Hosenfeld-Schletzenhausen. Von geringen Schwankungen abgesehen ist der Haupterntemonat beim Holunder der September, zumindest gilt dies in unserer Mittelgebirgsregion. Wenn die schwarzen Früchte voll ausgereift sind, herrscht Hochbetrieb in den Mitgliedsbetrieben der Beerenobstgemeinschaft Rhön-Vogelsberg. Denn die Dolden mit den Holunderbeeren werden in Handarbeit von den Sträuchern geschnitten. In diesem Jahr erwartet man einen durchschnittlichen Ertrag. Der Blütenansatz im Frühjahr war gut, dann machte den Beeren die Trockenheit im Sommer zu schaffen.
Mittlerweile ist die Holunderanbaufläche der acht Betriebe, die sich 1989 zur Beerenobstgemeinschaft Rhön-Vogelsberg zusammengeschlossen haben, auf knapp 50 Hektar angewachsen. Auch werden auf rund 30 Hektar Schwarze Johannisbeeren und im geringen Umfang Quitten angebaut. Während der Anbau und die Verarbeitung von Holunder komplett biologisch ablaufen, werden auf den Feldern sowohl biologisch als auch konventionell angebaute Johannisbeeren geerntet. Die Mitgliedsbetriebe verkaufen das Erntegut an die Beerenobstgemeinschaft, kaufen es nach der Verwertung zum Einstandspreis zurück und vermarkten die daraus gewonnenen Erzeugnisse gemeinsam. Daneben bestehen Lieferverträge mit weiteren Betrieben. Die Veredlung der Früchte zu Säften, Sirup, Weinen und Likören erfolgt in der Kelterei Elm in Flieden und in der Schlitzer Kornbrennerei.
Am Beginn stand der Preisverfall auf dem EU-Agrarmarkt. Man suchte nach Alternativen, fand diese im Beerenobstanbau und ging dabei ein nicht unerhebliches unternehmerisches Risiko ein, das sich inzwischen ausgezahlt hat. Holunder und Schwarze Johannisbeeren liegen aufgrund ihres gesundheitlichen Werts im Trend. Auch achten Verbraucher gezielt auf die regionale Herkunft. Besonders beliebt sind Holunderblütensirup, Johannisbeer- und Holunder-Muttersaft sowie, vor allem in der kälteren Jahreszeit, Johannisfeuer. Manchmal kommen bei der Beerenobstgemeinschaft, die ein gelungenes Beispiel für erfolgreiche Direktvermarktung im Haupt- und Nebenerwerb darstellt, auch glückliche Umstände hinzu, so als Marianne und Manfred Münker aus Schletzenhausen bei einem Urlaubsaufenthalt an der slowenischen Grenze Holunderblütensaft wiederentdeckten.
Heute führt die Beerenobstgemeinschaft 27 verschiedene Produkte in ihrem Sortiment, davon dreizehn Bioerzeugnisse, und hat eine ganze Reihe von neuen Getränkesorten und Geschmacksrichtungen kreiert. Sie beliefert 160 Verkaufsstellen in Hessen und in den angrenzenden Bundesländern, wobei es sich zumeist um Bauern- oder Hofläden handelt. Zudem ist sie seit 2005 als Landmarkt-Betrieb zertifiziert, was die regionale Herkunft garantiert und den Zugang zu großen Lebensmittelketten erleichtert. Auch in Zukunft hofft Geschäftsführerin Marianne Münker, vom gestiegenen Gesundheits- und Qualitätsbewusstsein sowie der Nachfrage nach regionalen Produkten profitieren zu können. Gerne würde man weitere standortgeeignete Früchte wie Stachelbeeren ausprobieren, bislang scheitert dies aber an der schwierigen Ernte. Und die ist schon beim Holunder mühselig.