Fulda. „Man fühlt sich akzeptiert“, erklärte Hydegarde Njieya Ndeungoue aus Kamerun freudig. Die Studentin, die seit sieben Jahren in Deutschland lebt, erhielt zusammen mit 53 weiteren Personen aus 19 Ländern bei einem Empfang im Marmorsaal des Stadtschlosses ihre Einbürgerungsurkunde von Oberbürgermeister Gerhard Möller. „In einer Zeit, in der wir mit einem Selbstverständnis über Islamkonferenzen reden und eine Migrantin Landesministerin ist, wird deutlich, dass das Thema Integration mittlerweile zu Recht einen wichtigen Stellenwert in unserer Gesellschaft eingenommen hat“, stellte der Fuldaer Verwaltungschef im Beisein von zahlreichen Ehrengästen – wie der Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Hartmann, dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Gerhard Stollberg, dem Koordinator für Ausländerangelegenheiten Hossein Mohseninia sowie den Vertretern des Ausländerbeirats, des Bürgerbüros und des Rechts- und Ordnungsamtes der Stadt Fulda – fest.
Die Zukunft der Stadt mitgestalten
Die Verleihung der deutschen Staatsangehörigkeit an Ausländer begründet Rechte und Pflichten und ist Voraussetzung für das Wahlrecht sowie die Wählbarkeit. Die Einbürgerung setzt eine freiwillige und dauernde Hinwendung zu Deutschland, seiner staatlichen Ordnung und ein Bekenntnis zur freiheitlichen, demokratischen Grundordnung voraus. „Wir freuen uns, dass Sie diesen Schritt getan haben und dass Sie sich für unsere Stadt und das Stadtgeschehen interessieren“, so Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Hartmann.
Im Zuge dessen ging sie auf das Wahlrecht ein und rief die Neubürger dazu auf, davon Gebrauch zu machen sowie sich ehrenamtlich zu engagieren und damit die Zukunft der Stadt und der Region mitzugestalten. Während Abdulkerim Demir darauf hinwies, dass einige Migranten Abgeordnete in Länderparlamenten und im Bundestag sind, forderte er als Mitglied des Ausländerbeirates alle Anwesenden zur politischen Teilhabe auf. Denn nur dann könne man auf „die Entscheidungen, die einen selbst betreffen, direkt Einfluss nehmen“. Nun müsse der Begriff der Integration mit Inhalten gefüllt werden, bemerkte Demir und wies daraufhin, dass das Beherrschen der deutschen Sprache dafür unabdingbar sei.
Wechselseitige Bereicherung
„Die Stadt Fulda begrüßt Sie hiermit herzlich als Mitbürger und ich bin der festen Überzeugung, dass wir durch Sie eine wechselseitige Bereicherung erfahren“, freute sich Gerhard Möller, der den anschließenden persönlichen Erfahrungsbericht der 29-jährigen Suzy Kameni Tchougai aus Kamerun interessiert verfolgte. Die seit fünf Jahren in Deutschland lebende verheiratete Frau erzählte auf Deutsch, wie sie sich nach ihrem Au Pair-Aufenthalt gut in Fulda eingelebt hatte und was für sie an ihrer neuen Heimat besonders ist.
„Ich bin sehr glücklich, jetzt die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten zu haben“, erklärte die BWL-Studentin, die an Deutschland besonders die Arbeitsmoral, die Höflichkeit, Freundlichkeit, Pünktlichkeit und das Sozialsystem schätzt. „Was mich aber überrascht hat, ist, dass hier die Verwandtschaft nur selten und nicht wie in Kamerun unangemeldet zu Besuch kommt“, fügte sie lachend hinzu. (cp)

