Fulda. In der Hektik des Alltagsgeschehens scheint die Zeit wie im Flug zu vergehen. Wieder neigt sich ein Jahr seinem Ende zu. Es brachte für jeden in unterschiedlichem Ausmaß Höhen und Tiefen. Wenn Stress und Geschäftigkeit der Wochen vor Weihnachten hinter uns liegen, sollten wir die stillen Tage zwischen den Jahren nutzen, um inne zu halten und persönliche Bilanz zu ziehen. Vielleicht werden wir dann zur Erkenntnis gelangen, dass es wesentlichere Dinge im Leben als das Streben nach Konsum und Kommerz gibt.
Gerade das Weihnachtsfest hat in der heutigen Wohlstandsgesellschaft viel von seiner ursprünglichen Bedeutung verloren. Dies soll keine Absage an Geschenke und Lichterglanz darstellen. Diese Bestandteile gehören untrennbar zur Feier im Familienkreis. Sie dürfen jedoch nicht zum Selbstzweck werden, sondern weisen auf einen tiefer liegenden Sinn hin. Denn für uns Christen ist Weihnachten ein Fest der Liebe. Gott schenkt sich in seinem Sohn den Menschen und lässt sie dadurch am Heilsgeschehen teilhaben.
Mit bedauerndem Unterton müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass dieses Fest in dem Maß seinen Zauber verliert, wie aus kleinen Kindern große Leute werden. Der naive Wunderglauben und die Fähigkeit zum Stauen über Dinge, die uns Erwachsenen selbstverständlich erscheinen und mit den Mitteln des Verstandes nur unzureichend fassbar sind, gehen allzu schnell verloren. Das Leben hinterlässt schon bald seine Spuren. Fast zwangsläufig stellt sich die wehmütige Frage, wo die kindliche Freude geblieben ist.
Eine Möglichkeit, das Fest mit neuem Inhalt zu füllen, ist der Versuch, diejenigen mit einzubeziehen, die auf der Schattenseite stehen. Nicht selten beginnt menschliche Not schon in der unmittelbaren Nachbarschaft. Auch für die Bereitschaft zum Frieden und zur Versöhnung gibt es genügend Betätigungsfelder bis in den eigenen Verwandten- und Bekanntenkreis hinein. Dann besteht auch die begründete Hoffnung, dass etwas von der Begeisterung vergangener Tage abfärbt, und wir uns nicht nur am äußeren Schein erfreuen.
Auch wenn die überwiegende Mehrzahl der Menschen im Landkreis Fulda mit Optimismus und Zuversicht in die Zukunft schauen kann, haben wir eine Verpflichtung denjenigen gegenüber, deren Lebensweg weniger positiv verlaufen ist. Die menschliche Wärme und der soziale Zusammenhalt machen den Charme der Region aus. Etwas von der optimistischen Grundstimmung, die das allgemeine Lebensgefühl prägt, muss überspringen. Erst dann wird daraus eine wahre Erfolgsgeschichte, die nicht an der Oberfläche bleibt.
Der Landkreis Fulda befindet sich auf gutem Weg. Die Weichen sind in die richtige Richtung gestellt. Auch wenn wir wissen, dass Geld nicht alles ist, erfüllt uns die Kehrtwende bei den Kreisfinanzen mit besonderem Stolz, nachdem es im kommenden Haushaltsjahr gelingen dürfte, sämtliche Fehlbeträge aus den Vorjahren abzubauen. Dies eröffnet finanzielle Spielräume für neue Aufgaben und zusätzliche Anstrengungen in den Bereichen Bildung, Infrastruktur und Arbeitsmarkt als den entscheidenden Zukunftsfaktoren.
Die Region hat sich zu einem beliebten Wohn- und Arbeitsstandort mit hoher Lebensqualität entwickelt. Vor dem Hintergrund der Herausforderungen des demografischen Wandels sollten wir uns jedoch nicht mit dem Erreichten zufrieden geben. Um den Landkreis Fulda zum Wohle der Menschen weiter voranzubringen, seine Potentiale voll auszuschöpfen und im Wettstreit der Regionen die Nase vorne zu behalten, müssen Attraktivität und Angebote im gemeinschaftlichen Zusammenwirken ständig weiter verbessert werden.
Hierfür möchte ich alle Kreisbewohner um ihre Unterstützung bitten. Jeder verfügt über spezifische Fähigkeiten und Begabungen, die er einbringen kann. Im Gegensatz zu anderen ländlichen Regionen, aus denen die Menschen wegziehen, ist der Landkreis Fulda gut aufgestellt. Gemeinsames Ziel muss es sein, unsere Städte und Gemeinden als lebens- und liebenswerte Heimat weiter zu entwickeln. Die Perspektiven sind günstig, wenn wir am Bewährten festhalten und uns gleichzeitig offen für notwendigen Veränderungen zeigen.
Mit den besten Wünschen für ein besinnliches Weihnachtsfest und ein glückliches Jahr 2008
Woide
Landrat