Schönes aus Fulda. Das Klinikum Fulda hat mit sechs Krankenkassen sowie vier Gemeinschaftspraxen aus Hofbieber, Kalbach, Bad Salzschlirf und Fulda einen Vertrag zur ambulanten Versorgung schwerstkranker Patienten geschlossen. Vorrangiges Ziel der Vertragspartner ist es, stationäre Aufnahmen zu vermeiden und diesen Patienten ein würdevolles und selbst bestimmtes Leben im eigenen Haushalt oder in der Familie bis zum Lebensende zu ermöglichen.
Fotos (18): Max Colin Heydenreich
Prof. Dr. Heinz-Gert Höffkes, Direktor der Tumorklinik am Klinikum, hat die Aufgabe des Palliativkoordinators übernommen. Laut Höffkes ist die ärztliche Betreuung sektorenübergreifend und interdisziplinär ausgerichtet. Heißt: niedergelassene Haus- und Fachärzte werden die Patienten zusammen mit dem Klinikum als onkologischem Schwerpunktkrankenhaus versorgen. Weitere in Palliativ Care geschulte Partner wie Hospiz- und Pflegedienste sollen sich nach den Vorstellungen von Klinikum und Krankenkassen anschließen und Vertragspartner werden.
Matthias Grün, verantwortlich für Integrierte Versorgung bei der AOK Hessen, erklärt: „Eine Vernetzung der einzelnen Segmente sorgt für eine optimierte Versorgung. Dazu gehört auch die Krisenintervention im häuslichen Umfeld des Versicherten, zu jeder Zeit, 24 Stunden lang und an jedem Tag.“
Die Unterstützung des Patienten und seiner Angehörigen umfasse alle medizinischen, psychischen, sozialen, ethischen und spirituellen Fragen. Darüber hinaus soll die Schmerztherapie und die Arzneimittelversorgung optimal gestaltet werden. Ein eigens eingerichtetes Notfalltelefon stehe allen Patienten, die sich in den Vertrag eingeschrieben haben, zur Verfügung.
„Diese ständige Erreichbarkeit und unsere schnelle Präsenz im unvorhersehbaren Krisenfall mildert die Angst vor einem unvorhergesehenen Ereignis“, führt Höffkes weiter dazu aus. Im Notfall kommen Mitarbeiter des Teams des Klinikum Fulda direkt nach Hause.
Das Angebot der integrierten Versorgung schwerstkranker Patienten ist in der Region Fulda nicht neu. Seit Oktober letzten Jahres gibt es das PalliativnetzOsthessen, dem Ärzte, Pflege- und Sozialdienste, kirchliche Einrichtungen, Hospizdienste, Physiotherapeuten, Sanitätshäuser und Apotheken angehören. In der ambulanten Versorgung schwerstkranker Patienten haben die Netzwerkmitglieder jahrelange Erfahrung.
Schmerzmediziner Thomas Sitte, einer der Gründer des PNO begrüßt grundsätzlich, dass sich das Klinikum Fulda nun auch in der Palliativversorgung engagiert. „Das Klinikum betreibt seit Jahren eine onkologische Versorgung auf sehr hohem Niveau“, sagt er. „Ich persönlich freue mich sehr, dass man dort nun auf unsere Gespräche und Vorschläge hin eine Palliativversorgung aufbauen will.“
Allerdings schwingt auch Bitterkeit in seinen Worten mit: „Wir versorgen seit Jahren Palliativpatienten und haben unsere Arbeit optimiert. Leider hat nun das Klinikum, das entsprechende Strukturen erst noch schaffen muss, den Vertrag erhalten und wir nicht. Ob wir in Zukunft im gewohnten Umfang für alle Palliativpatienten, die bei uns anfragen, arbeiten können, ist deshalb ungewiss.”
Ungewiss ist auch, ob es eine Zusammenarbeit zwischen Klinikum und PNO geben wird. Laut Sitte gab es bislang noch kein konkretes Angebot in dieser Arbeit mitzuwirken. “Nach Vertragsabschluss”, erklärt der Mediziner, “wollte das Klinikum wieder auf uns zu kommen. Ich denke, dass mit Prof. Dölp als neuem Vorstand nun auch erneut positive Bewegung in die Gespräche kommen wird.” (hey)