Written by 3:23 Alle Nachrichten

„Glaube und Mut sind nie vergeblich“ – Vortrag von Dr. Clay über Bonifatius

100610_BonifatiusFulda. „Glaube und Mut im Angesicht der Not sind nie vergeblich“, so beendete Dr. John-Henry Wilson Clay (York) am Dienstag abend seinen Vortrag zum Thema „Im Schatten des Todes – der heilige Bonifatius und seine Mission im sächsisch-hessischen Grenzland“. Rektor Prof. Dr. Christoph Gregor Müller hatte den jungen englischen Historiker und Archäologen im Auditorium maximum mit dem Josef-Leinweber-Preis ausgezeichnet, der alle drei Jahre vom Förderkreis der Theologischen Fakultät Fulda für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Geschichte und Geistesgeschichte von Abtei und BistumsFulda verliehen wird. Der Preis ist mit  2.600  Euro dotiert.

Dr. Clay wurde für seine Dissertation ausgezeichnet, die einen umfassenden Überblick über die hessische Mission des hl. Bonifatius biete, wie Prof. Dr. Bernd Goebel in seiner Vorstellung des Referenten hervorhob. „Ein Historiker aus England kann die Lebensumstände des Heiligen, der bereits die Hälfte seines Lebens in England verbracht hatte, als er nach Germanien kam, uns sicher bestens nahebringen“, so der Fuldaer Philosophieprofessor.

In der Tat gelang es Dr. Clay, seine Zuhörer mit einer Rekonstruktion der heidnischen sakralen Landschaft Nordhessens von Amöneburg bis zur Diemel vor der Ankunft des Bonifatius und der Schilderung des hohen missionarischen Selbstverständnisses des späteren Märtyrers und seiner Begleiter in den Bann zu schlagen. Die freiwillig auf sich genommene peregrinatio als Pilgerschaft und Leiden im Exil entsprach laut Clay der Weltanschauung der englischen Missionare.

Bonifatius erkannte die Talente seiner Mitarbeiter und erwies ihnen bei den Aufgaben, die er ihnen in der Mission übertrug, sein Vertrauen. „Er war eine große Führungspersönlichkeit“, hob der Referent hervor. Von der sozialen Realität des hessischen Heidentums, seinen Bräuchen und Ritualen, ist heute fast nichts mehr bekannt. „Es muß aber viele weitere heidnische Kultstätten wie die Donareiche gegeben haben“, zeigte sich Clay überzeugt, der auch die Topographie und die Ortsnamen Althessens ausgewertet hat. Die Sachsenmission des hl. Bonifatius war zunächst ein großer Erfolg, erlebte aber durch die Rebellion von 752 einen schweren Rückschlag. Bonifatius, der „besonnen und unberirrbar“ vorging, habe keine Missionierung mit dem Schwert gewollt – dies blieb später Karl dem Großen vorbehalten. (bpf)

Visited 1 times, 1 visit(s) today
Close