gesprächen seine Fortsetzung fand.
Nähere Infos zur AWO gibt es in der Geschäftsstelle, in der Langebrückenstraße 14, telefonisch unter: 0661 – 480 045-0, Email: info@awo-fulda.de, Langebrückenstraße 14, oder im Internet: www.awo-fulda.de.