Fulda, Hanau, Marburg, Kassel. Die Vollversammlung des Katholikenrates tagte am vergangenen Wochenende im Fuldaer Bonifatiushaus. Neben den Berichten aus der Ratsarbeit war ein besonders wichtiger Schwerpunkt die Bedeutung des Ehrenamtes für die Zukunft der Fuldaer Kirche. Zahlreiche Erklärungen wurden verabschiedet. Der Freitagabend war der parlamentarischen Arbeit des Laiengremiums gewidmet. Neben den Berichten des Vorsitzenden und der Projektgruppenleiter beriet der Katholikenrat mehrere Erklärungen. U. a. wurde zu pastoralen Fragestellungen ein »Brief der Hoffnung« an Diözesanbischof Heinz Josef Algermissen verabschiedet. In einer Resolution zur gesellschaftlichen Entwicklung fordert der Katholikenrat die gerechte Entlohnung von Arbeit, eine armutsfeste Grundsicherung und die Weiterentwicklung des Bildungs- und Schulsystems. Dabei werden Christen aller Konfessionen aufgerufen, sich durch persönliches Engagement für die Gestaltung einer solidarischen Gesellschaft einzusetzen.
Der Katholikenrat gab weitere Erklärungen ab. Er begrüßt und unterstützt das Anliegen der Hessischen Landesregierung, einen islamischen Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach an hessischen Schulen für muslimische Schülerinnen und Schüler einzuführen. Außerdem bewertet er den im Mai dieses Jahres veranstalteten Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) als außerordentlich wichtig für die Annäherung der christlichen Kirchen und schlägt für den nächsten ÖKT das Lutherjahr 2017 vor.
Nach der gemeinsamen Eucharistiefeier am Samstagmorgen mit dem Generalvikar Prof. Gerhard Stanke sprach Prof. Dr. Paul Michael Zulehner zum Thema »Ehrenamt und die Zukunft der Kirche«. Der Wiener Pastoraltheologe unterstrich, dass die Kirche sich in einem fundamentalen Transformationsprozess befinde. Die Konstantinische Ära gehe zu Ende. Während es bisher eine Frage persönlichen Schicksals war, in eine christliche Konfession hineingeboren zu werden, werde dies heute immer mehr Ausdruck einer bewusst getroffenen Wahl. Die christlichen Kirchen würden in Europa immer mehr zu Minderheitskirchen. Deshalb sei es für jeden einzelnen wichtig, zu wissen warum man in der Kirche bleibe.
Weiterhin wies der Professor darauf hin, dass Kirche immer auch einen missionarischen Auftrag habe. „Wenn wir als Kirche ein Instrument in der Hand Christi sind, sind wir es für alle, nicht nur für die eingetragenen Kirchensteuerzahler“, so Prof. Dr. Zulehner. Die kirchlichen Umstrukturierungsprozesse in den deutschen Diözesen hätten vielerorts die Distanz der Gläubigen zur Kirche verstärkt.
Jedoch gelte nach wie vor, dass Kirche in Ruf- und Reichweite – quasi zu Fuß erreichbar – sein müsse. Jede pastorale Reform müsse deshalb abwägen, welche Angebote vor Ort zu belassen und welche Dienste im größeren Raum verfügbar sein sollten. Der Wiener Professor ermutigte die Zuhörer darauf zu vertrauen, dass die Kirche nicht untergehe sondern sich nur die Gestalt der Kirche ändere. Es komme jetzt darauf an, Visionen von Kirche zu entwickeln und klare Ziele für die Zusammenarbeit vor Ort zu benennen. Bischof Heinz Josef Algermissen und Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke sowie weitere Gäste diskutierten im Anschluss mit den Katholikenratsmitgliedern die Erträge des Referates.
„Professor Zulehner hat in seinem Vortrag die Lage der Kirche klar und offen dargestellt, er hat praktikable Vorschläge für die großen Herausforderungen der Kirche gemacht und dazu Visionen für die Priesterberufung und die Rolle der Laien aufgezeigt. Diese Vorschläge erfordern jetzt nur ein wenig Mut von den verantwortlichen Bischöfen – den Vorschlag von Bischof Algermissen ein Konzil einzuberufen, kann ich deshalb nur bekräftigen“, so Richard Pfeifer. Die Stellungnahmen und Resolutionen des Katholikenrates sind auf der Webseite des Bistums Fulda abrufbar oder per Mail erhältlich unter Katholikenrat@bistum-fulda.de (mz)