Fulda. Am Samstag, 19. Juni, 13.00 Uhr – 13.30 Uhr (!), wird Regionalkantor Thomas Wiegelmann als Vertretung für den überraschend verstorbenen Boris Arkadieff die Orgelmatinee im Fuldaer Dom gestalten. Sein vielfältiges Programm bezieht neben Dietrich Buxtehude auch Werke von Bach, Schumann und Brahms ein. Der Kostenbeitrag für die Orgelmatineen beträgt 3,50 € (ermäßigt 2,50 €).
Thomas Wiegelmann, Studium der kath. Theologie und Schulmusik, musikwissenschaftliche Studien an den Universitäten Bochum und Essen (Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien), Kath. Kirchenmusik an der Folkwanghochschule Essen. Lehrer waren u. a. Prof. Gerd Zacher (Orgel), Prof. J. Bucher (liturgisches Orgelspiel u. Improvisation) sowie Prof. G. Knüsel (Chorleitung). Zwischen 1984 u. 1988 Teilnahme an den Internationalen Sommerkursen und Dozentenkursen für Gregorianik in Essen (Ltg. Prof. Dr. G. Joppich), Fortbildungskurse Kinderchorleitung 1994-95 bei der Bundesakademie Trossingen, u. a. bei Prof. A. Ickstadt, Prof. K. Hofbauer.
Seit 1988 im Bistum Fulda als Kantor in St. Martin, Bad Orb, sowie Dozent am Kirchenmusikinstitut Fulda und Diözesanbeauftragter für die Kinderchorarbeit zuständig. Darüber hinaus als Domkantor in den Jahren 1989-1993 erster Leiter und Mitbegründer der Mädchenkantorei und Domsingknaben Fulda. Derzeit Regionalkantor im Dekanat Kinzigtal. In dieser Eigenschaft zuständig u. a. für die Fort- und Ausbildung von nebenberuflichen Organisten und Chorleitern, Beratung von Kirchengemeinden in kirchenmusikalisch-liturgischen Fragen, Mitglied der Kommission für das neue Gebet- und Gesangbuch (Eigenteil Diözese Fulda). 1993 Gründung und Leitung des Kammerchores St. Martin, des Pfarrchores St. Martin, des Jungen Chores St. Martin und des Gospelchores Salmünster. Mitarbeit und Förderung wichtiger Orgelprojekte der Region (z. B. Salmünster, Wächtersbach, Alsberg).
Zu den Werken:
Dietrich Buxdehude Praeludium in F-Dur
Das einleitende Präludium gliedert sich in drei Abschnitte. Es beginnt eher traditionell mit lang ausgehaltenen figurierten Harmonien, wechselt dann aber im zweiten Abschnitt zu einer „modernen“ Schreibweise: Sequenzierendes Motivspiel im Manual verbindet sich auf faszinierende Weise mit angedeuteten Ostinati im Pedal. Dem relativ schnellen harmonischen Rhythmus des zweiten Abschnitts hält der dritte zusehends deutlicher hervortretende, großflächige Orgelpunkte entgegen. Die Fuge mit ihrem spielerischem, in Ambitus (Duodezime) und Ausdehnung (6 Takte) gleichermaßen bemerkenswerten Thema zeichnet sich nicht nur durch beträchtlichen Umfang, sondern auch durch durchgehend virtuose Haltung aus – der Einfluss dieses Werkes auf Bachs Fugen D-Dur BWV 532 und g-Moll BWV 542 ist offenkundig.
Dabei ist das Stück planvoll in drei fast gleich lange Teile gegliedert. Auf die Exposition folgt eine weitere Durchführung mit vertauschten Stufen, danach eine Art Improvisation, bei der die verschiedenen Elemente des Themas in fragmentierter Form erscheinen. Das Werk wird mit einer kurzen Coda beschlossen, die von Froberger’schen Modellen inspiriert zu sein scheint. Wenngleich Quellen – wie bei allen anderen Präludien Buxtehudes – keine Angaben zur Manualverteilung enthalten, erscheint in den ersten drei Takten des Fugenthemas ein taktweiser Wechsel musikalisch plausibel. Dieses Wechselspiel sollte aber, da im Pedal mehrfaches Umregistrieren nicht praktikabel erscheint, nicht im Sinne eines „Echos“, sondern nur durch eine leichte klangfarbliche Differenzierung der Manuale gestaltet werden.
