Fulda. Mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Blasenschwäche und Inkontinenz. Trotz eines enormen Leidensdrucks scheuen viele von ihnen den Weg zum Arzt – zum Teil auch aus Schamgefühl. Doch Inkontinenz ist kein Schicksal, mit dem man sich abfinden muss. „Bei 83 Prozent aller Betroffenen ist eine Heilung, bei 14 Prozent eine deutliche Besserung durch eine adäquate Therapie möglich“, erklärte Dr. Alexander Dengler, Chefarzt der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe am Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda, bei einer Vortragsveranstaltung im Rahmen der diesjährigen World Continence Week. Dr. Dengler, der sich auf die operative Gynäkologie mit besonderer Ausrichtung auf Senkungs- und Harninkontinenzleiden spezialisiert hat, informierte über die unterschiedlichen Formen der Inkontinenz, deren Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.
Die Spezialisten unterscheiden zwischen der Belastungs-, Drang-, Reflex- und Mischinkontinenz. Es gibt mehrere Gründe, warum es zu einer Inkontinenz kommt. Am häufigsten, so Dr. Dengler, sei eine Beckenbodenschwäche beispielsweise nach mehreren Geburten oder Operationen. Eine Bindegewebsschwäche könne Ursache einer Absenkung der Organe im weiblichen Becken und somit ebenfalls Auslöser der Inkontinenz sein. Zudem könnten auch Östrogenmangel, Übergewicht, falsche Belastung und eine Vielzahl von Erkrankungen zu einem unkontrollierten Urinverlust führen.
„Nur durch ein ausführliches persönliches Gespräch sowie eine differenzierte Diagnostik können wir erkennen, welche Form der Inkontinenz vorliegt und diese adäquat behandeln“, betonte der Chefarzt, der als Berater der Deutschen Kontinenz Gesellschaft und als Operateur durch die Arbeitsgemeinschaft Urogynäkologie und Plastische Beckenbodenrekonstruktion (AGUB e.V.) zertifiziert ist. Laut Dr. Dengler reichen die Behandlungsmöglichkeiten von einem gezielten Training der entsprechenden Muskeln über eine medikamentöse Therapie bis hin zu minimalinvasiven operativen Eingriffen, wie beispielsweise dem Einsatz von Kunststoff-Bändchen und Netzen.
„Die Therapieoptionen“, unterstrich der Gynäkologe, „sind vielfältig und sehr effektiv, so dass wir die Lebensqualität der Betroffenen deutlich bessern können.“ Die Zuhörerinnen und Zuhörer nutzten die Möglichkeit, zahlreiche Fragen an den Referenten zu stellen und informierten sich im Anschluss an den Vortrag bei einer Industrieausstellung über medizinische Neuerungen und Hilfsmittel.