Fulda. Vom 4. November bis 3. Dezember können Interessierte in der Fuldaer Sparkasse am Buttermarkt in einer Sonderausstellung die bisherigen Ergebnisse des Instituts „Bibliotheca Fuldensis“ besichtigen. Prof. Dr. Gangolf Schrimpf hatte 1981 das Projekt begründet, das der Rekonstruierung der im Dreißigjährigen Krieg vernichteten bzw. verstreuten Bestände der Bibliothek der Abtei Fulda dient. Die Ausstellung präsentiert eine Auswahl mittelalterlicher Handschriften in modernen Reproduktionen, mit denen auch in der Forschung gearbeitet wird. „Großformatige Photoabzüge ermöglichen einen direkten Zugang für den Betrachter – Eigenheiten der Schrift, des Formats und der Beschädigungen werden unmittelbar erfahrbar“, wie die Kuratorin der Ausstellung, die Kunsthistorikerin Anett Matl, betont. In der Ausstellungszeit findet jeden Donnerstag um 16 Uhr eine öffentliche Führung statt.
„Die Ausstellung lädt dazu ein, sich auf die Spuren der mittelalterlichen Klosterbibliothek Fuldas, der Bibliotheca Fuldensis, zu begeben und deren Bedeutung und Verankerung in der geistigen Welt des europäischen Mittelalters nachzuspüren“, so die Kuratorin. Neben Schriften, die zur Mönchsausbildung benötigt wurden, wie Grammatik und Rhetorik von Alkuin und Cicero, Kirchenvätertexten von Hieronymus sowie Mönchsregeln unter anderem von Papst Gregor dem Großen, werden in der Ausstellung auch Werke der Fuldaer Buchmalerei wie Hrabanus Maurus’ „De laudibus sanctae crucis“ oder die „Passio Kiliani, Passio Margaretae“ und Zeugnisse der Verschriftlichung althochdeutscher Texte wie zum Beispiel das Hildebrandslied zu sehen sein.
Die Fuldaer Bibliothek, die auf den heiligen Bonifatius und seine Bücher zurückgeht, war eine der bedeutendsten nördlich der Alpen im frühen Mittelalter. Nachdem Fulda 1630 von den Schweden erobert worden war, gelangte es zwei Jahre später an die Landgrafen von Hessen-Kassel, und die gesamte Klosterbibliothek wurde vermutlich nach Kassel überführt. Die Handschriften wurden verkauft, zweitverwendet oder vernichtet. In fast dreißigjähriger Tätigkeit hat das Institut mit finanzieller Unterstützung des Förderkreises der Theologischen Fakultät das verfügbare Wissen über die Bibliothek gesammelt.
Darüber hinaus wurden, wie die Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Dr. Regina Pütz, erläutert, photographische Reproduktionen der in ganz Europa (z. B. Basel, Kassel, Marburg, Vatikan, Kopenhagen, London oder Paris) verstreuten, 70 erhaltenen Codices und 140 Handschriftenfragmente an einem zentralen Ort gesammelt und für die internationale Forschung bereitgestellt. Doch auch das Interesse von Laien an dem Forschungsprojekt sei groß, wie sich etwa beim „Tag der Archive“ gezeigt habe.
Der kleine Teil der Bibliothek, der sich bis heute erhalten hat, konnte auf verschiedenste Weise der Zerstörung entgehen: als nicht zurückgekehrte Leihgaben an anderen Orten, durch Verkauf oder zweckentfremdet als Akteneinband. Durch solche Fragmente wird die Geschichte der Klosterbibliothek von ihrer Gründung durch die angelsächsischen Missionare, über die Blüte unter der Regentschaft des Abtes Hrabanus Maurus, während der das Kloster Fulda eines der führenden Bildungszentren im Reich der Karolinger wurde, bis hin zur Nutzung der Bibliothek durch die Humanisten in der frühen Neuzeit dokumentiert.
Das Institut „Bibliotheca Fuldensis“ wird von einem Förderverein, privaten Spendern und der Diözese Fulda getragen. Seine Leitung hat Prof. Dr. Marc-Aeilko Aris, Lehrstuhlinhaber für Lateinische Philologie des Mittelalters an der Ludwig-Maximilians-Universtität in München, ein Schüler von Prof. Schrimpf. Wissenschaftliche Mitarbeiterin ist Dr. Pütz. An historischer und philologischer Arbeit Interessierte könnten jederzeit zum Projekt hinzustoßen, wie der Rektor der Theologischen Fakultät Fulda, Monsignore Prof. Dr. Christoph Gregor Müller, hervorhebt. (bpf)

