Written by 0:53 Alle Nachrichten, Bildergalerien, Kino & Video, Kirche

Bischof Algermissen weihte saniertes Marienheim ein

Schönes aus Fulda. „Immer noch tun wir uns schwer, vom Alter oder Altsein ehrlich zu sprechen; statt dessen haben wir verdrängende Worte wie ‚Senioren’, ‚Pensionäre’ oder ‚reifere Jahrgänge’ in unserem Sprachgebrauch, als sei das Alter eines Menschen etwas Peinliches.“ Dies gab Bischof Heinz Josef Algermissen gestern bei einer Eucharistiefeier mit Altarweihe in der Kapelle des sanierten Marienheims in Fulda zu bedenken.

Fotos (86) und Video: Max Colin Heydenreich

Video ansehen mit: Windows Media Player oder Real Media Player

071206_Marienheim_48.jpg 071206_Marienheim_86.jpg 071206_Marienheim_21.jpg

071206_Marienheim_35.jpg 071206_Marienheim_37.jpg 071206_Marienheim_32.jpg

In seiner Ansprache aus Anlaß der Einweihung des von den Vinzentinerinnen betriebenen Altenpflegeheims betonte der Bischof, daß heutzutage ein ganzer Teil der menschlichen Existenz ausgeblendet werde. „Der Mensch ist der erste und grundlegende Weg der Kirche“, habe Papst Johannes Paul II. 1979 in seiner programmatischen Enzyklika „Redemptor Hominis“ betont. Somit sei auch der alte Mensch „Weg der Kirche“.

071206_Marienheim_17.jpg 071206_Marienheim_19.jpg 071206_Marienheim_20.jpg

071206_Marienheim_01.jpg 071206_Marienheim_02.jpg 071206_Marienheim_03.jpg

071206_Marienheim_73.jpg 071206_Marienheim_74.jpg 071206_Marienheim_75.jpg

Denn gerade er könne die Jüngeren doch mit all seiner Weisheit, Reife und Liebe belehren und beschenken, so der Bischof. „In einer von jugendlicher Vitalität und Leistung bestimmten Zeit offenbaren alte Menschen, daß die oberflächlichen Ideale einer Spaßgesellschaft bestenfalls ein ganz kleines Segment der ganzen Wirklichkeit sind.“

071206_Marienheim_07.jpg 071206_Marienheim_08.jpg 071206_Marienheim_09.jpg

071206_Marienheim_58.jpg 071206_Marienheim_61.jpg 071206_Marienheim_62.jpg

071206_Marienheim_10.jpg 071206_Marienheim_11.jpg 071206_Marienheim_12.jpg

Zu Beginn seiner Predigt stellte der Oberhirte heraus, daß mit dem Wohnhaus für alte Menschen die Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul in Fulda auf eine gesellschaftliche Herausforderung antworteten, die sich in den kommenden Jahren noch zuspitzen werde. „Wir stehen vor gewaltigen demographischen Veränderungen in der deutschen Gesellschaft, die zwar wahrgenommen, aber nicht wirklich ernst genommen werden.“

071206_Marienheim_67.jpg 071206_Marienheim_69.jpg 071206_Marienheim_68.jpg

071206_Marienheim_04.jpg 071206_Marienheim_05.jpg 071206_Marienheim_06.jpg

Ein Blick auf faktische Zahlen könne das verdeutlichen: Im Jahre 2050 werde die Bevölkerung in Deutschland von heute 82 Millionen Menschen auf etwa 66 Millionen gesunken sein. Die Zahl der Jugendlichen nehme im gleichen Zeitraum von 17,7 Millionen auf unter neun Millionen ab. Demgegenüber verdreifache sich die Zahl der Über-80-Jährigen. Auf diesem Hintergrund müsse man sich fragen, wie mit den vielen Älteren in unserer Gesellschaft umgegangen werde und welcher Stellenwert dann die biblisch geforderte Ehrung der Älteren und der Eltern haben werde.

071206_Marienheim_14.jpg 071206_Marienheim_15.jpg 071206_Marienheim_16.jpg 

071206_Marienheim_22.jpg 071206_Marienheim_23.jpg 071206_Marienheim_44.jpg

Das Evangelium von der Fußwaschung mache deutlich, daß Jesus den Christen in seinem Abschiedsmahl und in der Fußwaschung am Vorabend seines Leidens ein großes Testament mit grundsätzlichen Konsequenzen hinterlassen habe, was das Verhältnis von Liturgie und Caritas-Diakonie angehe, fuhr Algermissen fort. „Beide sind miteinander verwoben, bedingen einander, sind wie die beiden Brennpunkte einer Ellipse.“

071206_Marienheim_26.jpg 071206_Marienheim_27.jpg 071206_Marienheim_24.jpg

071206_Marienheim_28.jpg 071206_Marienheim_29.jpg 071206_Marienheim_30.jpg

071206_Marienheim_82.jpg 071206_Marienheim_83.jpg 071206_Marienheim_84.jpg

Liturgie als „Quelle und Gipfel“ allen Tuns der Kirche müsse notwendig übergehen in die „Haltung des gebeugten Rückens“, in die Anteilnahme am Leben der Menschen. Liturgie ohne konsequente Caritas-Diakonie bliebe ein äußeres Spiel, erinnerte der Bischof. Caritas aber ohne Rückbindung an Gottesdienst und Jesusnachfolge würde schnell zum leeren Management.

