Hanau. „Selig seid ihr, wenn ihr Wunden heilt, Trauer und Trost miteinander teilt!“ So beginnt Christa Kuhn, Leiterin des stationären Hospizes Louise de Marillac in Hanau, ihren Jahresbericht für das Jahr 2009 und den alljährlichen Hospizbrief der Einrichtung der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul aus Fulda. Als Peter Jansen 1979 das Lied „Selig seid ihr“ für sein Musikstück „Uns Allen blüht der Tod, ein Fest für die Lebenden“ komponierte, steckte die Hospizbewegung in Deutschland noch in der Entwicklung, will Christa Kuhn damit ausdrücken und auch, dass sich in den vergangenen 30 Jahren in Hanau und im Main-Kinzig-Kreis sehr viel in der Hospiz- und Palliativbetreuung getan hat.
Mittlerweile seien über 150 stationäre Hospize in Deutschland entstanden, die gemeinsam mit den zahlreichen ambulanten Hospizdiensten und den seit 2007 installierten Palliativteams ein großes Netzwerk bilden, das allen Menschen, die direkt oder indirekt mit dem Tod in Berührung kommen, gute Unterstützung und Hilfe geben kann. Die Zeile aus dem Lied von P. Jansen beschreibe die Arbeit in diesem Netzwerk. Alle, die in diesem Netz tätig seien, hätten es sich zur Aufgabe gemacht, die Wunden der Hospizgäste zu lindern oder wenn möglich, sogar zu heilen.
Trauer und Trost mit den Gästen und ihren Angehörigen zu teilen gehöre ebenso dazu, wie auch das Teilen von Freuden. Der Spaziergang über den Hanauer Wochenmarkt zähle genauso dazu, wie der Ausflug im Bett auf die Sonnenterasse des Hospizes oder der Eisbecher in der Eisdiele in der Fußgängerzone. „Jedes Lächeln unserer Gäste, das wir als Dank erhalten“, so die Hospizleiterin, „zeigt meinen Mitarbeitern und mir, welche Freude wir unserem Gast gegeben haben“.
Was geschah in 2009?
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 113 Gäste im Hospiz betreut, wovon 110 im Hospiz verstarben. Das Durchschnittsalter lag bei 66 Jahren, wobei der älteste Gast 97 Jahre, der jüngste Gast 38 Jahre alt wurde. Die 8 Plätze des Hospizes waren bei einer durchschnittlichen Verweildauer von 21 Tagen zu 78,2% belegt. Die Gäste des Hospizes kamen aus Hanau und dem gesamten Rhein- Main- Gebiet, Aschaffenburg, Friedberg, Darmstadt und Gelnhausen, Schlüchtern und sogar aus Bad Brückenau.
Zu den Höhepunkten im Jahresverlauf zählte unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit am Festtag 15. März, dem Todestag der Namensgeberin des Hospizes, der Hl. Louise von Marillac, der Festakt zum 175jährigen Jubiläum der Barmherzigen Schwestern aus Fulda, der gemeinsam mit dem St. Vinzenz- Krankenhaus und dem Alten- und Pflegeheim St. Elisabeth in den Räumlichkeiten des Krankenhauses gefeiert wurde.
Im Mai folgte die schon zur Tradition gewordene Einladung des Hanauer Oberbürgermeisters Claus Kaminsky zu den Märchenfestspielen im Amphitheater in Hanau zum Musical Dornröschen und im Juni fand für die Angehörigen und Freunde der Verstorbenen aus dem Zeitraum Juni 2008-Mai 2009 in die Kapelle des St. Vinzenz Krankenhauses ein Gedenkgottesdienst statt. Der Oktober brachte einen schönen goldenen Herbst und auf der Ostseite des Hospizes einen neuen Freisitz mit Brunnenanlage.
Die Planung wurde kostenfrei durch Dipl. Ing. Jessica Jacoby, eine Hanauer Landschaftsgestalterin, übernommen. Der Bau wurde durch mehrere Außendienstmitarbeiter des Pharmaunternehmens GlaxoSmithKline, das seine Mitarbeiter für zwei Tage für diese Maßnahme frei gestellt hatte, umgesetzt. Finanziell wurde das Projekt durch den Förderverein Palliative Patientenhilfe Hanau unterstützt. Im Dezember dann machten die Mitarbeiter des Hospizes eine ganz neue Erfahrung. Eine Kindergartengruppe hatte sich zum Weihnachtssingen im Hospiz angemeldet und erfreute die Hospizgäste mit Advents- und Weihnachtsliedern. Am Nachmittag des Heiligen Abends brachten die Messdiener der Pfarrgemeinde Hl. Geist aus Hanau ein Krippenspiel dar.
„Dies alles, und dass das Hospiz in 2009 aus wirtschaftlicher Sicht ein ausgeglichenes Ergebnis schreiben konnte, war aber nur möglich durch die großzügige Unterstützung der vielen Spender, Paten und Freunde unseres Hospizes“, so Christa Kuhn und ergänzt: „Da nach wie vor nur 90% unserer Gesamtkosten über Pflegesätze abgerechnet werden können, benötigen wir jedes Jahr ein Spendenaufkommen von mindestens 70 TEUR, um kostendeckend arbeiten zu können.“ Ein besonderer Dank gebühre aber auch den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die dem hauptamtlichen Team eine wertvolle Hilfe seien.
Spendenkonto: Sparkasse Hanau, BLZ 506 500 23, Konto 71 332