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Bischof Algermissen erteilte „Missio canonica“ zum Abschluß des „Tages der Katechese“

Fulda/Hanau/Kassel/Marburg. In einer Eucharistiefeier im Hohen Dom zu Fulda hat Bischof Heinz Josef Algermissen am Donnerstag 36 Religionslehrerinnen und zwei Religionslehrern aus der Diözese die „Missio canonica“ erteilt. Die Meßfeier bildete zugleich den Abschluß des traditionellen „Tages der Katechese“ in der Zeit nach dem Bonifatiusfest. In seiner Predigt vor rund 200 Religionslehrern und Katecheten bezog sich der Bischof auf die Müdigkeit des Propheten Elias, der den Götzendienst in Israel zunächst erfolgreich besiegt zu haben schien, dann aber vor seiner Feindin, Königin Jezabel, in die Wüste fliehen mußte. Dort kam er abgehetzt an, hatte seinen Dienst satt, wünschte sich den Tod.

Heute werde ein solcher Mensch, der von physischer Erschöpfung, Überdruß und innerer Lähmung gezeichnet sei, „ausgebrannt“ genannt („Burn-out-Syndrom“), sagte Bischof Algermissen und betonte, daß dies oft gerade in pädagogischen Berufen vorkomme. Besonders betroffen seien ausgerechnet die engagierten Menschen mit hohem Idealismus, die aufgrund von Überlastung und Rückschlägen oft in tiefste Depression fielen. Ihr inneres Feuer habe sie selbst erfaßt und verzehre sie, so daß oft nur noch eine ausgehöhlte Fassade übrig bleibe.

Tröstlich sei hier, daß die Bibel „unsere Krankheiten“ kenne und vermittels ihrer Geschichten der Heilung auch Rat wisse, betonte der Oberhirte. So verfalle Elias zunächst in tiefen Schlaf, der aber an sich noch nicht Heilung bringe, vielmehr, wie schon das Mittelalter wußte, dem Tod nahe verwandt sei. Gott wolle aber, daß „wir das Leben in Fülle haben“, sagte der Bischof, und so geschehe es bei Elias, daß ihm ein Engel gesandt werde, um ihn mit Essen und Trinken zu stärken. Dadurch habe Elias Kräfte sammeln können für den weiten Weg, den er noch vor sich gehabt habe. Diese Geschichte übermittle eine Botschaft des Trostes und der Hoffnung, erinnerte Algermissen, und dies gelte gerade auch für durch ihr Engagement erschöpfte Religionslehrer. „Gott arbeitet mit großer Geduld an einem neuen Aufbruch“, betonte Bischof Algermissen.

Der traditionelle „Tag der Katechese“ wird von der Abteilung Schule-Hochschule-Medien und dem Seelsorgeamt im Bischöflichen Generalvikariat sowie dem Diözesanverband des Deutschen Katechetenvereins (DKV) veranstaltet. Die Begrüßung erfolgte in diesem Jahr durch die Vorsitzende des Deutschen Katecheten-Vereins im Bistum Fulda, Lic. Theol. Diplompädagogin Marianne Hartung (Kassel). Daran schloß sich der Vortrag von Prof. Dr. Reinhold Boschki (Bonn) an. „Dem Glauben (m)ein Gesicht geben – religiöses Lernen als Beziehungsgeschehen“ lautete das Thema.

„Glaubwürdig unterrichten, glaubwürdig von Gott erzählen“ bezeichnete der Religionspädagoge als das wichtigste Ziel des Religionsunterrichts, wozu er die Religionslehrerinnen und -lehrer sowie Katecheten ermutigte. Als Herausforderungen für den heutigen Religionsunterricht hatte Prof. Boschki die aktuelle Diskussion um Mißbrauch in der Kirche und eine zunehmende säkularisierte Gesellschaft vor Augen geführt. Verlorengegangenes Vertrauen müsse dadurch wiederhergestellt werden, daß man dem Glauben „sein eigenes Gesicht“ gebe und sich den innerkirchlichen und gesellschaftlichen Anfragen offen stelle.

Dazu arbeitete Prof. Boschki die Bedeutung von „Beziehung“ als eines anspruchsvollen Konzeptes heraus. Die jüdisch-christliche Religion sei eine „Beziehungsreligion“, und Gott sei als der Person zugewandter Gott eben auch ein „Gott der Beziehung“. Als Christ gelte es auch, eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus, zu anderen Menschen und zur Welt zu leben und beim religiösen Lernen zu vermitteln. Qualitätskriterien für religiöses Lernen in Schule und Gemeinde wie auch in der Gemeinde sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sodann in Gruppen erarbeiten.

Der Referent selbst nannte unter anderem: das Evangelium zum Leuchten kommen lassen, die Gottesfrage zur Sprache bringen, den Lernenden Impulse für die eigene Gottesbeziehung und die Beziehung zu anderen zu geben. In verschiedenen Arbeitskreisen am Nachmittag ging es dementsprechend um das „Sakrament als Beziehungsereignis“ oder auch um „Paare in der Bibel als Chance für ein gutes Menschen- und Gottesbild“. Auch das „Philosophieren mit Kindern“ oder „Heilungsgeschichten“ wurden ebenso thematisiert wie meditativer Tanz, Bibliodrama und biblisches Erzählen. Weitere Arbeitskreise befaßten sich mit „Begegnungen jenseits von Streß und Schulalltag“, literarischen Gottesbildern und Kurzfilmen, aber auch der Begegnung mit der lebendigen kirchlichen Tradition Fuldas. (bpf)

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