Rhön. Als 1991 die Rhön mit ihren drei Landesteilen Bayern, Hessen und Thüringen von der UNESCO zum Biosphärenreservat ausgerufen wurde, löste diese Entscheidung nicht nur Freude aus. „Vielmehr gab es auch Befürchtungen, dass es plötzlich zu starken Einschränkungen kommen könnte“, sagt Dr. Hubert Beier. Er ist Vorsitzender des Vereins Natur- und Lebensraum Rhön, der sich unmittelbar nach der Ernennung der Rhön zum Biosphärenreservat gründete, um alle Akteure der Region und die Bevölkerung mit in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen.
„Es gab von Anfang an ein sehr starkes Interesse von vielen, in unserem Verein mitzuarbeiten. Einige wollten den Naturschutz voranbringen; die Kommunen fürchteten beispielsweise, keine Bebauungspläne mehr ausweisen zu können, und auch die Landwirte waren zum Teil verunsichert“, beschreibt Dr. Beier die damalige Situation.
Als das Rahmenkonzept für das Biosphärenreservat Rhön mit seinen drei Zonen Pflege-, Entwicklungs- und Kernzone erarbeitet wurde, brachten sich gleich verschiedene Arbeitsgruppen des Vereins mit ihren Ideen ein. „Uns ging es darum, die Bevölkerung der Region in die Entwicklung des Biosphärenreservats einzugliedern, außerdem um Verständnis für das Biosphärenreservat zu werben und Kompromisse mit allen Beteiligten zu erarbeiten“, betont der Vorsitzende.
Bis heute hat sich die Mitgliederstruktur im Verein Natur- und Lebensraum Rhön nicht geändert. Das Land Hessen und die beiden Landkreise Fulda und Hersfeld-Rothenburg gehören genauso dazu wie die Städte und Gemeinden, die Organisationen des Naturschutzes, berufliche und berufsständische Organisationen und Unternehmen sowie sonstige Gruppen, Initiativen, Vereine, Stiftungen und Privatpersonen.
„In den ersten Jahren ging es bei uns hauptsächlich darum, was wir im Biosphärenreservat Rhön überhaupt wollen. Da gab es beispielsweise heftige Diskussionen zwischen dem Naturschutz und den Landnutzern und mit der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel. Dann hat sich unsere Tätigkeit hin zur Organisation einer Regionalentwicklung geändert“, blickt Dr. Beier zurück.
Der Verein Natur- und Lebensraum Rhön sei die erste Regionale Entwicklungsgruppe in Hessen gewesen; heute gebe es über 20 solcher anerkannten Regionalforen. In erster Linie kümmerten sich die Mitglieder um die Erstellung von Konzepten und versuchten, die Bevölkerung für interessante Projekte zu begeistern.
Auch die Beantragung von Fördermitteln im Rahmen der europäischen Gemeinschaftsinitiativen Leader I und Leader II sowie gegenwärtig für ELER kam hinzu. 2008 erstellte der Verein das Regionale Entwicklungskonzept für die hessische Rhön; eines der jüngeren Projekte war die Erarbeitung eines Vorschlags für die Ausweisung von Kernzonen für das Biosphärenreservat Rhön, der vor einigen Wochen an das zuständige Ministerium übergeben werden konnte.
In den einzelnen Fachforen des Vereins geht es um Themen wie den Ausbildungsverbund Rhöner Lebensmittel, um die Zukunft der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum, um den Bereich alternative Energieerzeugung und um die Entwicklung eines länderübergreifenden Tourismus. „Eine wichtige Zielsetzung ist es, wieder verstärkt private Projekte zu fördern. Wir haben immer im Blick, dass es um Arbeitsplätze in der Region geht. Die gegenwärtige Förderperiode ELER lässt die Förderung im Privatbereich auch zu“, erläutert Dr. Beier.
Ein Projekt, das ebenfalls aus der Initiative des Vereins heraus entstand, war das Grünlandprojekt für das Biosphärenreservat Rhön, bei dem es um eine großflächige, ganzjährige und extensive Beweidung ging. Seit kurzem ist Rieke Trittin aus Gersfeld als landwirtschaftliche Beraterin für das Biosphärenreservat Rhön eingestellt. Auch daran beteiligt sich der Verein Natur- und Lebensraum Rhön finanziell.