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Außerbetriebliche Ausbildung bietet schwervermittelbaren Jugendlichen Chance auf Berufsabschluss

Fulda. Nicht alle Jugendlichen finden auf dem allgemeinen Ausbildungsmarkt einen Ausbildungsplatz. Probleme, die dies verhindern, können im schulischen, familiären oder sozialen Bereich liegen. Beispiele sind ein fehlender oder schwacher Schulabschluss, die mangelnde Unterstützung durch das soziale Umfeld, eigene Kinder, die betreut werden müssen, oder auch psychische Auffälligkeiten. Für solche Jugendlichen bietet die Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE) die Möglichkeit, einen beruflichen Abschluss zu erwerben, wodurch wiederum die Chancen auf dem Arbeitsmarkt steigen.

Die außerbetriebliche Berufsausbildung ist kein neues Förderinstrument und wird sowohl von der Arbeitsagentur als auch dem Amt für Arbeit und Soziales des Landkreises Fulda angeboten. Beim Amt für Arbeit und Soziales ist Anke Wehner als Koordinatorin für das Programm zuständig. Ihr stehen Daniel Stickel und Tatjana Lotz als Maßnahmebetreuer zur Seite. Die Durchführung erfolgt entweder in integrativer Form, so zum Beispiel bei Grümel und beim Educationcenter BBZ, oder als kooperative Ausbildung. Dabei arbeitet der Landkreis mit dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft und dem Bildungszentrum des Hessischen Handels zusammen, die sich für den fachpraktischen Teil Kooperationsbetriebe suchen.

Die Ausbildungsberufe und deren Inhalte sind bei der außerbetrieblichen die gleichen wie bei der betrieblichen Ausbildung. So kann man bei Grümel unter anderem Tischler, Gärtner, Koch, Hauswirtschafterin und Elektriker lernen. Die Träger der kooperativen Ausbildung bieten gemeinsam mit Partnern wie Tegut, Rewe oder Obi außerbetriebliche Ausbildungen im Einzelhandel, im Kfz- und Metallhandwerk, in der Lager-Logistik sowie im medizinischen Bereich an. Der entscheidende Unterschied zur betrieblichen Ausbildung besteht darin, dass die Teilnehmer an außerbetrieblichen Ausbildungslehrgängen neben dem regulären Besuch der Berufsschule Stützunterricht und eine sozialpädagogische Begleitung erhalten.

Mit Hilfe der sozialpädagogischen Begleitung sollen die Probleme der Jugendlichen aufgearbeitet werden, wie beispielsweise Überschuldung oder Schwierigkeiten bei der Alltagsbewältigung. Die Maßnahme dauert in der Regel drei Jahren. Vom Amt für Arbeit und Soziales wird jährlich ein neuer Ausbildungslehrgang für Jugendliche eingerichtet, die Arbeitslosengeld II beziehen. Bei der außerbetrieblichen Berufsausbildung handelt es sich um eine personalintensive Hilfeform. Im Verlauf von drei Jahren fallen pro Person durchschnittlich Kosten von 35.000 Euro an, die aus Bundesmitteln finanziert werden. Darin sind Ausbildungsvergütung, Sozialversicherungsbeiträge und Regiekosten des Maßnahmeträgers enthalten.

Das Programm wird gut von den Jugendlichen angenommen, da es oftmals die letzte Möglichkeit darstellt, doch noch zu einem beruflichen Abschluss zu kommen. Nachdem die Fallmanager geeignete Kandidaten vorschlagen haben, entscheidet das Team um Anke Wehner gemeinsam mit den Bildungsträgern über eine Teilnahme, wobei sehr stark auf Auswahlkriterien wie Motivation und Durchhaltevermögen Wert gelegt wird. Wenn es Schwierigkeiten während der Ausbildung gibt, können diese die üblichen arbeitsrechtlichen Konsequenzen zur Folge haben. Bevor es jedoch zu Abmahnungen oder der vorzeitigen Beendigung eines Ausbildungsverhältnisses kommt, schaltet sich das Amt für Arbeit und Soziales ein.

„So schnell geben wir niemanden auf. Wir versuchen aktiv auf die Jugendlichen zuzugehen und unsere Hilfe anzubieten“, erklären Anke Wehner und Daniel Stickel übereinstimmend. Oft manchen sie dabei die Beobachtung, dass sich die Auszubildenden im Verlauf von drei Jahren in ihrer Persönlichkeit weiterentwickeln und erkennen, worum es für sie geht. So haben im vergangenen Jahr von ursprünglich 26 Teilnehmern 19 einen Berufsabschluss erreicht, was nach Einschätzung der Verantwortlichen angesichts der schwierigen individuellen Ausgangslagen einer guten Erfolgsquote entspricht.

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