071206_Marienheim_31.jpg 071206_Marienheim_33.jpg 071206_Marienheim_18.jpg

071206_Marienheim_34.jpg 071206_Marienheim_36.jpg 071206_Marienheim_38.jpg

„Es ist sicher kein Zufall, daß sich auch dieses erneuerte und erweiterte Marienheim in Trägerschaft der katholischen Kirche, näherhin der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul, befindet“, hob Algermissen hervor. Denn caritatives Engagement gehöre neben der Verkündigung und Feier der hl. Liturgie zum Wesen der Kirche und sei niemals bloß schmückendes Beiwerk. „Solches Engagement entstammt dem Grundauftrag Jesu Christi, denen zu dienen und beizustehen, die ohne unsere Hilfe allein und schutzlos wären.“

071206_Marienheim_39.jpg 071206_Marienheim_40.jpg 071206_Marienheim_41.jpg

071206_Marienheim_42.jpg 071206_Marienheim_43.jpg 071206_Marienheim_45.jpg

So habe auch Bundespräsident Horst Köhler im August 2005 bei seiner Begrüßung des Hl. Vaters Benedikt XVI. auf dem Flughafen Köln-Bonn im Rahmen des Weltjugendtages gesagt, die caritative und diakonische Arbeit der Kirche sei „weit mehr als ein gesellschaftliches Reparaturunternehmen“. Sie geschehe aus der Überzeugung, daß „der Mensch nicht nur vom Brot allein“ lebe, sondern „die Kirchen sich von einem bestimmten Menschenbild leiten“ ließen.

071206_Marienheim_46.jpg 071206_Marienheim_47.jpg 071206_Marienheim_85.jpg 

071206_Marienheim_49.jpg 071206_Marienheim_50.jpg 071206_Marienheim_51.jpg

Dieses Menschenbild sei auf ganz eindrückliche Weise in der berühmten Gerichtsrede des Evangelisten Matthäus überliefert, die als letzte ausführliche Unterweisung Jesu an seine Jünger vor der Passionsgeschichte plaziert worden sei, um ihre entscheidende Bedeutung hervorzuheben. Dort heiße es: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“. Sinngemäß bedeute dies: „Was ihr ihnen nicht getan habt, was ihr ihnen an Zuwendung und Hilfe verweigert habt, das habt ihr auch mir verweigert.“

071206_Marienheim_52.jpg 071206_Marienheim_53.jpg 071206_Marienheim_54.jpg

071206_Marienheim_55.jpg 071206_Marienheim_56.jpg 071206_Marienheim_57.jpg

Christus selbst identifiziere sich mit den Kranken, den Hungrigen, den Schwachen und mit allen notleidenden Menschen. „In deren Augen schaut Gott uns selber an, leidet solidarisch den Schmerz der Welt mit“, machte der Bischof deutlich. „In all den Armen in einem umfassenden Sinn, auch eben in den alten und pflegebedürftigen Menschen, können wir Gott selbst begegnen!“ Das sei die Dimension allen caritativen Tuns in der Kirche, hier liege der Quellgrund kirchlicher Diakonie.

071206_Marienheim_59.jpg 071206_Marienheim_60.jpg 071206_Marienheim_63.jpg

071206_Marienheim_79.jpg 071206_Marienheim_80.jpg 071206_Marienheim_81.jpg

Bischof Algermissen zeigte sich überzeugt, daß die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Marienheims aus diesem Geist heraus ihre Arbeit und ihr Zusammenleben mit den alten Menschen in diesem Haus gestalteten. Er hoffe zutiefst, daß den alten Menschen das neugestaltete und erweiterte Heim zu einer echten und tiefen Heimat werde. Sodann brachte der Oberhirte allen Schwestern der Kongregation vom Hl. Vinzenz von Paul, besonders Schwester Generaloberin Brunhilde Wehner, seinen tiefen Dank für all das zum Ausdruck, was sie in langen Jahrzehnten für die fuldische Kirche geleistet hätten. Der dankte auch den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern im Marienheim.

071206_Marienheim_64.jpg 071206_Marienheim_65.jpg 071206_Marienheim_66.jpg

071206_Marienheim_70.jpg 071206_Marienheim_71.jpg 071206_Marienheim_72.jpg

Schließlich betonte der Bischof, der Horizont dieses Dienstes dürfe nicht verloren gehen. „Wo von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern etwa nur optimale Dienstleistungen erwartet werden, leidet die innere Kraft eben dieser Leistungen.“ Es müsse unbedingt im Miteinander eines lebendigen Glaubens nachwachsen können, was in der caritativen Versorgung, im Einsatz für Menschen abgegeben werde. Mit den Worten des hl. Vinzenz von Paul heiße dies: „Heilt die Wunden der Welt, nicht durch große Programme, sondern dadurch, daß ihr Christus darstellt.“

071206_Marienheim_76.jpg 071206_Marienheim_77.jpg 071206_Marienheim_78.jpg

071206_Marienheim_25.jpg 071206_Marienheim_13.jpg 

x_sponsor.gif[local /wp-content/uploads/2007/12/071206_Marienheim.wmv]

Visited 1 times, 1 visit(s) today
Close