Bachrain. „Gute Arbeit unter ungerechten Verhältnissen?“ titelte die Jahresauftaktveranstaltung IMPULS 2008 der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Diözesanverband Fulda. Als Gastredner setzte sich der bekannte Sozialethiker Pater Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach, Frankfurt mit der menschlichen Arbeit aus christlicher Sicht heraus auseinander.
Fotos(2): Beate Benzing
„Arbeit ist eine fundamentale Dimension der Existenz des Menschen auf Erden“ diese von Papst Johannes Paul II. getroffene Aussage war einer der Ausgangspunkte der Ausführungen von Hengsbach. Für Christen bedeute dies, dass Arbeit nicht von der Person losgelöst betrachtet werden könne. In der derzeit vorherrschenden Marktwirtschaft, deren liberal-kapitalistisches Streben nur noch minimal von sozialen Regelungen kaschiert würde, sei Arbeit zur reinen Ware und damit der Lohn zum Kostenfaktor geworden.
Insofern sei es nicht verwunderlich, dass über 80 % der abhängig Beschäftigten ihre Arbeit nicht als gute Arbeit bezeichnen könnten. Diese Negativstimmung begründe sich nicht nur auf der Tatsache, dass jeder 6. Vollzeitarbeitende weniger als 1.500 € Brutto verdiene, jeder 3. Teilzeitarbeitende unter 400 € erhalte sondern auch auf die zunehmende Zahl der befristeten Arbeitsverhältnisse und damit des Unsicherheitsfaktors wie lange man überhaupt Arbeit habe. Auch die gestiegenen einseitigen und komplexen Anforderungen, die häufig eine extreme Dauerkonzentration von Arbeitnehmern fordere wie die oft als selbstverständlich geforderte absolute zeitliche und räumliche Flexibilität von Arbeitnehmern verstärken den negativen Eindruck.
Über den Verdienst aus der abhängigen Beschäftigung definiert sich auch heute noch der gesellschaftliche Standpunkt und ergibt sich auch heute noch die Möglichkeit der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Niedrigstlöhnen, die verfestigte Massenarbeitslosigkeit der letzten Jahrzehnte, das steigende Armutsrisiko und die damit verbundene Angst wie auch die minimierte soziale Sicherung dränge immer mehr Menschen an den gesellschaftlichen Rand, Menschen, die außer ihrer Arbeitskraft im kapitalistischen Wirtschaftsgeschehen nichts anzubieten hätten.
Eine Minderheit von Kapitaleignern stehe die Mehrheit der abhängig Beschäftigten gegenüber. Von einer freien Wahl des Arbeitsplatzes könne in der derzeitigen Situation keine Rede sein, geschweige denn, dass ein Arbeitssuchender das Recht beanspruchen könne, einen angebotenen Arbeitsplatz auch abzulehnen. Bei den Deregulierungen zuungunsten der Arbeitnehmer müssten sich Politiker durchaus der Komplizenschaft eines heute herrschenden Finanzkapitalismus bezichtigen lassen. Auch viele Privatisierungen seitens der öffentlichen Hand, wirkten sich belastend für Arbeitnehmer aus. Viele zusätzliche Lasten müssen von der Allgemeinheit und damit zunehmend und überwiegend von Arbeitnehmern getragen werden.
„Die KAB hat ein Modell, dass Arbeitnehmern mehr Sicherheit für die Zukunft bietet“ lies sich Hengsbach über das KAB Modell einer Tätigkeitsgesellschaft mit der „Triade der Arbeit“, in der Familien- und der Gemeinwohlarbeit der Erwerbsarbeit gleichgestellt würde, positiv und zuversichtlich aus. Es dürfe jedoch nicht vergessen werden, dass bis zu einer möglichen Umsetzung dieses Modells ein konsequentes Umdenken erforderlich sei und für eine Übergangszeit eine Verbesserung der Situation vor Arbeitnehmer und ihrer Familien unerlässlich sei.
„Wir müssen dafür kämpfen, dass die Erwerbstätigen von der Entlohnung Ihrer geleisteten Arbeit am gesellschaftlichen Leben teilhaben können und nicht nur ein Existenz sicherndes Minimum erhalten“. Gleichzeitig forderte er die Umsetzung der Gleichberechtigung wie die Beteiligung am Produktivkapital und mehr Mitbestimmung. Die Politik müsse zudem dringlichst ein Augenmerk auf die Regulierung der Finanzmärkte zugunsten der Schwächeren weltweit werfen.
Schon in dem einleitenden Festgottesdienst, den KAB Diözesanpräses Pfarrer Christian Sack (li.)Â zusammen mit seinem Stellvertreter Pfarrer Martin Lerg (re.)zelebrierte, betonte Lerg in seiner Predigt den verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung und den Resourcen. „Die Erde gehört Gott und wurde uns zur Bewirtschaftung überlassen. Damit sind wir in der Pflicht mit diesem Leihgut sorgsam umzugehen um sie unseren Nachkommen unbeschadet zu hinterlassen“ spielte er auf die immer noch zunehmende Zerstörung der Umwelt an.
KAB Diözesanvorsitzender Klaus Schmitt, Freigericht-Neuses konnte zu der diesjährigen Jahresauftaktveranstaltung des katholischen Sozialverbandes unter anderem den Fuldaer Oberbürgermeister und KAB Mitglied Gerhard Möller, den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft katholischer Verbände, Bruno Block und Bischofsvikar Professor Dr. Gerhard Stanke begrüßen.
In ihren Grußworten betonten Möller wie auch Block, dass die von der KAB gewählten Themen und Referenten schon traditionsgemäß Sachverhalte aufgriffen, die nicht nur innerhalb des Verbandes sondern in der gesamten Gesellschaft von großer Relevanz seien. Beide wünschten dem Verband viel Mut und Durchhaltevermögen, die gesteckten Ziele zu verfolgen.
Zum Schluss der Veranstaltung bedankte sich der Diözesanvorsitzende der KAB bei KAB Diözesansekretär Michael Schmitt, Fulda, für sein nunmehr 20-jähriges hauptamtliches Engagement in dem Verband mit einem Präsent.