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Lebhaftes Interesse am Lebenswerk des Rhöner Bildhauers Richard Mühlemeier

Wechterswinkel. Auf unerwartet großes Interesse ist die Retrospektive des Rhöner Bildhauers Richard Mühlemeier im Kloster Wechterswinkel gestoßen. Nach rund drei Monaten krönte am 31. Oktober eine Finissage die vielbesuchte Ausstellung, die durch zahlreiche Veranstaltungen, Vorträge und Führungen bereichert worden war. Kulturmanagerin Dr. Astrid Scherpf nannte stolz die Zahl von 2.000 Besuchern. Ein Ergebnis, das umso beachtlicher ist, da die Schau unter dem Motto „… und dann die Idee und die Sehnsucht noch einmal etwas Ganzes zu schaffen“ nur an Samstagen und Sonntagen geöffnet war.

Ebenso gut besucht wie die anderen Veranstaltungen war die Abschlussveranstaltung mit über 40 Gästen, darunter die Familie Mühlemeier, Weggefährten und Künstler sowie Interessierte aus Schweinfurt und der Rhön. Im Mittelpunkt stand ein Vortrag von Andrea Brandl von der Kunsthalle Schweinfurt, die eingangs die vorbildliche Zusammenarbeit mit der Kulturagentur Rhön-Grabfeld hervorhob und anregte, die Vernetzung der Museen und Galerien der Stadt Schweinfurt und der Kulturagentur Rhön-Grabfeld fortzusetzen. Ausdrücklich lobte die Referentin die hochwertige Präsentation der Werke sowie das abwechslungsreiche Begleitprogramm. Sogar ein Betriebsausflug der Museen und Galerien der Stadt Schweinfurt habe zur Mühlemeier-Ausstellung ins Kloster Wechterswinkel geführt.

Im Nachlass der Kunsthalle Schweinfurt befinden sich rund 1.000 Arbeiten Mühlemeiers, so Andrea Brandl. Deshalb sei es an der Zeit, das Schaffen des Rhöner Künstlers wissenschaftlich in Form einer Magisterarbeit aufzuarbeiten. In ihrem Vortrag selbst setzte sich die Kunsthistorikerin mit der Bedeutung der Landschaft im Werk Mühlemeiers auseinander. “Richard Mühlemeiers Werk ist in seiner Formensprache singulär, dabei inhaltlich höchst anspruchsvoll und birgt in seiner philosophischen Ästhetik eine persönliche Idealitätsphilosophie, die so nachhaltig Themen wie Gesellschaft, Kunst und Leben umfasste“, führte Brandl aus. Bis auf einige wenige Ausnahmen sei der Mittelpunkt seines bildhauerischen und malerischen Schaffens die Beschäftigung mit der Landschaft gewesen. Die berühmte Streichholzschachtel, ein Hauptwerk, stehe als Symbol wie viel der Mensch eigentlich wirklich braucht.

Anhand des Schachtisches von Mühlemeier, einem Spieltisch mit einem Schachspiel eingebettet in eine Landschaft, stellte sie das Schaffen des Bildhauers im Bereich „soziale Plastik“ dar und schlug dabei den Bogen zu Mühlemeiers Lehrer Joseph Beuys. Dieser, so die Referentin, habe ihm wichtige Impulse für seine Arbeit gegeben. Aufschlussreich für die Zuhörer war auch, vom Verhältnis Mühlemeiers zu seinen Münchner Lehrern Rupprecht Geiger und Karl Fred Dahmen zu hören. Bei beiden geht es um die Auseinandersetzung mit der Landschaft, wobei vor allem Dahmen eine größere Wirkung auf seinen damaligen Meisterschüler gehabt zu haben scheint. Auch hier, so die Referentin, sollte wissenschaftlich nachgehakt werden.

Vom ersten Tag an war die Ausstellung des 1982 verstorbenen Künstlers, die in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Schweinfurt realisiert worden war, hervorragend besucht. Neben zahlreichen Interessierten aus der Region und Urlaubern, die die Ausstellung besuchten, wurden vor allem die Führungen sehr gut angenommen, ebenso die angebotenen Fachvorträge, freute sich Dr. Astrid Scherpf bei der Finissage in der abschließenden offenen Gesprächsrunde. Großes Lob ernteten die Initiatoren der Ausstellung auch für den 120-seitigen Katalog mit zahlreichen Beiträgen und umfangreichem Bildmaterial. Häufig wurde hier der Wunsch nach einem gesamten Werkverzeichnis Mühlemeiers über den Nachlass der Kunsthalle hinaus geäußert, so Astrid Scherpf. Begeistert und dankbar zeigten sich auch Maria Jelinek, die Schwester des Künstlers, sowie der Bruder, Dr. Bernhard Mühlemeier, für die „wunderbare Ausstellung“. Mit einem gemütlichen Weißwurstfrühstück setzen die Gäste der Finissage ihre Gespräche fort.

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