Fulda. Zu einem weiteren Abend zum Thema Menschenrechte, diesmal mit Blick auf die Lage der Frau im Iran, konnte das Bonifatiushaus die Journalistin Frau Elisabeth Kiderlen begrüßen. Durch zahlreiche Reisen in den Iran sowie einem Lehrauftrag an der Universität von Isafahan hatte sie Gelegenheit, die Menschen in besonderer Weise kennen zu lernen. In Form einer Lesung nahm die Journalistin die zahlreichen Zuhörer und Zuhörerrinnen mit auf Ihre Reise und ihren Erlebnissen im Iran. Immer war dabei auch Gelegenheit durch Rückfragen noch intensiver in das Gehörte einzutauchen.
Durch die Portraitierung von sechs unterschiedlichen Menschen gelang es Frau Kiderlen ein differenzierteres und facettenreicheres Bild vom Iran und der Kreativität der Iraner aufzuzeigen, als dies gemeinhin in den Medien praktiziert wird. So berichtete sie beispielsweise von einem Mann, der Bauchtanz praktizierte da dies den Frauen untersagt sei, von einer Dame die die Regierung nicht anerkennt und somit auch nicht die gegebene Verkehrsordnung und daher jede Ampel bei Rot „überfuhr“, sowie von einem Zusammenschluss von Frauen, die für eine Präsidentin vor dem Amtssitz des Präsidenten skandierten. Journalisten – so Frau Kinderlen, berichteten immer nur dann, wenn etwas „Großes“ geschehe, so komme es zu einer verzehrten Wahrnehmung und der Alltag und das liebenswerte der Menschen bliebe außen vor.
Natürlich gäbe es auch die fundamentalistisch aggressiven Gruppierungen – sie jedoch habe die Iraner als sehr höfliche und gastfreundliche Menschen kennen gelernt. Seit der Niederschlagung der Demokratiebewegung im Iran hätten die Beschränkungen, die die Regierung diesen Menschen abverlangt, wieder zugenommen – nichtsdestotrotz sehe sie die Lage nicht als aussichtslos, da die allmähliche Veränderung des Bewusstseins, die schon stattfand, nicht per Dekret zurückgedreht werden könne.
Die anschließende Präsentation einiger Bilder ihrer Reisen rundeten den Abend ab und ließen noch mal deutlich werden, dass das vorherrschende Bild von braven und unterwürfigen iranischen Frauen nicht mehr haltbar ist und vielleicht auch nie haltbar war. Herr Gunter Geiger resümierte in seinem Dank an Frau Kinderlen, dass ihre Zuneigung für dieses Land spürbar und auch nachvollziehbar sei. Mit einer herzlichen Einladung an die Gäste für weitere Akademieabende klang die Veranstaltung dann aus.