J. S. Bach „Schmücke dich, o liebe Seele“
Ein besinnlicher, fast lyrisch gestimmter Duktus liegt diesem Satz zu Grunde, der einmal ganz ohne ambitionierte Momente auskommt (nur die erste Choralzeile wird vorweggenommen). Als prägend erweisen sich vielmehr die klanglich bestimmten Fortschreitungen in Sextund Terzparallelen und die von den Achtelketten bestimmte fließende Gangart. Neben der klaren Aufteilung der Stimmen nach ihrer Funktion sorgt auch die vorbereitete Wiederholung der ersten Takte am Ende des Satzes für strukturelle Klarheit.
Robert Schumann Studien für Pedalflügel op. 56
Schumanns »Studien« op. 56 aus dem Jahr 1845 sind für den Pedalflügel geschrieben, ein Hammerklavier mit angehängtem Orgelpedal (ursprünglich ein Übeinstrument für Organisten), das die klanglichen Möglichkeiten des traditionellen Klaviers in der Bassregion deutlich erweiterte. Für Schumann bedeuteten diese Werke eine erste Wiederannäherung an das Klavier nach Abschluss seiner ausschließlich Klavierwerken gewidmeten Kompositionsphase während der 1830er-Jahre. Sie sind Ergebnisse seiner intensiven Fugen- und Kontrapunktstudien in dieser Zeit. Die »Sechs Stücke in kanonischer Form«, wie Schumann sein Opus 56 im Untertitel nannte, sind denn auch eine Abfolge höchst unterschiedlicher Charakterstücke, die in der Weite ihres Ausdrucksspektrums an die Klavierwerke der 1830er-Jahre anknüpfen.
Johannes Brahms „Herzlich tut mich erfreuen“
Die im Todesjahr Clara Schumanns niedergeschriebenen Elf Choralvorspiele op. 122 sind eine Sammlung, über deren Gesamtkonzeption viel und vergeblich spekuliert wurde. Klavierdiktion und Vorimitation bilden die heterogenen Elemente dieses singulären Vorspiels: in orgelgemäß domestiziertem Klaviersatz (Akkordbrechungen mit gelegentlichem Akzentverschiebungen in den melodieführenden Spitzentönen) wird jede Zeile als Comes dreistimmig und im mf bzw. p vorimitiert, bevor vierstimmig, forte und in Dux-Version die Cantus-firmus-Zeilen folgen. Ein behutsames Rubato dürfte ebenso angezeigt sein wie eine je nach Akustik variierende Dehnung der Spitzentöne in den dreistimmigen Abschnitten.
Robert Schumann Skizzen für den Pedalflügel op 58
Nicht Polyphonie, sondern klangliche Kompaktheit steht bei diesen vier Stücken (c-Moll, C-Dur, f-Moll, Des-Dur) im Vordergrund. Gleichwohl machte dieser am Klavier entwickelte Satztyp Karriere, wenn auch nicht in Deutschland: Es waren die Franzosen, die diese Skizzen zuerst in ihr Repertoire aufnahmen; von Lemmens über Guilmant bis zu Widor finden sich Ausstrahlungen dieser Schumann’schen Diktion.
Programm:
- Dietrich Buxtehude (1637 – 1707) Praeludium in F-Dur BuxWV 145
- J. S. Bach (1685 – 1750) „Schmücke dich, o liebe Seele“, Choralbearbeitung aus den „Leipziger, Chorälen“ BWV 654
- Robert Schumann (1810 – 1846) aus den Studien für den Pedalflügel op. 56 „Sechs Stücke in kanonischer Form“:
I. Nicht zu schnell – eine Remineszenz an J. S. Bach.
V. Nicht zu schnell
VI. Adagio
- Johannes Brahms (1833 – 1897) aus den Choralvorspielen op. 122Â „Herzlich tut mich erfreuen die liebe Sommerzeit“
- Robert Schumann aus den Skizzen für den Pedalflügel op. 58:
I. Nicht zu schnell und sehr markiert
II. Nicht zu schnell und sehr markiert
An der Domorgel: Thomas Wiegelmann, Bad Orb
Weitere Informationen zu den Orgelkonzerten im Fuldaer Dom finden Sie unter www.orgelmusik.bistum-fulda.de